Wismar : Maritimer Freizeittourismus boomt

'Alle Hände an Deck ': Die 'Gesine von Papenburg', Nachbau einer friesischen Schmack, beim Ablegen.  Hans-Joachim Zeigert
"Alle Hände an Deck ": Die "Gesine von Papenburg", Nachbau einer friesischen Schmack, beim Ablegen. Hans-Joachim Zeigert

Ohne die Masten großer und kleiner Schiffe, die an vergangene Zeiten klassischer Seefahrt unter Segeln erinnern, würde dem Wismarer Alten Hafen etwas fehlen. Genau das ist der Kontrast zu den historischen Speichern.

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05. September 2012, 10:31 Uhr

Wismar | Ohne die Masten großer und kleiner Schiffe, die an vergangene Zeiten klassischer Seefahrt unter Segeln erinnern, würde dem Wismarer Alten Hafen etwas fehlen. Genau das ist der Kontrast zu den historischen Speichern. Dieses lebendig, maritime Flair lieben nicht nur die landseitigen Hafenbesucher. Zahlreiche auswärtige Bootstouristen scheinen dies ebenso zu mögen. Die Wismarbucht und die Hafenliegeplätze gelten längst nicht mehr als Geheimtipp, sondern stehen als Reiseziel oder als Zwischenstopp hoch in der Gunst der Freizeit-Seefahrer.

"Besuchertendenz von See aus eindeutig steigend", so das Fazit von Segelbetreuer Gerhard Zamzow. Seine Statistik reicht zwar nur bis knapp Ende August. Doch seit dem hat der Ehrenamtler im unruhigen Kapitänsruhestand mehr als 1250 kleine und große Fahrzeuge abgefertigt. Nur solche wohlgemerkt, die ausschließlich die gut 50 kommunalen Liegeplätze zwischen Westhafen, Alter Hafen und der Brunkow Pier an der Kopenhagener Straße nutzen. Der fast 74-jährige Wismarer, der diese Aufgabe bereits im elften Jahr wahrnimmt, bemerkt zudem, dass die Anzahl ausländischer Flaggen stetig zunimmt. Besonders auffällig vertreten sind Segler aus Skandinavien und den Niederlanden. Sogar ein Segler aus Tschechien machte kürzlich vor seinem Hafenmeisterhäuschen Station. Hafenfeste oder maritime Großveranstaltungen wie die Hanse Sail, sorgen immer mehr dafür, dass die verschiedensten Schiffe, darunter etliche mit international klangvollen Namen, gern Wismars Liegeplatzmöglichkeiten als Zwischenstopp nutzen. Vor allem größere Traditionssegler melden sich auch jetzt noch bei ihm an. Bis Oktober betreut er die ankommenden und abreisenden Seefahrer und ist dann ab April des nächsten Jahres wieder für sie da.

Zu denen, die gern im Alten Hafen festmachen, gehörte kürzlich der Holländer Eric Querngester. "Wir kommen gern wieder nach Wismar mit seinem schönen Revier und den attraktiven Landgangsmöglichkeiten", erklärte der Kapitän des 26 m langen Schoners "Bisschop v. Arkel" noch vor wenigen Tagen. Seine Schiffsladung: 17 Mitsegler die eine Woche lang das Abenteuer unter Segeln in der westlichen Ostsee gebucht hatten. "Hier findet noch richtige Seefahrt statt, wie in alten Filmen", gerät Mitsegler Jachim Hanus aus Walterdorf bei Zittau fast etwas ins Schwärmen. Mit ihm war eine ganze Gruppe aus der Oberlausitz mit dem betagten Segler unterwegs. Der durchfuhr bereits von 1900 bis 1953 die Ostsee, bis aus ihm ein Freizeitschiff wurde.

Nur wenig später als der holländische Schoner verließ die "Gesine von Papenburg" den Alten Hafen. Auch dort blieben schöne Erinnerungen an den Aufenthalt in der Welterbe Stadt zurück. "Jetzt müssen wir uns sputen, denn wir werden zu einem anderen Hafenfest erwartet", so die Information von Crewmitglied Willi Brant kurz vor dem "Leinen los". Das fast 71-jährige Vereinsmitglied gehört zu denen, die das Plattbodenschiff fahren und auch im Wert erhalten. Der 28,30 Meter lange Segler verfügt über zwölf Kojenplätze, ist aber vom Zustand her weitaus jünger als vermutet. "Es ist der Nachbau einer friesischen Schmack, die als Binnen und Wattschiffe einst den Übergang von der Fluss- zur Seeschifffahrt bestimmten", so Brant weiter. Die Realisierung erfolgte nach verfügbaren Unterlagen vor 27 Jahren durch Azubis bei kompetenter Anleitung auf der bekannten Papenburger Meyer Werft, heute Geburtsort bekannter Kreuzfahrtschiffe. Der Segler ist das einzige, fahrtüchtig ausgerüstete Schiff einer ganzen Serie von historischen Fahrzeugen, die in den Kanälen der Stadt Papenburg festgemacht haben und damit selbst Teil des Papenburger Freilichtmuseums.

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