Weizentag in Köchelstorf : Landwirte erwarten Redkordernte

Marcus Hahn (r.), Leiter Pflanzenschutz des LALLF, erläutert den Landwirten die Versuche mit Pflanzenschutzmitteln.  Fotos: peter täufel
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Marcus Hahn (r.), Leiter Pflanzenschutz des LALLF, erläutert den Landwirten die Versuche mit Pflanzenschutzmitteln. Fotos: peter täufel

Neue Düngeverordnung sorgt für Ärger

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22. Juni 2017, 04:45 Uhr

Das Positive vorweg: Der Weizen steht gut dieses Jahr und lässt auf eine deutlich bessere Ernte hoffen als im vergangenen Jahr. „Die Halme haben deutlich mehr Ähren angesetzt als sonst üblich, die Wasserversorgung ist ausreichend und auch die Temperaturen sind nahezu ideal“, freut sich Reinhard Drews, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft eG Köchelstorf und Gastgeber des gestrigen, 42. Weizentages. 90 Plus X Doppelzentner je Hektar erwarten er und seine Kollegen beim Weizen der Güteklasse A. Das ist der zweitbeste Weizen mit einem Eiweißanteil von 13 Prozent. Die nächsthöhere Qualität ist der E-Weizen mit mindestens 14 Prozent Protein im Korn. Zum Vergleich: Für Brotgetreide reicht eine B-Weizenqualität mit zwölf Prozent Eiweiß aus. „Deshalb werden die A- und E-Weizensorten in der Regel nicht pur zu Backmehl verarbeitet, sondern mit anderen Qualitäten vermischt“, erklärt Drews. Deshalb sind die beiden höchsten Qualitäten auch die, die am besten bezahlt werden. Die brauchen aber auch dementsprechend hochpotente Böden mit ausreichend Nährstoffen.

Und genau hier liegt die Krux: Mit der neuen Düngeverordnung, nicht zuletzt hervorgerufen durch die jüngste Diskussion um die Nitratbelastung des Grundwassers, ist genau das in den Augen der Landwirte nun gefährdet. Seit dem 1. Juni ist sie in Kraft und legt den Bauern in mehrerlei Hinsicht die Daumenschrauben an – und das bei jeder Feldfrucht. „Das ist ein riesiger bürokratischer Aufwand, der uns Zeit und Geld kostet und noch dazu von einigen Ungerechtigkeiten behaftet“, so Reinhard Drews. Jeder Schlag müsse nun beprobt, geplant und protokolliert werden. Wenn dann die Ernte schlechter ausfällt als vorher berechnet, zum Beispiel wegen widriger Witterungsverhältnissen, und damit die Differenz von eingesetzter Düngermenge und Ertrag größer als 50 Kilogramm ist, hat das Folgen. Das beginnt damit, dass im Folgejahr deutlich weniger gedüngt werden darf, bis hin zu möglichen Strafzahlungen.

Vor diesem Hintergrund kam es im Anschluss der Fachvorträge am Tagungsort in der Gaststätte „Stadt Hamburg“ in Rehna zu einer hitzigen Debatte mit den Vertretern vom Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei MV (LALLF) und der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei MV (LFA), den Veranstaltern des Weizentages.

Aus diesem Grund verspätete sich die obligatorische Feldbegehung. Auf der wurden zum Einen neue Weizensorten vorgestellt, die bis zu knapp 125 Doppelzentner Ertrag pro Hektar bringen können. Zum Anderen ging es um neue Pflanzenschutzmittel gegen Unkräuter, Pilze und Schädlinge. Hilfsmittel, mit denen die Bauern alle weiteren störenden Faktoren für eine gute Ernte ausschalten wollen. Jedoch wird auch hier der Einsatz immer schwieriger, berichtet Marcus Hahn. „In den letzten Jahren ist es immer schwerer geworden, neue, wirkungsvolle Pflanzenschutzmittel zu entwickeln, da viele Wirkstoffe und Substanzen nicht mehr für den Gebrauch zugelassen sind“, so der Leiter des Pflanzenschutz-Regionaldienst Schwerin im LALLF MV über die Situation. Trotzdem sei es wichtig, die Belange zum Schutz der Menschen und der Umwelt einzuhalten.

Für die Landwirte gilt, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. Wichtig ist aber, dass ihnen finanziell dafür auch die Möglichkeit gegeben wird.

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