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Asylbewerber zwischen Gadebusch und Rehna : Lücken in der Flüchtlingsbetreuung

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Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Ein Wismarer Verein betreut dezentral untergebrachte Asylbewerber, nicht jedoch im Amtsbereich Gadebusch, Rehna, Lützow-Lübstorf

svz.de von
erstellt am 01.Apr.2016 | 05:05 Uhr

Verwirrung um die Betreuung dezentral untergebrachter Flüchtlinge in den Amtsbereichen Gadebusch, Rehna, Lützow-Lübstorf. Nach Angaben des Landkreises seien in diesem Bereich derzeit 111 Asylbewerber dezentral in verschiedenen Wohnungen untergebracht und werden durch beim Landkreis beschäftigte Sozialarbeiter betreut. Der Versuch, die damit verbundenen Leistungen an einen freien Träger zu vergeben, war zuvor gescheitert.

Zwar waren Anfang März zwei Verträge zwischen dem Landkreis und dem Schwulen- und Lesbenzentrum SchuLZ e.V. Wismar unterzeichnet worden, mit denen der Landkreis die dezentrale Betreuung von Asylbewerbern an den Verein übertragen hatte. Doch dies nur für die Ämter Neukloster-Warin, Neuburg und die amtsfreie Gemeinde Ostseebad Insel Poel sowie ab Juli 2016 für die Stadt Grevesmühlen, die Ämter Grevesmühlen-Land, Schönberger Land, Klützer Winkel sowie Dorf Mecklenburg-Bad Kleinen. Die Amtsbereiche Gadebusch, Rehna, Lützow-Lübstorf gingen bei der Vergabe der Leistungen leer aus.

„Für den Bereich der Ämter Gadebusch, Rehna und Lützow-Lübstorf muss die Ausschreibung wiederholt werden, da der Verein SchuLZ e.V. von der vorgesehenen Vergabe an ihn zurückgetreten ist“, heißt es in einer Presseerklärung des Landkreises. Der Verein wäre der Meinung, dass ein zweiter Träger für diese Betreuungsaufgabe sinnvoll und bereichernd für die gemeinsame Arbeit sei. Und weiter: „Außerdem wird es auch für den Verein Schulz e.V. schwierig, auf genügend eigene oder noch zu akquirierende Mitarbeiter zurückzugreifen.“. Dass der Verein die Aufgabe im angesprochenen Bereich nicht wahrnehmen möchte, bestätigt auch deren Vorsitzender, bringt jedoch einen etwas anderen Zungenschlag in die Thematik. „Hier gab es Ungereimtheiten und Differenzen mit dem Landkreis. Mehr möchte ich dazu nicht sagen“, erklärt Falk Koop auf Nachfrage der SVZ.

Doch es könnte noch ganz anders kommen. Nach uns vorliegenden Informationen soll der Verein den Zuschlag zur Vergabe besagter Leistungen mit einer Option bekommen haben, die Dienstleistungen für einen der drei zur Ausschreibung gekommenen Bereiche ablehnen und zurückgeben zu dürfen. Dies würde zumindest erklären, warum dies dann auch genauso gekommen ist. Dazu, ob die Ausschreibung tatsächlich einen solchen Passus enthielt, will sich der Landkreis nach Aussage von Petra Rappen am heutigen Freitag äußern. Ob die Amtsbereiche Gadebusch, Rehna, Lützow-Lübstorf zur Betreuung durch einen freien Träger erneut ausgeschrieben werden, scheint derzeit fraglich. „Vor dem Hintergrund der sinkenden Zahlen an zugewiesenen Asylbewerbern“ werde dies nach Aussage der Pressesprecherin des Landkreises zurzeit geprüft.

Dass der Landkreis Nordwestmecklenburg so ganz ohne fremde Hilfe wohl doch nicht auskommt, zeigte sich erst am Mittwoch. Nachdem die Familie Aljassem am Karfreitag Ziel einer Steinwurfattacke geworden und deren zehnmonatiger Sohn dieser nur knapp entgangen war, half ein Mitarbeiter des SchuLZ e.V. den Syrern beim Umzug von Roggendorf nach Wismar. Sonst mache dies ja niemand, sagt der Helfer, der namentlich nicht erwähnt werden möchte.


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