Wismar : Landkreis buhlt um Fachkräfte

Fachkräfte werden Mangelware.
Eine Doppelkiellegung ist auch für die Werft-Mitarbeiter nicht alltäglich.

Tausende qualifizierte Arbeitskräfte werden benötigt. Ein Willkommens-Zentrum soll bei deren Neugewinnung helfen

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28. Februar 2018, 04:45 Uhr

Der Büromöbelriese Palmberg baut ein neues Werk in Rehna, MV Werften startet in diesem Jahr mit dem Bau von 340 Meter langen Ozeanriesen der Global-Class, die Holzindustrie im Wismarer Haffeld expandiert. Keine Frage: Die Wirtschaft in Nordwestmecklenburg befindet sich im Aufwind. Und das sind nur drei Beispiele von vielen. Doch wie so oft gibt es auch hier eine Kehrseite der Medaille. Denn den Unternehmen zwischen Dassow und Poel fehlen schon heute jede Menge qualifizierte Arbeitskräfte. Tendenz stark steigend. Um diese Lücke langfristig und nachhaltig zu schließen, nimmt im Mai das „Welcome-Service-Center Nordwestmecklenburg“ seine Arbeit auf.

Projektträger ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Nordwestmecklenburg – kurz WFG NWM GmbH – , die wiederum durch die Wirtschaftsinitiative Ostseeraum Wismar (WOW) maßgeblich unterstützt wird. In dem Zusammenschluss von derzeit 13 Unternehmen entstand vor gut 18 Monaten auch die Idee zu einem Willkommens-Zentrum für potenzielle Fachkräfte. „Irgendwann gehen uns die Arbeitskräfte aus. Altersbedingt werden wir in zehn Jahren viele Mitarbeiter verlieren. Hier müssen wir unbedingt nachbessern. Dabei geht es um die Perspektive der gesamten Region für die nächsten Jahrzehnte“, erklärt Ralf Lorber, Geschäftsführer Finanzen und Controlling beim Holzverarbeiter Egger in Wismar und Vorsitzender des WOW .

Um diese Perspektive abzusichern, soll das neu geschaffene Willkommens-Zentrum potenziellen neuen Arbeitnehmern quasi ein Rundum-Sorglos-Paket schnüren. „Von Fragen der Suche nach Wohnungen oder aber Schulplätzen über Kinderbetreuung bis zu einem Arbeitsplatz für den Lebenspartner soll in dem Welcome-Center kostenfrei beraten werden“, sagt Landrätin Kerstin Weiss.

Standortmarketing für Arbeit und Leben in Nordwestmecklenburg nennt dies Ralf Lorber. „Allein in den 13 WOW-Mitgliedsunternehmen werden in den kommenden zehn bis 15 Jahren 5000 Mitarbeiter benötigt“, beschreibt der Vereinsvorsitzende das bevorstehende Dilemma. Dabei seien die Voraussetzungen zur Schaffung eines Lebensmittelpunkts für potenzielle Neuankömmlinge im Nordwesten mehr als gut. Attraktive Arbeitgeber vom Familienbetrieb über den Mittelstand bis zum internationalen Konzern in einer wirtschaftsstarken Bandbreite auf der einen sowie eine attraktive und lebenswerte Region auf der anderen Seite.

Neben den vielen Berufspendlern haben die Verantwortlichen dabei auch Urlauber und Fachkräfte aus andere Regionen im Auge, die in den Nordwestkreis gelockt werden sollen. „Wir müssen die Hürden niedriger machen, damit aus dem Urlaub mehr wird“, nennt das Jan-Arne Hoffmann. Und nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden der Volks- und Raiffeisenbank kämen Zuzügler nur, wenn deren Familien auch mit können. Die Region zu vermarkten und Menschen anzulocken sei daher die große Herausforderung des Welcome-Centers Nordwestmecklenburg. Jan-Arne Hoffmann fügt an : „Doch dazu müssen wir jetzt starten. Wir sind im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands schon spät dran.“

Das Welcome-Service-Center wird mit insgesamt 62  500 Euro vom Landkreis gefördert.

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