Fischerfamilie musste sich von ihrem Kutter trennen : "Marlen" ziert jetzt den Netzschuppen

Nach sechs Stunden Arbeit hat Christian Pursch ein Abbild der „Marlen“ auf den Netzschuppen gesprüht.Hans-Joachim Zeigert
Nach sechs Stunden Arbeit hat Christian Pursch ein Abbild der „Marlen“ auf den Netzschuppen gesprüht.Hans-Joachim Zeigert

"Glück gehabt", zeigt sich Christian Pursch mit Blick gen Himmel zufrieden. Auch die bisher dickste dunkelblaue Regenwolke hat ihren Wasserschwall noch nicht verschüttet, als der Profi-Sprayer sein Werk vollendet hat.

svz.de von
27. Juni 2012, 11:58 Uhr

Wismar | "Glück gehabt", zeigt sich Christian Pursch mit Blick gen Himmel zufrieden. Auch die bisher dickste dunkelblaue Regenwolke hat ihren Wasserschwall noch nicht verschüttet, als der 31-jährige Profi-Sprayer sein jüngstes Werk vollendet hat.

Gut sechs Stunden hat er für die Nachbildung des letzten und größten Wismarer Kutters benötigt. Entstanden ist nach intensiver Arbeit mit Farbsprühdosen die attraktive Gestaltung der Außenwand eines Netzschuppens. Auch der Bereich hätte nicht besser gewählt sein können. Denn der neue Hingucker befindet sich direkt neben dem Eingang zum kleinen Fischerdorf am Alten Hafen. Und das ist er bereits jetzt schon, denn etliche Hafenbesucher blieben bereits in der Anfangsphase voller Neugier und lobenden Worten vor dem entstehenden Wandbild stehen. Genau das hatten die Auftraggeber im Sinn, die Fischerfamilien Hubert und Sohn Martin Saager. "Dass unsere ,Marlen’ so der Nachwelt erhalten bleibt, gefällt uns sehr", sind sich die beiden nach Vollendung der kleinen Kunstwerkes einig. Das Aus nach 45 Berufsjahren in diesem harten Job traf Hubert Saager gesundheitsbedingt. Damit war auch der Verkauf der WIS 121 "Marlen" unvermeidlich. Doch so wurde dem bisher noch einzigen Wismarer 17-Meter-Kutter des Schleppnetzfischerei-Betriebs doch noch ein attraktives Denkmal gesetzt.

Das fast zehn Quadratmeter große Wandbild erfüllt deshalb neben der Verschönerung dieses Hafenbereiches auch eine geschichtliche Funktion. Erinnert es doch an den jahrhundertealten Berufsstand, der in vergangenen Zeiten dazu beitrug, die Hansestadt reich zu machen. Leider ist es abzusehen, dass diese Tradition mangels fehlenden Nachwuchses langsam ausstirbt.

Vor fast elf Jahren, konkret am 10. Juli 2001, zeigte sich dies noch längst nicht so dramatisch, als der Neubau der kleinen Fischerhütten-Siedlung offiziell zur Nutzung übergeben wurde. Gut eine halbe Million Mark investierten damals Land und Kommune für die neuen Holzhäuser, als Ersatz für die alten Netzschuppen. Denn die mussten im Zuge der Rekonstruktion des ehemaligen Holzhafengeländes neuen Investitionen weichen.

Auch Christian Pursch kann sich als gebürtiger Wismarer mit dieser Arbeit identifizieren. Kreative Spuren hat er bereits vielfältig in und rund um die Hansestadt hinterlassen. Dazu gehören unter anderem Trafo- und andere Funktionshäuschen im Auftrag der Stadtwerke oder ganz aktuell am Freizeitbad "Wonnemar" eine Arbeit für den Rostocker Zoo.

Farbliche Sprühaktivitäten ent wickelt der Hansestädter bereits seit 1994. Seit 2002 ist aus seinem einstigen Hobby eine berufliche Basis entstanden. Doch Lust am Malen an sich fand Pursch schon während seiner Schulzeit dank spezieller Kurse. Heute geht diese besondere Gestaltung einher mit Computerentwürfen im kreativ-graphischen Bereich. Gelernt hat er nach seinem Schulabschluss übrigens den Beruf des Druckers. Damit hat er auch weiterhin im übertragenen Sinne mit Farben zu tun.

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