Engagement für Flüchtlinge : Meetzen zwischen Hilfe und Angst

In Meetzen debattieren die Einwohner über die Flüchtlingspolitk des Bundes und ihre persönlichen Empfindungen. Trotz kontroverser Wortbeiträge möchte ein Großteil der Bürger den in Meetzen untergebrachten Flüchtlingen helfen.
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In Meetzen debattieren die Einwohner über die Flüchtlingspolitk des Bundes und ihre persönlichen Empfindungen. Trotz kontroverser Wortbeiträge möchte ein Großteil der Bürger den in Meetzen untergebrachten Flüchtlingen helfen.

Dorfgemeinschaft will helfen, aber keine Erstaufnahmeeinrichtung auf Dauer. Verein Alte Schule lädt zum Kennenlernen ein

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11. September 2015, 21:00 Uhr

Die Menschen in dem beschaulichen 190-Seelen-Dorf Meetzen wollen den Flüchtlingen helfen. Zumindest ein Teil anwesender Bürger signalisierte  auf der Bürgerversammlung  am Donnerstagabend  vor dem Gutshaus ihre Bereitschaft.  Die zeitweise  emotional geführte Debatte verdeutlichte erneut die Angst der Menschen,  durch den Zulauf von  Flüchtlingen  überfordert zu werden. Insbesondere der Politik auf Landes- und Bundesebene wurde kollektives Versagen vorgeworfen. Eine Botschaft, die Landrätin Kerstin Weiss  auf dem  kurzen Dienstweg nach Schwerin und Berlin transportieren möge. Rainer Joop: „Auf Dauer kann das nicht so weitergehen.  Die Bundesregierung muss einen für die Bürger verständlichen  Plan vorlegen.“ Meetzen als Standort für ein dauerhafte Notunterkunft und Erstanlaufstelle könnten sich die wenigstens Einwohner vorstellen: „Wir sind nicht damit einverstanden“,  ruft ein Mann unter dem mit Scheinwerfern ausgeleuchteten Zeltdach am Gutshaus. 

Kerstin Weiss macht deutlich, dass es sich bei der Entscheidung für Meetzen um eine humanitäre Angelegenheit handelt: „Menschen lasse ich nicht unter freiem Himmel schlafen.“ Auf Grund   einer unübersichtlichen und sich ständig ändernden Lage sei eine Vorabinformation in Meetzen eben nicht möglich gewesen. Lediglich der Verein Alte Schule habe sich vor Wochen in einem  allgemeinen Gespräch bereit erklärt, in Notsituationen mit einen seiner Häuser Unterstützung zu leisten. Dass die Wahl auf Meetzen fiel, sei Zufall, so die Landrätin. Vor dem Hintergrund eines nicht abreißenden Stroms von Flüchtlingen   sucht der Landkreis vorsorglich „nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten“.

Kreissozialarbeiter Roy Rietentiedt und  Christof Müller, Alte Schule, warben in Meetzen erneut für ein Miteinander zwischen Bürgern und Flüchtlingen: „Nehmen Sie die Einladung zum Kennenlernen an, spielen Sie Fußball, Volleyball, suchen Sie das Gespräch.  Ihre geäußerten  Befürchtungen gegenüber den Flüchtlingen werden nicht eintreten.“

Ergebnislos verlief der Abend in Meetzen nicht.  Auf Initiative des Meetzeners Stefan Leistner wird es eine Arbeitsgruppe zwischen Landkreis und Alte Schule geben, die  mögliche Probleme und Hilfsangebote direkt vor Ort besprechen wird.

Die Meetzener stehen nicht allein da.  Medizinstudenten wie Nils Birkner und zwei seiner Kommilitonen engagieren sich im Medinetz-Rostock e.V.: „Wir absolvieren ein Praktikum im Klinikum Schwerin, haben von Meetzen aus der Zeitung erfahren und sind spontan vor Ort gegangen, um Hilfe anzubieten."  Der Verein engagiere sich u.a. für Flüchtlinge, die ohne Papiere nach Deutschland kommen und Nachweise erforderlich sind.

Aktuell befinden sich 61 Frauen und Männer unterschiedlicher Nationalitäten in Meetzen.  Darunter drei Familien mit Kindern aus Tschetschenien, Serbien  und dem Irak.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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