Konzert : „Marimba-Virus“ erfasst Dechow

Das Marimba-Duo Katarzyna Mycka und Franz Bach eröffnete die 10. Dechower Kulturtage Fotos: bernd Möschl
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Das Marimba-Duo Katarzyna Mycka und Franz Bach eröffnete die 10. Dechower Kulturtage Fotos: bernd Möschl

Katarzyna Mycka und Franz Bach verzauberten Dorfbühne Dechow mit nie gehörten Marimbaphonen

svz.de von
18. März 2014, 00:28 Uhr

Mit virtuosen Marimba-Klängen startete der Dechower Kultursommer jetzt in die zehnte Saison. Katarzyna Mycka und Franz Bach musizierten an zwei zusammen 500 Kilogramm schweren Instrumenten – den Marimbaphonen.

Und die polnische Ausnahmekünstlerin, Jahrgang 1972, ließ es sich nicht nehmen, das in der Tat exotisch anmutende Schlaginstrument kurz zu erklären. So stamme das Marimbaphon oder kurz Marimba ursprünglich aus Afrika und habe zunächst durch Sklaven Einzug in die Volksmusiktradition einiger Regionen Süd- und Mittelamerikas gehalten, bevor es in Europa und Asien populär wurde.

Schmunzelnd stimmten die beiden Künstler Gastgeberin Irmgard von Puttkamer zu, die eingangs gemeint hatte, man müsse schon „Schlagzeug studiert“ haben, um das moderne Marimba – bestehend aus 60 schmalen Plättchen von Palisanderholz sowie leichtmetallischen Resonanzröhren auf einem Buchenholzrahmen – richtig spielen zu können.

Dass die Ankündigung von fünf 2/3 Oktaven Tonumfang ähnlich einem Klavier keinesfalls untertrieben war, wurde dem staunenden Publikum bei der ersten Kostprobe aus einem Konzert des Namensvetters und weltberühmten Klassikers Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) bewusst. Die leidenschaftlichen Marimba-Virtuosen machten in Dechow auch gar keinen Hehl aus ihrer Verehrung für den barocken Tonmeister aus Leipzig, zumal dieser nachweislich selbst gern mit der Instrumentierung seiner Stücke experimentiert und variiert habe.

Mit der eigens für sie komponierten „Brasilian Fantasie“ des heute in Miami lebenden Brasilianers Ney Rosauro zeigten Katarzyna Mycka und Franz Bach mit ihren Marimbaphonen dann, wie die Musik Johann Sebastian Bachs wohl klingen würde, wäre dieser einst persönlich nach Südamerika gekommen. Das mit zwei, vier manchmal sogar sechs wollig umgarnten Schlägeln unterschiedlicher Härte angeschlagene zweireihige „Xylophon“ erinnerte dabei zeitweise tatsächlich an Reggae auf leeren Petroleumfässern. „Da wird doch der Bach glatt zur Samba“, raunte es im staunenden Publikum.

Hatte bis hierher das „Marimba-Virus“ schon den einen oder anderen Gast der Kulturtage Dechow infiziert, so sorgten Katarzyna Mycka und Franz Bach mit Flamenco nach Maurice Ravel (1875 – 1937) und Emmanuel Séjourné (Jahrgang 1961) sowie Tangos des legendären Astor Piazzolla (1921 – 1992) für echte Verzückung.

Das hingerissene Auditorium lauschte teilweise mit offenen Mündern und zollte nicht enden wollenden Applaus bis sich die direkt aus Stuttgart angereisten Künstler noch eine Zugabe abrangen. Zwei miteinander auf mehreren Meter langen Marimbaphonen „tanzende“ Virtuosen intonierten ein vor noch nicht einmal zwei Jahren uraufgeführtes Stück des jungen Dresdener Gitarristen Daniel Nikolas Wirtz namens „Valse Valse“ und trommelten dabei nicht nur die zweimal 60 Klanghölzer ihrer Marimbas, sondern auch die Dechower Bühnenbretter sturmreif. Der Beifall wollte nicht enden.






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