„Deutsch als Zweitsprache“ in Wismar : Lehrermangel an der Berufsschule

60 jugendliche Asylbewerber sollen am Berufsschulzentrum Nord in einem Deutsch-Intensivkurs auf eine Berufsausbildumng vorbereitet werden.  Fotos: Holger Glaner
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60 jugendliche Asylbewerber sollen am Berufsschulzentrum Nord in einem Deutsch-Intensivkurs auf eine Berufsausbildumng vorbereitet werden. Fotos: Holger Glaner

60 junge Asylbewerber müssen am BSZ Nord „Deutsch als Zweitsprache“ lernen, das Bildungsministerium spricht lediglich von 32

svz.de von
10. März 2016, 04:45 Uhr

60 junge Asylbewerber müssen nach SVZ-Informationen an der Beruflichen Schule des Landkreises in der deutschen Sprache fit gemacht werden. Und zwar so gut, dass sie wegen der in Deutschland geltenden Berufsschulpflicht möglichst bald eine Ausbildung beginnen oder aber wenigstens in ein berufsvorbereitendes Jahr gehen können. Doch  nach Angaben des Bildungsministeriums M-V besuchen aktuell nur 32 Asylbewerber  den gesetzlich vorgeschriebenen Intensivkurs „Deutsch als Zweitsprache“.  Für mehr reicht nach uns vorliegenden Informationen die Anzahl der Lehrer nicht.

„Verletzung der Berufsschulpflicht“ nennt Kreistagsmitglied Simone Oldenburg das, die zugleich als bildungspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Landtag fungiert.  „Wir bemühen uns ja um Lehrer. Aber entweder passt es vom Anforderungsprofil nicht oder aber wir finden jemanden und der sagt kurzfristig wieder ab“, erzählt Schulleiter Holger Stein. So geschehen erst Ende Januar. Da hätte ein potenzieller Kandidat für  eine der vakanten Stellen morgens um acht Uhr im Büro des Schulleiters noch seinen Arbeitsvertrag unterschrieben und nur vier Stunden später wieder abgesagt.

Auf die Problematik angesprochen, konnte Gudrun Sturmheit bereits auf der Kreistagssitzung im Februar nur mit den Schultern zucken. „Das Berufsschulzentrum soll Lehrkräfte selbst einstellen. Doch was sollen wir machen, wenn die zusagen und dann wieder absagen? Als Landkreis sind wir nur Schulträger und können in der Personalproblematik leider keine Lösung präsentieren“, so die Leiterin des  Fachdienstes Bildung und Kultur. Anfragen zur derzeitigen Situation wiegelt, wie zuvor Landrätin Kerstin Weiss (SPD) im Kreistag auch, die Pressesprecherin des Landkreises von vornherein ab. „Dafür ist das Bildungsministerium  zuständig“, sagt Petra Rappen.

Und das erklärt auf eine Anfrage unserer Zeitung durch Pressesprecher Henning Lipski, dass der Unterricht am BSZ Nord von drei Lehrkräften erteilt werde. Darunter befinde sich eine Lehrkraft eines freien Trägers. Nach unseren Recherchen entspricht dies lediglich dem Soll-Zustand, der zwar seit Wochen angestrebt, aber noch nicht realisiert werden konnte.  Und indirekt klingt dies auch bei den weiteren, allerdings wenig konkreten Ausführungen des Bildungsministeriums durch. „Es werden regelmäßig Stellen ausgeschrieben, um den Bedarf zu decken. Am Berufsschulzentrum Nord wurde eine weitere Stelle besetzt“, so Pressesprecher Henning Lipski. „Dadurch kann ab dem kommenden Montag eine weitere Klasse beschult werden. Weitere Einstellungen befinden sich im Verfahren.“

Doch es gibt auch gute Nachrichten vom Berufsschulzentrum Nord: Zehn Jugendliche, die im September vergangenen Jahres den ersten Intensivkurs „Deutsch als Zweitsprache“ belegt hatten, könnten schon bald den nächsten Schritt in Richtung einer beruflichen Zukunft in Deutschland machen. „Die haben ihre Sache wirklich gut gemacht. Dennoch sind sie noch nicht auf dem Stand, dass sie eine Berufsausbildung beginnen könnten. In einem halben Jahr darf man keine Wunder erwarten“, so Holger Stein.

Aber sie könnten sich nach erfolgreicher Abschlussprüfung im Anschluss an die Sprachausbildung in einem modularen Berufsvorbereitungsjahr in verschiedenen Bereichen ausprobieren. Die Schulleitung hofft, dass sie danach in eine Berufsausbildung gehen können.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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