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Durchschnittsernte im Nordwesten : Landwirte zwischen Ernte und Aussaat

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Etwa 85 Dezitonnen Getreide pro Hektar ernteten die Landwirte im Nordwesten. Die Trockenheit im Frühjahr sorgte allerdings für Qualitätseinbußen.

svz.de von
erstellt am 27.Aug.2012 | 09:13 Uhr

Kleinfeld | Graue Wolken am Himmel, sanfter Landregen fällt auf die Felder im Nordwesten. Die aktuelle Wetterlage scheint optimal. Zumindest für die Landwirte zwischen Ostseeküste und Schaalsee wird jetzt der Grundstein für die Ernte 2013 gelegt. "Während Mais und Zuckerrüben aktuell zu ernten sind, erfolgt auf ersten Flächen die Aussaat von Weizensorten und Raps", sagt Andreas Manz. Der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Nordwestmecklenburg ist derzeit auf Tour, besucht zahlreiche Betriebe und nimmt dabei Politik und Verwaltung mit in die Familienbetriebe wie bei Bauer Arndt Burmeister in Kleinfeld bei Schönberg.

In den Gesprächsrunden dreht es sich vorrangig um Gesetze, Kennzahlen, Richtlinien, Fördermittelanträge. Fachgebiete, in denen sich ein moderner Landwirt auskennen muss, wenn er denn mit seinem Familienbetrieb eine Existenz aufbauen will. "Mit Kühe gucken, hat das heute wenig zu tun", sagt Dr. Regina Rinas vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg. Sie berät Landwirte wie Burmeister, wenn es um Qualitätsrichtlinien der EU und Kontrollen der Vorgaben geht. Alles dreht sich um die Einhaltung von Verpflichtungen bei Umweltstandards (Cross Compliance) - eine Voraussetzung für den Erhalt von Prämienzahlungen, die nicht selten von existenzieller Bedeutung sind. Aus Sicht von Kreisbauernverbandschef Jörg Haase wird die Arbeit nicht einfacher, nimmt die Bürokratie stetig zu, wird der Landwirt in seinem ureigensten Aufgabenbereich als Landschaftspfleger eher ausgebremst. Folglich sei es gut, funktionierende stattliche Stellen als Berater an der Seite zu haben.

Derartige Wissensvermittlung sichern Arndt Burmeister die so wichtigen Prämienzahlungen. Die sind notwendig, damit landwirtschaftliche Betriebe unter anderem Preisschwankungen auf dem Weltmarkt verkraften und deren Basisbetrieb gesichert wird. Darüber hinaus buhlen die industrielle Landwirtschaft und die Kleinbetriebe um die Flächen. Dabei gewinnen nicht selten die Großflächenbesitzer, die beispielsweise großflächig geförderte Solaranlagen errichten und folglich durch höhere Spartenerträge bessere Pachtzinsen ausreichen können. Das ist schlecht für Milchbauern wie Burmeister, der angesichts steigender Futtermittelpreise auf die eigene Produktion von Futter angewiesen ist. "Ein wichtiger Faktor, wenn die Milchpreise sinken und die Futtermittelpreise steigen", sagt er. Da sei es eben wichtig, eigene Flächen vorweisen zu können. "Das geht nicht ohne Lobby-Arbeit", sagt Landrätin Birgit Hesse, die in der regionalen Landwirtschaft den wichtigsten Wirtschaftsfaktor im Nordwesten sieht.

Der Kleinfelder Arndt Burmeister gehört mit seinem Familienbetrieb dazu. 1990 startete er als Wiedereinrichter, erhielt Land und Haus zurück, das einst den Großeltern gehörte. "Mein Kapital war mein Alter von 19 Jahren und die landwirtschaftliche Ausbildung sowie die guten Förderrichtlinien nach der Wende. Nicht zu vergessen die Unterstützung durch die Großeltern", erzählt der Kleinfelder. Heute bewirtschaftet er 250 Hektar an Flächen im Futtermittelanbau und versorgt 410 Tiere in der Milchproduktion. 10 000 Liter Milch geben seine Tiere am Tag und somit zirka 1,7 Millionen Liter im Jahr. Sein Arbeitstag beginnt allmorgendlich um 3 Uhr und beinhaltet neben der Arbeit mit den Tieren im Schnitt zwei Tage Büroarbeit in der Woche. Zeit zum Ausspannen inklusive Kühe gucken, die nimmt sich Burmeister fast täglich. Am Abend, wenige Minuten vor 22 Uhr, wenn die Funkkamera die aktuellen Bilder aus dem Kälberstall auf seinen Computer in die Küche sendet.

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