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„Fritz Heckert“ in Wismar : Letzter Ankerplatz Baumhaus

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Farblich aufgefrischte Installation bewahrt Erinnerung an das ehemalige DDR-Urlauberschiff „Fritz Heckert“

svz.de von
erstellt am 31.Jul.2017 | 04:45 Uhr

Gut zwei Tonnen wiegt der Stockanker, der seit kurzem in Gemeinschaft mit den bekannten Schwedenköpfen den Baumhauseingang am Alten Hafen ziert. Versehen ist er zudem mit Resten der Ankerkette. Doch niemand würde bei der farblich aufgefrischten Installation das Herkunftsalter aus dem Jahre 1844 vermuten. Schon gar nicht, dass es sich dabei um den einstigen Reserveanker des ehemaligen DDR-Urlauberschiffes „Fritz Heckert“ handelt. Doch dort soll er nie in Funktion gewesen sein. Mit dem Bezug zur Hansestadt schließt sich jedoch der Kreis, denn die Wismarer Mathias-Thesen-Werft (MTW) war bekanntlich der Geburtsort des einstigen Turbinen-Motorschiffes. „Ein interessantes Geschenk und würdiges Objekt, ganz im Sinne der geplanten Umgestaltung des Baumhauses als künftiges maritimes Traditionszentrums“, so die erste Reaktion des Dankes von Reinhart Kny, Vorsitzender des Fördervereins Poeler Kogge.

Die „Fritz Heckert“ wurde auf der Werft in Wismar gefertigt. Von November 1959 bis zur Fertigstellung des Schiffes am 15. April für die Deutsche Seerederei Rostock 1961 vergingen 18 Monate. Während der neun Jahre in Fahrt legte dass Schiff etwa 500 000 Seemeilen zurück und beförderte über 63 000 Fahrgäste. Das besondere Problem war der Gasturbinenantrieb mit Freikolbenmotor. Aufgrund fehlender Stabilisatoren gab es zudem bei unruhiger See erhebliche Schiffsbewegungen. Nach Außerdienststellung diente es vor allem als Wohnschiff. 1991 wurde es von einer Hamburger Stahlbaufirma zu einem Hotelschiff umgebaut, wurde in die Vereinigten Arabischen Emirate überführt und fuhr dort für mehrere Reedereien. 1999 trat es seine letzte Reise nach Indien an und wurde dort abgewrackt.

Von dort aus kam die ganze Aktion ins Rollen, als Peter Aschendorff mit dem Verein Kontakt aufnahm. Denn der Neu-Wismarer, inzwischen auch Koggen-Fördervereinsmitglied, rettete besagten Anker nach der Wende vor der Verschrottung und zwar noch, bevor der damalige Kreuzfahrer umgebaut und in die Vereinigten Arabischen Emirate verschifft wurde. Zuvor zierte das schwergewichtige Teil Aschendorffs früheres Grundstück in Putbus auf Rügen. Doch mit dem Ortswechsel der Familie nach Wismar passte solch ungewöhnliches Objekt weder in einen „Umzugskarton“, noch konnte es mal eben wo anders hin kutschiert werden. Fest stand nur, dieses geschichtsträchtige Teil sollte der Nachwelt erhalten bleiben.

Historisches Foto des GTS Urlauberschiffes „Fritz Heckert“, gebaut 1961 in Wismar.
Historisches Foto des GTS Urlauberschiffes „Fritz Heckert“, gebaut 1961 in Wismar. Foto: Koggenverein
 

Die Lösung fand sich mit Unterstützung der weit über die regionalen Grenzen hinaus agierenden Unternehmensgruppe Robert Krebs GmbH. So sorgte Chef Detlef Krebs mit zwei seiner Leute nicht nur für den Gratis-Transport und das Aufstellen. Korrosionsschutz-Spezialisten übernahmen zudem die Aufarbeitung des betagten Reliktes einstiger Seefahrt. Detlef Krebs ist zudem seit dem Jahr 2000 Mitglied im Koggen-Förderverein. „Ich denke, mit diesem letzten Ankerplatz ist eine würdige Lösung im Wismarer Alten Hafen gefunden worden“, zeigt sich Spender Aschendorff mit der Aktion zufrieden. Künftig soll dort noch eine Erinnerungstafel auf die Herkunft des Ankers hinweisen.
 

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