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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

16. Dezember 2017 | 10:23 Uhr

Thandorf : Letzte Runde in der Trafo-Bar

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Gemeinschaftsprojekt schließt über die Wintermonate. Olivia Althaus-Apmann: „Wir haben eine einmalig tolle Dorfgemeinschaft“

svz.de von
erstellt am 30.Sep.2014 | 00:16 Uhr

„Trafo-Bar geöffnet“ – einladend leuchtet das Schild über der Tür. Es war die sechste und letzte Trafo-Bar für dieses Jahr, zu der der Dorfverein Thandorf eingeladen hatte. Schon von weitem ist die Lichterkette zu sehen. Weiße Klappstühle und rot verhüllte Bartische sind vor dem Turm aufgebaut. Nach und nach finden sich Thandorfer ein, um in der kleinsten Bar weit und breit mit Nachbarn und Freunden diesen Herbstabend zu genießen.

Einen Euro plus Mehrwertsteuer: „Für diesen Preis haben wir vor zwei Jahren den alten Trafoturm gekauft.“ Wilhelm Schaeper vom Dorfverein erinnert sich noch gut. Nachdem der alte Trafo ausgebaut war, sollte der Turm abgerissen werden. „Niemand im Dorf wollte das, er gehört einfach zu Thandorf.“ Anfang November 2012 war die Schlüsselübergabe. Seither gehört er der Gemeinde und wurde dem Dorfverein zur Nutzung überlassen. Nicht einmal vier Quadratmeter misst die Grundfläche und bietet gerade genug Platz für eine Bierzeltgarnitur. „Wir haben schon mit 17 Leuten drinnen gesessen, das war eng, aber wir wurden nicht nass“, erzählt Wilhelm Schaeper. Mit Regen ist an diesem Abend nicht zu rechnen. Es gibt einen freien Ausblick in den Sternenhimmel.

Um die Höhe von fast acht Metern auszufüllen, hängt ein getrockneter kleiner Baum von der Decke des Turms. Gerahmte Bilder schmücken die weiß gestrichenen Wände. Die linke Wand ist für Fotos der Feuerwehr und ihrer Aktivitäten reserviert. „Rechts kann jeder Thandorfer ein A4-Bild aufhängen“, sagt Anja Schaeper, Vorsitzende des Dorfvereins, und verteilt Salzstangen und Nüsse auf den Tischen. „Von mir hängt ein Zeitungsausschnitt dort, mein Hund und ich waren damals eingeschneit.“ Klaus Berliss deutet auf einen Bericht. Berliss, normalerweise als Nachtwächter unterwegs, kann nur ausnahmsweise dabei sein.

Unter dem Partyzelt, das sich an die Außenmauer schmiegt, hat IT-Fachmann Michael Finkenthei seine Bar eröffnet. „In meiner Hamburger Zeit habe ich Drinks im Christiansen’s gemixt.“ Damit kann man ihn schon fast als Profi bezeichnen. Anders als in der hanseatischen In-Bar sind die Drinks in Thandorf allerdings kostenlos. „Wer will, kann was in die Spendenbox tun.“ Jedes Treffen steht unter einem anderen Getränke-Motto. „Dieses Mal ist es Federweißer“, verrät Anja Schaeper, „wir fanden, das passt zur Jahreszeit. Aber es steht genügend Hochprozentiges bereit, mit dem Barkeeper Finkenthei auf Wunsch sein Können unter Beweis stellen kann.“

Während sich die Eltern zum Klönschnack an den Tischen einfinden, lassen Kinder und Jugendliche auf der Wiese gegenüber riesige Seifenblasen vorüberziehen. Olivia Althaus-Apmann bringt es auf den Punkt: „Wir haben eine einmalig tolle Dorfgemeinschaft, sonst wäre das hier nicht möglich.“



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