Carlow : Leckeres mit Improvisation gewürzt

Koch-Profi Günther Weinberg (l.) übernahm das Flambieren der Crèpes, Birgit Wunsch (2.v.l.) überwachte mit Argusaugen den Service. Fotos: Patricia Lösche
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Koch-Profi Günther Weinberg (l.) übernahm das Flambieren der Crèpes, Birgit Wunsch (2.v.l.) überwachte mit Argusaugen den Service. Fotos: Patricia Lösche

Bei der achten Auflage von „Carlow tischt auf“ überzeugte Koch-Profi Günther Weinberg Auge und Geschmack mit seinen Künsten.

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23. März 2015, 08:00 Uhr

Manche Traditionen wachsen einem ans Herz, kaum dass sie welche sind. „Carlow tischt auf“ ist so eine, die niemand mehr missen möchte. Seit 2008 trommelt der Carlower Kulturkreis einmal im Jahr einige engagierte Helfer als Küchenpersonal und Servicekräfte zusammen, während Koch-Profi Günther Weinberg das Dorfgemeinschaftshaus zum Sterne-Restaurant umfunktioniert. Die Karten dafür sind meist lange vorher ausverkauft. Der Erlös fließt in die Kasse des Vereins und kommt im Laufe des Jahres wieder dem Dorf zugute.

Am vergangenen Sonnabend, eine Woche früher als geplant, war es wieder soweit. „Wegen der Terminverlegung mussten wir auf zehn Gäste verzichten“, bedauert Weinberg. So kamen in diesem Jahr nicht die gewohnten knapp 60, sondern nur 46 Gäste in den Genuss seiner exquisiten Kochkunst.

Geboten wurden wieder acht Gänge vom Feinsten: bunte Frischkäsetarte mit Rumpflaume, Mecklenburger Sushi, Mockturtle Suppe, Kabeljau im Wirsingmantel, Schlehensorbet, Kalbsmedaillon im Frühlingsbeet, flambierte Crèpes Suzettes und Gorgonzola mit Portwein.

„Schon eine Woche vorher beginnen die Vorbereitungen“, verrät Ehefrau Sabine, diesmal nicht Gast, sondern in der Küche mit von der Partie. Weinberg, der nicht mehr als Küchenchef im Restaurant, sondern in der Lübecker Hotelfachschule als Lehrer sein Wissen weitergibt, freut sich jedes Jahr auf das Ereignis. „Eine gute Gelegenheit, das Können aufzufrischen“, findet er.

Freie Entfaltung der Kreativität ohne Vorgaben, gewürzt mit Liebe zur Improvisation. Einzige Bedingung: Es muss in den Räumlichkeiten des Dorfgemeinschaftshauses machbar sein. Weinberg lacht: „Technisch so improvisiert koche ich nirgendwo sonst.“

Als hätte er nie etwas anderes gemacht, gab Weinberg nicht nur die Kommentare zu Weinen und Gerichten, sondern brachte die Gäste mit Geschichten vom Anfang seiner Koch-Karriere zum Schmunzeln, erzählt, wie es war, damals, als er als Koch in die Lehre ging. Heute wissen die Gäste seine Kochkünste zu schätzen. „Es ist unglaublich lecker, das hätte ich hier niemals erwartet“, freut sich Nicole Kauffeld, die den Gaumenspaß zu Weihnachten von ihrem Mann geschenkt bekam.

Überhaupt gehört der Spaß, das Lachen bei Weinberg immer mit dazu. Trotz Improvisations-Stress. Für jeden gibt es ein freundliches Wort der Aufmunterung, eine nette Geste. Aber auch klare Anweisungen. Genau wird besprochen, wie das Arrangement auf den Tellern auszusehen hat. Nichts wird dem Zufall überlassen und niemals geht der Überblick verloren. Höchstens erlischt mal eine Flamme, wenn die flambierten Crèpes schnellen Schrittes zu den Tischen gebracht werden. Aber das ist verzeihlich, schließlich sind die Servicekräfte Laiendarsteller, keine Profis.

Mit Argusaugen wacht Birgit Wunsch, Weinbergs Kollegin aus der Hotelfachschule, über den freiwilligen Helfertrupp. Liegt die Serviette auch wirklich korrekt über dem Arm, muss irgendwo nachgeschenkt werden – ihr entgeht nichts. Im Schnelldurchgang absolvierten die Helfer eine Ausbildung zur Servicekraft für die gehobene Gastronomie. Lernen, wie Tische richtig gedeckt werden, das Essen perfekt serviert wird. „Lächeln nicht vergessen“, ist ihre letzte Anweisung, bevor es losgeht.

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