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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

19. November 2017 | 18:38 Uhr

Geschleifte Dörfer : Licht am Tag des Erinnerns

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Grenzhus organisiert Gesprächsrunden und Gedenkveranstaltung im ehemaligen Dorf Neuhof. Betroffene erinnern an die Teilung

von
erstellt am 12.Mai.2014 | 22:34 Uhr

Düstere Lichtstimmung im ehemaligen Neuhof. Starker Wind treibt dunkle Regenwolken über das landschaftliche reizvolle Tal mit seinen Beständen an alten Obstbäumen. Sie sind die Überreste des vor 37 Jahren durch die Staatsorgane der DDR vernichteten Ortes Neuhof. Das Dorf wurde geschleift. Am Wochenende erinnerten Vertriebene und Menschen der Region an die Nachkriegs-Geschehnisse zwischen Ostsee und Elbe.

Im 25. Jahr des Mauerfalls und der Öffnung der Grenze rückt Neuhof als ehemaliges Dorf der Gemeinde Utecht stärker ins Licht der Öffentlichkeit. Das Grenzhus und mit ihm der Leiter des Hauses, Dr. Andreas Wagner, organisierten mit den Gemeinden Schlagsdorf, Utecht als auch Vertretern der Kirche offene Gespräche und einen Tag des Erinnerns.

Neben dem Gedenkstein gibt seit dem Wochenende eine Informationstafel Auskunft über den Ort und den umliegenden Naturraum. „Es ist eine von 32 Tafeln im Gebiet des Biosphärenreservates“, sagt Dr. Heidrun Schütze. Sie ist Mitarbeiterin des Amtes und legt Wert darauf, dass das Wort Biosphäre nicht allein für Natur steht: „Es geht um Kulturland mit Geschichte.“ Biosphäre stehe für Leben. Folglich ist der Mensch ein Teil dieser entlang des heutigen Grünes Bandes.

Nach 25 Jahren hat sich die Natur in dem unzugänglichen Gelände entlang des ehemaligen Grenzstreifens ihr Areal längst zurückerobert. „Was heute als Idylle erscheint, ist jahrzehntelang die schmerzliche Trennungslinie Europas gewesen“, sagt Gert-Axel Reiß, Domprobst zu Ratzeburg. Gemeinsam mit Schlagsdorfs Pastorin Christina Stemmann fand er Worte der Erinnerung. „11 000 Menschen verloren ihre Heimat entlang der Grenze. Diese Erfahrungen haben nicht wenige Familien geprägt“, so Stemmann. Mit dem Aufstellen des Gedenksteins in 2009 und der neuen Infotafel erhalten die Menschen einen besonderen Ort der Erinnerung. Domprobst Reuß: „Irgendwie bleibt immer ein Sehnen zurück, das man nicht unterdrücken kann. Der Abschiedsschmerz braucht Raum.“ Ute Licht gehört zu den mehr als 30 Gästen und erinnert an ihre Großeltern, die in Lenschow, einem geschleiften Ort, ihre alte Heimat verloren. „Das Dorf war leer, wie ausgestorben“, so Licht. Erinnerungen und Gespräche zum Thema erhoffte sich Wagner in der Talkrunde im Gemeinschaftshaus zu Schlagsdorf. „Es waren sehr persönliche Gespräche über den Verlust von Heimat und seelischem Schmerz“, so Wagner.

Mit dem Thementag in Schlagsdorf und dem Treffen in Neuhof fand die Aufarbeitung der deutschen Geschichte ihre Fortsetzung. Ein wichtiger Beitrag, der mehr als ein lichter Moment am wolkenverhangenen Ort des Geschehens war.


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