Schönberg : Männer außer Rand und Band

Leichte Mädchen aus Neubrandenburg.
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Leichte Mädchen aus Neubrandenburg.

Was haben Mönche und die Damen vom horizontalen Gewerbe gemeinsam? Den Schönberger Grand Prix de la Männerballett

svz.de von
10. März 2014, 00:00 Uhr

Tütü olé in Schönberg: Die Halle bebt, der Boden vibriert. Aus riesigen Boxen wummert Musik in den Saal und die Stimmung ist an fröhlicher Ausgelassenheit nicht zu überbieten. Seit der Pyro-Show zu Beginn liegt Rauch wie Nebel über allem, von den Lichtbündeln der Bühnenstrahler abwechselnd pink, blau, grün oder rot eingefärbt. Schönberg feiert, ausgelassen. Nicht Kölle alaf sondern Tütü olé.

Durch die Garderobengänge der ausverkauften Palmberghalle schwirren Lacklook-Krankenschwestern mit Bartstoppeln, grell geschminkte Dirnen mit Kunstbusen, Männer in strengen Streifen-Anzügen. Tüllröckchen wippen und rote Strumpfbänder zieren stachlige Männerbeine, tätowierte Männerkörper tragen zarte Rüschentops, runde Mittfünfziger-Bäuche füllen erotische Mieder. Hier eine Mumie, dort ein Skelett. Und perückenblonde Lockenpracht ist fast schon obligat.

„Das ist wie Champions-League, nur zum Mitmachen!“ Christian Gütz vom Eichsener Carnevalls-Club ist zum ersten Mal dabei und begeistert. Angetreten sind 18 Karnevals-Vereine aus Mecklenburg-Vorpommern und ein Gastverein aus Schleswig-Holstein. Männer im totalen Verkleidungs-Rausch. „Wenn ich verkleidet bin, bin ich ein anderer Mensch“, so Gütz, auf der Bühne eine rassige Rio-Schönheit. „Der Alltag ist vergessen. Normal würde niemand so rumlaufen. Aber hier geniert man sich einfach nicht, es ist Familie.“ Anstößig findet es niemand. Männerballett eben.

Gestandene Mannsleute, junge Kerls: groß, klein, dick, dünn, es ist egal. Gruppendynamik im positiven Sinne. Alle ziehen mit: Familien, Kinder, Freunde, die vielen mitgebrachten Fans. Und es sind längst nicht nur Frauen, die am Weltfrauentag Männern beim Rollentausch unter den Rock sehen wollen.

Noch lange nach der Preisverleihung – die Plätze eins, zwei und drei gehen an Sternberg, Bad Doberan und Kühlungsborn – dringt vielstimmiger Gesang ausgelassener Männer nach draußen. Hier und da wankt eine verirrte Dame des Rotlichtmilieus, dort wippt ein Tütü. Mecklenburg versteht sich auf Karneval.


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