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Auslöser: Kritik an Schweigeminute für ehemaligen Neonazi : Maulkorb für Schulsozialarbeiterin

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Pünktlich zum Ferienbeginn flatterte in der Heinrich-Heine-Schule in Gadebusch ein Brief von einem Anwalt auf den Tisch der Schulleiterin. Betreff: ein Kontaktverbot der Schulsozialarbeiterin zu einer der Schülerinnen.

svz.de von
erstellt am 03.Jul.2013 | 10:33 Uhr

Gadebusch | Pünktlich zum Ferienbeginn flatterte in der Heinrich-Heine-Schule in Gadebusch ein Brief von einem Anwalt auf den Tisch der Schulleiterin. Betreff: ein Kontaktverbot der Schulsozialarbeiterin Judith Keller zu einer der Schülerinnen der Regionalschule.

In dem Schreiben, das der SVZ vorliegt, heißt es, die Schulsozialarbeiterin habe durch ihr Verhalten das Kind massiv verstört und das Mädchen haben nun "psychologische Probleme". Das seien "die Folgen Ihres Auftreten in der Öffentlichkeit". Daher wünsche die Familie, dass die Schulsozialarbeiterin keinen Kontakt mehr zu dem Kind aufnimmt. Ein Dilemma, denn als Sozialarbeiterin ist sie in den normalen Schulalltag eingebunden.

Auslöser für das Schreiben ist die Kritik von Judith Keller an einer Schweigeminute für den Vater des Kindes (wir berichteten). Der 39-Jährige war ein Fan des Fußballclubs Dynamo Schwerin. Kurz vor einem Spiel gegen die TSG Gadebusch vor vier Wochen hatten Fans von Dynamo jene Schweigeminute initiiert. Die TSG hatte sich bereit erklärt, mitzumachen. Das Problem: Der Verstorbene war ein bekannter Neonazi der Region, der bereits mehrfach vorbestraft war. Dieses besondere Gedenken hatte für viel Kritik gesorgt, die TSG Gadebusch musste sich fragen lassen,warum sie sich für diese Aktion hat einspannen lassen. Zumal die Verantwortlichen eingestanden, dass sie nicht wussten, für wen die Minute abgehalten werden sollte. Der Verein legte kurz danach ein Konzept vor, wie solche Vorfälle zukünftig verhindert werden sollten.

Nicht nur die Schulsozialarbeiterin der Heine-Schule hatte sich damals zu Wort gemeldet. Landrätin Birgit Hesse hatte den Verein scharf kritisiert, Gadebuschs Bürgermeister Ulrich Howest hatte sich vor Judith Keller gestellt. Howest muss sich nun als Bürgermeister um eine Klärung bemühen. "Die Stadt ist der Arbeitgeber von Judith Keller und nicht die Schule", erklärt der Bürgermeister. Denn die Schulsozialarbeit sei eine freiwillige Aufgabe, die sich Gadebusch leiste.

Grundsätzlich besteht in Mecklenburg-Vorpommern Schulpflicht für neun Schuljahre. Seine Lehrer könne sich ein Schüler dann nicht aussuchen. Die Schulpflicht setzt hier klare Grenzen. Ob das nun unter die Schulpflicht falle, sagt Howest, muss jetzt geklärt werden. Die Stadt hat dafür das zuständige Schulamt in Schwerin eingeschaltet. Das Bildungsministerium in der Landeshauptstadt erklärt auf SVZ-Nachfrage, der Fall werde geprüft.

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