Flüchtlinge in Nordwestmecklenburg : Landrätin auf Wohnungssuche

Landrätin Kerstin Weiss
Landrätin Kerstin Weiss

Händeringend versucht Kerstin Weiss, weitere Unterkünfte für neue Flüchtlinge im Nordwestkreis zu organisieren

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15. September 2015, 23:25 Uhr

„Die Lösung der Flüchtlingsproblematik hat auch für uns in der Kreisverwaltung alleroberste Priorität. Dabei fragen wir nicht, ob und in welcher Form wir dafür überhaupt zuständig sind. Wir helfen einfach.“ Und damit steht Kerstin Weiss nicht allein da. Hilfsangebote kommen aus vielen Teilen der Bevölkerung. Doch derzeit sucht die Landrätin vor allem eines: Unterkünfte für die Menschen, die im Nordwestkreis stranden.

65 Flüchtlinge sind derzeit in Meetzen untergebracht, 49 Neuankömmlinge in der Kreisstadt. Darüber hinaus ist die Haffburg in Wismar schon seit langem mit 321 Asylbewerbern voll belegt und der Landkreis hat bereits mehr als 100 Wohnungen zur dezentralen Unterbringung angemietet. Tendenz stark steigend. Ob und wenn ja, wie viele Menschen aus den Krisenherden dieser Welt noch im Nordwesten untergebracht werden sollen, weiß heute niemand. In der Kreisverwaltung genauso wenig wie im Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern. Von dort hatte man in diesen Tagen schon wieder angefragt, ob es eine Möglichkeit zur Aufnahme und Unterbringung weiterer Flüchtlinge zwischen Selmsdorf und Poel gibt.

„Ich bin sicher, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist“, sagt Kerstin Weiss. Derzeit prüfe man verschiedene neue Standorte und Objekte, die in Frage kämen. Aus dem Hut zaubern könne die aber auch in der Kreisverwaltung niemand. Und in Zelten und Turnhallen wolle die Dassowerin keine Menschen in Not unterbringen. Zwar gibt es Gespräche zwischen Landkreis und Betreibern verschiedener Unterkünfte, mit der Veröffentlichung von Namen oder Anschriften halten sich die handelnden Personen bedeckt. Die einen, weil sie potenzielle Helfer vor unnötigen Diskussionen und Gefahren schützen wollen. Und die anderen, weil sie genau das befürchten. Denn geschützt werden Flüchtlingsunterkünfte erst, wenn alles spruchreif ist.

Bis dahin wird erst einmal im Hintergrund geprüft, ob die angebotenen Unterkünfte den Anforderungen für eine solche Verwendung genügen. „Bestenfalls sollten sie möbliert sein, über sanitäre Einrichtungen verfügen und leicht zu bewachen sein“, so Kerstin Weiss. Ein durchaus zu beachtender Aspekt. Allein in Meetzen schieben in den Nachtstunden drei Sicherheitsleute Dienst.

Immer wieder werden dem Landkreis Wohnungen zur Unterbringung von Flüchtlingen angeboten. „Wir registrieren alle, auch einzelne Wohnungen und werden darauf irgendwann zurückgreifen, wenn es nicht mehr anders geht“, erklärt Kerstin Weiss. Schöner wären allerdings zusamenhängende Wohnungen.

Ins Blickfeld geraten dabei erstmals auch Hotels der Region, in der die Seele lächelt. „Es gibt leer stehende Häuser, in denen man vielleicht nur sauber machen und die Lichtschalter wieder anknipsen müsste“, sagt die Landrätin. Gerade erst machte Halle/Saale damit bundesweit Schlagzeilen. Dort wird das im Zentrum der Stadt gelegene Maritim-Hotel ab Oktober als Flüchtlingsunterkunft betrieben. Und auch, wenn Halle weit weg ist, die Flüchtlingsproblematik ist die Gleiche. Kerstin Weiss: „Das Thema hat uns alle fest im Griff.“

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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