Tierisch : Mardervisite im Motorraum

„Kabelbeißer“ in Aktion – Marder können im Motorraum des Autos mitunter erheblichen Schaden anrichten.
„Kabelbeißer“ in Aktion – Marder können im Motorraum des Autos mitunter erheblichen Schaden anrichten.

Schon drei Mal zerbiss einer der Fellträger die Zündkabel des Wagens von Christoph Völzer/ Kein Patentrezept zur Vorbeugung der Schäden

von
17. März 2015, 00:26 Uhr

Angebissene Schläuche, zerfetztes Isoliermaterial und angenagte Kabel – Marderbesuche können im Motorraum mitunter erhebliche Schäden anrichten. Gleich drei Mal hat es bis jetzt Christoph Völzer aus Rehna erwischt, dass eines der kleinen Raubtiere die Zündkabel seines Fiestas durchbiss. „Teilweise wurde das ganze Kabel zerlegt oder es blieben zwei Zentimeter große Stücke übrig“, erklärt der 49-Jährige. Die Kosten für die Schäden hätte er selbst tragen müssen. „Die Kfz-Versicherung trägt nur die Folgeschäden.“

Auch seine Nachbarn waren von Marder-Attacken im Motorraum befallen und so ging jeder auf unterschiedliche Weise gegen die Marder vor. „Einer meiner Nachbarn empfahl Tabasco-Sauce auf die Kabel zu geben, wegen der Schärfe“, erzählt Völzer. Er selbst habe es mit Klosteinen im Motorraum probiert, deren beißender Gestank die Tiere fern halten sollte. „Ob das wirklich der Grund war, weiß ich nicht, aber danach war bei uns erstmal Ruhe“, erzählt der Rehnaer.

Naturschutzberater Udo Binner erklärt, dass die Zahl der Marder-Attacken generell rückläufig seien. „In meinem Umfeld habe ich seit Jahren nicht mehr zu Ohren bekommen, dass ein Marder mal wieder am Werk war“, sagt der 65-Jährige.

Als Ursache dafür vermutet der Umweltexperte, dass Autobauer heute ihre Modelle wesentlich „tiergerechter produzieren“. Er erklärt, dass es den Steinmardern durch die verriegelnde Bauweise nicht mehr möglich sei, überhaupt ins Innere zu gelangen. Dort suchen die Tiere nach Aussage des Naturexperten nach Ruhe und Wärme. „Aber ich denke, mittlerweile funktioniert das nur noch bei älteren Modellen“, so Binner.

Dass sich die Hersteller zumindest mit der Problematik befassen und an Verbesserungen arbeiten, bestätigt auch Matthias Werner, Kfz-Meister im Autohaus Lienshöft in Gadebusch. „Unterdruckschläuche werden besser verbaut, aber auch auf andere Materialien wird gesetzt“, erklärt er. „Bei jeder Marke schmecken den Tieren immer andere Teile besonders gut. Bei der einen Marke die Zündkabel, bei der anderen die Unterdruckschläuche oder die Dämm-Matten.“

Matthias Werner meint, es gäbe kein Allheilmittel gegen die kleinen Tiere. „Es sind eben Tiere. Mittel, die in 99 Prozent der Fälle Wirkung zeigen, versagen dann beim hundertsten Mal.“ Daher empfiehlt er, generell dort an die Sache heranzugehen, wo die Tiere auch beißen.

Naturschützer Udo Binner hingegen weiß, dass die zwei bis drei Zentimeter großen Pfoten der langgestreckten Tiere empfindlich auf Kükengitter aus dem Baumarkt reagieren. „Die engen Maschen drücken unangenehm. Legt man diese Gitter unter das Auto, könnten die Marder das meiden.“ Kfz-Meister Werner hingegen mahnt, dass manch energischer Fellträger sich auch davon nicht abschrecken ließe. „Jeder rät einem was anderes“, meint Christoph Völzer. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass es kein Patentrezept gegen Marderschäden gibt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen