Trendwende : Leben in dörflicher Gemütlichkeit

Wie hier in Groß Molzahn entstehen in den Gemeinden des Landkreises Neubauten für Familien, die ein Leben auf dem Land der Stadt vorziehen.
Wie hier in Groß Molzahn entstehen in den Gemeinden des Landkreises Neubauten für Familien, die ein Leben auf dem Land der Stadt vorziehen.

Neubauten im Landkreis Nordwestmecklenburg erfreuen sich großer Beliebtheit – Bürgermeister benennen die Gründe für ein Landleben

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14. März 2018, 12:00 Uhr

Schlagsdorf hat sie, Thandorf hat sie und auch in die Stadt Rehna kommen sie – junge Menschen, die das Leben außerhalb der Großstadt genießen wollen. Heißt der Trend Stadtflucht?

Gerade auf Dörfer nahe der ehemaligen Grenze zieht es viele junge Familien. Thandorfs Bürgermeister Wolfgang Reetz weiß auch wieso. „Das Dorfleben besticht dadurch, dass hier nicht anonym gelebt wird. Hier gibt es eine Vielzahl an Gestaltungs- und Mitmachmöglichkeiten in einer lebendigen Gemeinschaft“, sagt der Bürgermeister. Zu dem dörflichen Charakter zähle auch das fehlende Verkehrschaos. „Für Kinder ist es ein gutes Umfeld zum Aufwachsen.“

Auch Schlagsdorfs Bürgermeister Ingo Melchin kennt die Vorteile seiner Gemeinde. „Schlagsdorf hat eine gute Anbindung und eine gute Infrastruktur. Zudem bietet es ein sehr lebendiges Vereinsleben sowie Ruhe und viel Platz zum Leben. Es ist schon einiges los in Schlagsdorf.“ Ein nicht zu leugnender Vorteil sei zudem die Bezahlbarkeit von Grundstückspreisen in den neuen Bundesländern. „Schaut man über die Landesgrenze nach Schleswig-Holstein, sehen die Preiskategorien schon ganz anders aus“, erklärt der Schlagsdorfer Bürgermeister. Eigenbauten stehen bei den Familien hoch im Kurs. So genehmigte der Landkreis Nordwestmecklenburg im vergangenen Jahr alleine im Amt Lützow-Lübstorf 66 Genehmigungen für Neubauten wie Einfamilienhäuser, Bungalows oder Mehrfamilienhäuser. Auch im Amtsbereich Rehna mit 51 Baugenehmigungen und Gadebusch mit 27 Genehmigungen stehen die Zeichen auf Neubau junger Familien. „Für das Jahr 2018 liegen entsprechend noch weniger Baugenehmigungen vor“, erklärt Landkreissprecherin Petra Rappen auf SVZ-Nachfrage. Momentan liegt das Amt Rehna mit 14 Genehmigungen vor Gadebusch mit sechs und Lützow-Lübstorf mit fünf genehmigten Anträgen.

Die zahlenmäßige „Landflucht“ in die Städte ist aber – zumindest nach den zuletzt veröffentlichten Statistiken – nach wie vor ungebrochen. Zahlen für die Jahre 2016, 2017 und 2018 wurden noch nicht ausgewertet, für 2015  ermittelte das Statistische Amt Mecklenburg-Vorpommern gebietsweise aber den anhaltenden Trend in die Städte zu ziehen. So zog es genau 310 Nordwestmecklenburger in die Landeshauptstadt, in der Gegenbewegung von Stadt auf Land waren es aber nur 275 Personen.

Das sind die Pendlerströme
Viele Nordwestmecklenburger wollen auf den Luxus eines dörflichen und ruhigen Lebens außerhalb der Großstädte nicht verzichten. Das zeigt sich auch anhand der Pendlerströme, wie ein Bericht des Statistischen Amtes Mecklenburg-Vorpommern  aus dem Jahr 2017 belegt. Demnach weißt der Landkreis Nordwestmecklenburg neben Ludwigslust-Parchim die höchsten Pendlerströme auf. Gependelt wird zwar viel in die Landeshautpstadt und nach Wismar, aber auch das Bundesland wird verlassen.Schleswig-Holstein ist dabei jenes, in das am meisten aus dem Landkreis heraus gependelt wird. Viele Nordwestmecklenburger arbeiten in Ratzeburg oder Lübeck.
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