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Alter Schiffskutter : „Marlen“ bekommt ein neues Leben

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Wismarer Förderverein rettet letzten Schleppnetz-Kutter vor Verschrottung. Das Fischereischiff wird restauriert und zum Traditionskutter.

Maritimes Spektakel und Lebendigkeit im Wismarer Westhafen: Zwei kräftige Mobilkräne nahmen den 17-Meter-Kutter „Marlen“ an die Haken und setzten ihn in Höhe ehemaliger Werfthallen an Land.

Etliche Schaulustige, aber vor allem Mitglieder des wenige Monate zuvor gegründeten Fördervereins Marlen e.V. erlebten so mit, wie der mehr als 65 Tonnen schwere Kutter tropfnass das Hafenwasser verließ und geraume Weile in der Luft schwebte. Im geschickten Zusammenspiel mit Einweiser und Kranfahrern der Unternehmensgruppe Krebs saß er anschließend fest und sicher auf dem Trockenen, gestützt durch vier Lagerböcke.

Schon bald soll er ein Gehäuse aus Planen erhalten, um so wettergeschützt mit der Sanierung beginnen zu können. Zuvor lag das Fahrzeug gut zwei Jahre ungenutzt an der Fischerpier des Wismarer Alten Hafens.

Mit dieser Aktion hat das letzte Relikt einstiger regionaler Schleppnetzfischerei zunächst ein Ende gefunden, allerdings mit gleichzeitigem, zukunftsträchtigem Neuanfang. Denn das spektakuläre Ereignis ist auch der Beginn einer etwa zweijährigen Rekonstruktionsphase mit Umbau zum Traditions- und Erlebniskutter mit musealem Charakter.

Bereits Tage zuvor begannen die Krebs-Fachleute mit den aufwendigen Hebe-Vorbereitungen. Etliche, jeweils 15 Tonnen schwere Krangewichte wurden abgeladen, um mit insgesamt 100 Tonnen Zusatzballast den beiden mobilen Hebezeugen die notwendige Standfestigkeit beim Ausschwenken der Kranarme zu verleihen. „Schön, dass alles so perfekt geklappt hat“, freute sich am Ende Wismars jüngster Berufsfischer, Martin Saager.

Immerhin befand sich das 1950 in Damgarten gebaute Fischereischiff 20 Jahre im Familienbesitz. Davon begleitete der 36-Jährige zwölf Jahre lang seinen Vater Hubert auf den Fangfahrten. Der hat nach 45 Dienstjahren in der Fischerei gesundheitsbedingt den Vorruhestand antreten müssen.

Leicht sei es nicht gewesen, sich vom Kutter zu trennen, so Sohn Martin. Doch so ein Kutter muss mindestens mit zwei Leuten gefahren werden. Und das wurde zum Problem, in Zeiten wo sich kaum noch Nachwuchs für diesen körperlich und existenziell harten Beruf einstellt. Natürlich war es deprimierend mit ansehen zu müssen, wie in der vergangenen Zeit der Zahn der Zeit immer mehr an ihrem Fahrzeug nagte. „So sind wir ganz froh, dass jetzt doch noch was passiert und Verschrotten kein Thema mehr ist“, so Martin Saager weiter. Der gehört übrigens, wie derzeit 18 weitere Mitglieder, dem im Herbst des Vorjahres gegründeten Förderverein an.

Dass hier auf alle eine Menge Arbeit zukommt, dessen ist sich auch der Vorsitzende Dietrich Goertz voll bewusst. Der Ruheständler ist in früheren Zeiten selbst als Chief, einem leitenden technischen Offizier, auf verschiedenen Handelsschiffen unterwegs gewesen. Damit hat er, wie andere Mitstreiter vom Fach, ein Händchen für die Neubelebung des Kutters.

Und er weiß auch schon, was als erstes passieren muss: „Zunächst muss die gesamte Außenhaut überholt werden, erst dann sind Propeller, Ruderanlage und Schwanzwelle mit der Restauration dran.“

Mit Ein-Euro-Jobbern, die über das Jobcenter Nordwestmecklenburg finanziert werden, und einer fachkompetenten Betreuung ist der Anfang gemacht. Letztendlich soll das technisch-maritime Denkmal so wieder in Fahrt kommen und damit zudem erlebnispädagogische Törns unternehmen.

Ungeachtet dessen hatte bereit im Sommer 2012 der gebürtige Wismarer Christian Pursch dem Kutter „Marlen“ mit der Bezeichnung WIS 121 ein bleibendes Denkmal gesetzt. Denn das Abbild aus zahlreichen Spraydosen ziert seitdem als zehn Quadratmeter großes Wandbild die Fläche einer Netzschuppenwand an der Wismarer Fischerpier.


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