Anschlag in Wismar : Linkenpolitiker mit Messer attackiert

Mordanschlag auf Linkenpolitiker in Wismar

Mordanschlag auf Linkenpolitiker in Wismar

Drei Unbekannte sollen in Wismar den Politiker Julian K. beleidigt, niedergeschlagen und 17-mal auf ihn eingestochen haben.

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06. Januar 2016, 11:12 Uhr

Bei einer mutmaßlich politisch motivierten Attacke ist in Wismar ein Linken-Politiker mit einem Messer verletzt worden. Nach eigenen Angaben wurde der 18-jährige Student aus Schwerin am Montagabend in der Nähe des Wismarer Bahnhofs von drei unbekannten Männern angegriffen und als „schwule Kommunistensau“ beschimpft, wie eine Polizeisprecherin am Mittwoch sagte. Das Opfer habe erst am Tag darauf über das Internetportal der Polizei Anzeige erstattet, so dass die Polizei nicht unmittelbar nach dem Angriff mit der Tätersuche habe beginnen können. Inzwischen habe aber der Staatsschutz Ermittlungen aufgenommen.

Wie der Schweriner Linken-Kreisvorsitzende Peter Brill unter Berufung auf die behandelnden Ärzte mitteilte, erlitt der zum Kreisvorstand gehörende junge Mann 17 Stichverletzungen. Laut Polizei konnte er das Krankenhaus bereits wieder verlassen und wurde auch schon zu dem Angriff auf ihn befragt. Weitere Zeugen gebe es bislang nicht.

Solche Taten seien auf das Schärfste zu verurteilen, sagte Brill und betonte, dass die Linke im Kampf gegen rechtsextremes Gedankengut nicht nachlassen werde. Neben den Beschimpfungen lasse auch die Kleidung der Täter darauf schließen, dass diese dem rechtsextremistischen Lager angehören und dem Angriff politische Motive zugrundeliegen. Wie Brill forderte auch der Schweriner Bundestagsabgeordnete und Linksfraktionschef Dietmar Bartsch intensive Polizeiermittlungen, um die Täter schnell finden und zur Verantwortung ziehen zu können.

Auch Vertreter anderer Parteien äußerten sich entsetzt über die Tat und zeigten sich solidarisch. „Ich bin schockiert und fassungslos über diese neue Eskalationsstufe der Gewalt“, erklärte Jürgen Suhr, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag. Er stellte den Angriff in Zusammenhang mit früheren Vorfällen, doch stelle dieser eine neue Dimension dar. „Erst wurde gepöbelt, dann sind Parteizentralen mit hetzerischen Plakaten verunstaltet worden - nun werden Demokraten allem Anschein nach für Ihren Einsatz für ein weltoffenes MV mit Waffen attackiert.“ Mit anderen Demokraten würden sich die Grünen der Gewaltspirale entgegenstellen und sich nicht einschüchtern lasen.

Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) äußerte sich ebenfalls bestürzt. „Ich verurteile diese Tat zutiefst - Gewalt darf nie Mittel politischer Auseinandersetzung sein und es kann dafür keine Rechtfertigung geben“, betonte Beyer. Nun seien Polizei und Staatsanwaltschaft gefordert, die Täter zu ermitteln.

Das Opfer selbst äußerte in einer in Schwerin verbreiteten Erklärung die Überzeugung, dass auf solche Attacken nicht mit Radikalisierung geantwortet werden dürfe. „Unsere Antwort auf Hass muss Liebe, auf Dummheit Vernunft und auf Gewalt Solidarität sein“, erklärte der Nachwuchspolitiker. Unterstützung bekam er auch von der Linksfraktion im Landtag, die ihm von ihrer Klausur Genesungswünsche übermittelte und seine Auffassung ausdrücklich und demonstrativ teilte.

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