Neuer Zoff : Landrätin soll Bauvorhaben stoppen

Umzugskartons könnten bald wieder transportiert werden, doch jetzt gibt es Kritik am geplanten Erweiterungsbau des Landkreises in Wismar.
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Umzugskartons könnten bald wieder transportiert werden, doch jetzt gibt es Kritik am geplanten Erweiterungsbau des Landkreises in Wismar.

Geplanter Verwaltungsbau in Wismar in der Kritik / Grevesmühlen-Land: Kreis setzt Bürgernähe aufs Spiel.

svz.de von
14. Dezember 2013, 00:00 Uhr

In Nordwestmecklenburg bahnt sich ein neuer Streit zwischen Stadt- und Gemeindevertretern sowie dem Kreistag und der Kreisverwaltung an. Grund dafür ist ein offener Brief des Amtes Grevesmühlen-Land. Darin werden Kreistagsmitglieder und die Verwaltungsspitze um Landrätin Birgit Hesse kritisiert. Ein Vorwurf ist ein angeblicher Mangel an Transparenz, was den geplanten Verwaltungsbau am Standort Wismar betrifft. Die Befürchtung der Unterzeichner ist, dass das Bauvorhaben höhere Kosten nach sich ziehen könnte – zu Lasten der Kommunen und letztlich auch der Einwohner. Der Grevesmühlener Amtsvorsteher Peter Koth fordert daher, belegbare Fakten vorzulegen und somit für Klarheit zu sorgen oder unsinnige Bauvorhaben zu stoppen. „Welchen Nutzen haben die Gebäude in Wismar noch, wenn sich der nächste Kreistag für einen Sitz der Verwaltung in Grevesmühlen entscheidet?“, fragt Koth.

Bis 2016 soll der Erweiterungsbau des Kreissitzes am Standort Wismar fertig sein. Der Baustart soll spätestens 2015 sein. Für das Projekt sind nach Angaben des Fachdienstes Bau- und Gebäudemanagement acht Millionen Euro eingeplant. Hinzu kommen Kosten für einen örtlich erforderlichen erhöhten Gründungsaufwand, Fachplanerhonorare, die Abbruchkosten für Kutscherhaus und Garagen sowie die Möblierung der Büro- und Beratungsräume von insgesamt bis zu 1,77 Millionen Euro. Zur Finanzierung der Investitionssumme stehen nach Angaben des Kreises noch nichtverbrauchte Fördermittel aus der Anschubfinanzierung in Höhe von 800 000 Euro zur Verfügung.

Mit der Fokussierung auf Wismar verliere die Kreisverwaltung und damit auch die Landrätin an Präsenz und Service in der Fläche, lautet ein weiterer Vorwurf. Dabei entferne man sich immer weiter vom Ideal einer bürgernahen Verwaltung. „Es geht deutlich hervor, dass Sie mit dem jetzt eingeschlagenen Weg die Aufgaben vernachlässigen, die ein Landkreis nach der Kommunalverfassung zu erfüllen hat“, kritisiert Koth. Der Kritik an den Landkreis hat sich auch die Mehrheit der Grevesmühlener Stadtvertreter in wesentlichen Punkten angeschlossen. Zu dem Unmut über eine fehlende Transparenz komme der Ärger über die weiteren Anfahrtswege, die miserable Parkplatzsituation in Wismar und die teilweise beklemmenden Räumlichkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Hansestadt, verdeutlicht Koth. Mit Besorgnis beobachten Mitglieder des Amts Grevesmühlen-Land zudem eine angeblich spürbar nachlassende Kommunikation mit den Kommunen auf Augenhöhe.

Die Kritik weist Kreistagspräsident Christian Albeck zurück. Es gehe darum, Kosten nach der Kreisgebietsreform zu senken und eine effiziente und moderne Verwaltung hinzubekommen. Albeck betont zudem, dass die volle Auslastung der Malzfabrik Grevesmühlen nach wie vor oberste Priorität habe. „Es ist schade, dass manche nicht nach vorne gucken können. Uns passte die Kreisgebietsreform auch nicht“, so Albeck.

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