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Nach Brandanschlag : Lohmeyers Liste sorgt für Unruhe

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Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Polizei irritiert jetzt mit Befragung nach dem Brandanschlag vom August in Jamel. Drei Betroffene schalten Rechtsanwalt ein

svz.de von
erstellt am 23.Okt.2015 | 06:30 Uhr

Mitstreiter des Ehepaars Lohmeyer aus Jamel sind nach Vernehmungen der Polizei sauer. Sie sind auf einer Liste mit Namen gelandet, die dem Ehepaar angeblich kritisch gegenüberstehen

Jens Kulbatzki fragt sich nach einem Telefonat mit einem Beamten der Kriminalpolizei Schwerin, ob er nun zum Kreis der Verdächtigen nach dem Scheunenbrand bei den Lohmeyers gehört. „Ich wurde nach meinem Alibi für die Tatnacht gefragt“, sagt er. Kulbatzki hat das Ehepaar Lohmeyer in den vergangenen Jahren bei der Organisation ihres „Festivals für Demokratie und Toleranz“, dem Forstrock, unterstützt und arbeitet heute als Fahrer beim Landtag. Er chauffiert unter anderem deren Präsidentin Sylvia Bretschneider (SPD).

„Ich habe die Lohmeyers 2010 bei einer Veranstaltung kennengelernt“, sagt er. „Über diesen ersten Kontakt entstand eine engere Zusammenarbeit.“ Nach eigener Aussage habe er einen großen Teil des Festivals im Jahr 2014 auf die Beine gestellt. „Dabei kam es zu unterschiedlichen Ansichten bei der Organisation“, sagt Kulbatzki. In diesem Jahr war er nicht mehr beteiligt. „Es gab aber kein Zerwürfnis.“

Er ist nun nicht der einzige, bei dem sich die Kripo in den vergangenen Tagen meldete. Insgesamt 13 Namen sollen auf der Liste stehen. Alles Personen, die den Lohmeyers nicht wohlgesinnt sein sollen. Das jedenfalls habe ihm der Polizist gesagt, als er nach einem Alibi fragte, sagt Bernd Kolz, der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Gägelow. Auch die Landtagsabgeordnete Simone Oldenburg (Linke) und Klaus Hagel, Schatzmeister des Kulturvereins in Gägelow, bekamen diesen Anruf. Alle drei engagieren sich in dem Verein Kuso, der das jährliche Festival Forstrock bei den Lohmeyers unterstützt. Bei dieser Zusammenarbeit kam es zu Unstimmigkeiten. „Es ging im vergangenen Jahr um einen Förderantrag“, erklärt Simone Oldenburg. „Die Familie Lohmeyer wurde gebeten, den zu überarbeiten.“ Reichen diese Dissonanzen, um nach seinem Alibi für die Tatnacht gefragt zu werden? Eine Frage, die die drei ihrem Anwalt übergeben haben. Er soll klären, warum sie befragt wurden.

Nach dem Brandanschlag auf die Scheune des Ehepaars Lohmeyer in der Nacht des 13. August (wir berichteten) ermittelt die Polizei wegen Brandstiftung. In diesem Zusammenhang hat das Ehepaar eine Liste mit Namen von Bekannten, Freunden und Familie erstellt. „Das ist gängiges kriminalpolizeiliches Vorgehen“, sagt Isabell Wenzel von der Polizei Rostock. Sie versucht zu beschwichtigen. Diese Liste soll helfen, das Umfeld der Geschädigten zu beleuchten. Es sei „unglücklich gelaufen“. Nicht nur das: Dem Beamten ist ein Schnitzer unterlaufen. Er hat die Befragten nicht belehrt. Das hätte er aber zwingend machen müssen. „Das war in der Tat ein Fehler“, räumt Isabell Wenzel ein.

Die Lohmeyers erklärten auf Nachfrage, dass sie von der Polizei gebeten wurden, Kontakte aus den vergangenen 20 Jahren aufzulisten, die zur Aufklärung der Brandstiftung, zu früheren Beleidigungen, Bedrohungen und Erpressungen beitragen könnten.

Dass dabei mehr als 13 Namen zusammenkommen, ist wahrscheinlich. Wie genau die Liste herausgefiltert wurde, bleibt unklar. Weder Polizei noch Staatsanwaltschaft wollten das beantworten. Inzwischen werden Gerüchte gestreut, Lohmeyers hätten selbst den Brand gelegt. Dazu sagte Thorsten Kopf, Sprecher der Schweriner Staatsanwaltschaft: „Nach unserem derzeitigen Erkenntnisstand gibt es keinerlei Anlass für diese Annahme.“

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