Nordwestmecklenburg : Lebensgefahr durch Bauruine

In diesen ehemaligen Speicher sollte man sich lieber nicht hineinwagen. Denn in diesem heruntergekommen Speicher in Klein Welzin lauern Gefahren.
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In diesen ehemaligen Speicher sollte man sich lieber nicht hineinwagen. Denn in diesem heruntergekommen Speicher in Klein Welzin lauern Gefahren.

Landkreis ließ auf eigene Kosten ein Wohngebäude abreißen, doch der Speicher und ehemalige Dorfkonsum bleiben eine Gefahrenquelle

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12. November 2015, 06:30 Uhr

Ein Schandfleck in der Gemeinde Gottesgabe erhitzt weiterhin die Gemüter der Einwohner. Denn sie befürchten, dass in dem Ortsteil Klein Welzin verfallene Gebäude zur Todesfalle für spielende Kinder werden könnten. Zwar hatten Einwohner wie Hans-Dieter Frey schon vor Monaten Alarm geschlagen und Bürgermeisterin Bärbel Jürß den Landkreis Nordwestmecklenburg um Hilfe gebeten, doch die Gefahrenquelle ist nur teilweise entschärft worden. „Hier ist nach wie vor Gefahr im Verzug. Muss denn erst jemand ums Leben kommen?“, sorgt sich Hans-Dieter Frey.

Tatenlosigkeit kann man dem Landkreis kaum vorwerfen, Halbherzigkeit vielleicht. Denn nachdem eines der Gebäude abgerissen wurde, wurde auch nur vor diesem Schuttberg ein Zaun gezogen. An dem man wiederum problemlos herumgehen kann und dann steht einer Kraxeltour auf die Spitze des meterhohen Schuttberges nichts mehr entgegen.

Die beiden angrenzende Ruinen (ein Speicher und der Ex-Dorfkonsum) sind nach wie vor frei zugänglich. „Das regt viele Leute maßlos auf. Es gibt zwar derzeit zahlreiche Probleme im Landkreis. Aber man sollte nicht vergessen, was die Bürger hier vor Ort berührt“, meint Hans-Dieter Frey. Der Ex-Leiter des Kreisordnungsamtes fordert daher, dass das komplette Areal unweit einer Schulbus-Haltestelle, eines Spielplatzes und eines Seniorenheims eingezäunt werde. Dies sei das Mindeste, was unternommen werden müsse. „Passiert das nicht, und hier kommt jemand ums Leben, wird ein Richter fiskalische Gründe wohl kaum als Ausrede gelten lassen“, warnt Frey.

Wer sich in diese Ruinen wagt, sieht Bilder der Verwüstung. Und er muss aufpassen, wohin er tritt. Ein Hund ist hier bereits durch einen Fußboden gerauscht, blieb unverletzt. Weniger Glück hatten zwei Kinder. Sie wurden nach Angaben von Bürgermeisterin Bärbel Jürß auf dem Ruinengrundstück verletzt. Sie zogen sich eine Kopfverletzung bzw. einen Armbruch zu.

Aus Jürß’ Sicht gehen weiterhin Gefahren aus – aber Geld habe die Kommune nicht. „Für Sicherungs-Maßnahmen fehlen uns die finanziellen Mittel, so wie vielen Gemeinden“, sagt Jürß. Sie hofft auf Hilfe durch Unternehmen, die kostenlos Bauzäune zur Verfügung stellen.

Den „schwarzen Peter“ will sich der Landkreis Nordwestmecklenburg nicht zuschieben lassen. 6500 Euro gab die Kreisverwaltung für den Abbruch des ehemaligen Wohngebäudes sowie für Einzäunungskosten bereits aus. „Eine Maßnahme, die wegen des verantwortungslosen Handelns des Eigentümers durchgeführt wurde, um den öffentlichen Raum (Straße) vor Gefahren zu schützen“, betont Kreis-Pressesprecherin Petra Rappen. Das Gebäude befand sich direkt an einer Kreisstraße, Trümmer drohten herunter zu stürzen.

Der Komplettabbruch des Gebäudes sei aufgrund eines Gutachtens eines Prüfstatikers erforderlich gewesen. „Die Beseitigung des Bauschuttes bleibt Aufgabe des Grundstückseigentümers. Dies kann und darf der Landkreis als Bauordnungsbehörde nicht übernehmen“, so Rappen.

Ob die Verwaltung das Geld jemals wieder sieht, ist fraglich. Denn der Eigentümer soll sich nach SVZ-Information in Privatinsolvenz befinden. Und auf ihn könnten weitere Kosten zukommen. Denn der Landkreis kündigte gestern an, sich aufgrund aktueller Hinweise die Situation in Klein Welzin erneut anschauen zu wollen. Einwohner hoffen, dass weitere Zäune für mehr Sicherheit aufgestellt werden.  

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