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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

12. Dezember 2017 | 13:16 Uhr

Trecker-Treck : Landarbeiter und Power-Boliden

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Trecker-Treck Schlagresdorf begeistern Landmaschinenfans. Tausende Besucher am Wochenende vor Ort

„Los Opi, du schaffst das!“ Josse ist mit seinem Opa Heinz Burmester zwei Stunden auf dem Deutz D15 (Baujahr 1959) aus dem schleswig-holsteinischen Borstorf zum Trackpulling nach Schlagresdorf gekommen. „Zuhause darf ich ihn fahren“, erzählt der Zehnjährige stolz. Mit nur vierzehn PS schafft der alte Trecker einen Full Pull, zieht den Bremswagen über die vollen 100 Meter. Josse flitzt dem Trecker ins Fahrerlager hinterher.

Dort hat es sich Familie Scheer aus Berkenthien in seinem Schwedenhaus-Bauwagen gemütlich gemacht. Nebenan stehen die Eigenbauten von Ronny Schupetta aus Pritzier. „Wir wollten einfach was anderes machen.“ Mit Feldarbeit haben seine „motorisierten Hinterräder“ nichts am Hut.

Schupetta verbaute einen Zwölfzylinder-Motor aus einem alten amerikanischen Panzer und den Neunzylinder Sternmotor eines verschrotteten DDR-Düngerfliegers. Freunde und Familie bilden das Team Hubraumteufel. Jeder packt mit an. „Dieses Jahr hatten wir viel Pech.“ Auch dieses Wochenende läuft es durchwachsen. Der Sternmotor versagt den Dienst. „Mein Fehler“, gesteht Schupetta, „wir haben nicht genug Druckluft, um den Motor zu starten." Er hatte vergessen, die Flasche nachzufüllen.

Sein Panzer ließ ihn nicht im Stich. Während die Hinterräder Löcher in die Piste graben, dass der Sand nur so fliegt, verkündet der infernalische Lärm Anwohnern auch in weiterer Umgebung den „Weltuntergang“.

Lanz Bulldog spricht eine andere Sprache. Sein rhythmisches, sonores put-put-put belästigt keine Ohren, sondern klingt den Fans wie Musik. Auch am Wochenende war die Lanz-Gemeinde zahlreich, stellte fast zwanzig Prozent der Fahrzeuge bis 40 PS von insgesamt 103 Fahrzeugen, die am Samstag in zwölf historischen Klassen starteten. Viele von ihnen liebevoll restauriert.

Wie der 74 Jahre alte Lanz des Schönbergers Wolf-Dieter Hey in distinguiertem Originalgrau. Platz zwei in Klasse 3 (20-25 PS) schafft der schöne Oldie. Oder wie der Edel-Traktor Schlüter 750, Baujahr 1976, von Jürgen Schwandt, zusammen mit Urs Sass Organisator des Events. Zwölf verschiedene Modelle stehen in Schwandts Hallen. Das elegante Silber-Rot hebt sie von den anderen ab. „Er ist noch nicht ganz fertig, ein halbes Jahr brauche ich wohl noch.“ So reichte es in Klasse Neun (71-80 PS) nur für den letzten Platz.

Schwandt trägt es mit Fassung. „Für mich geht es nur um das Mitmachen.“ Andere traten im luftig-löchrigen Rost-Look eines Scheunenfundes oder mit in Jahren hart erarbeiteten Spuren der täglichen Feldarbeit an. Ein Traktorleben ist kein Zuckerschlecken.

Wie nicht anders zu erwarten war die Fortschritt-Fraktion in Schlagresdorf mit weitem Abstand die zahlenstärkste. Genosse ZT verdrängte in Klasse 10 (81-100 PS) und 11 (101- 125 PS) fast alle anderen Marken. Vom braven Landarbeiter bis zum getunten Power-Boliden waren alle Formen und Ausführungen am Start. Auch ohne hinzusehen erkennt man sie sofort am Motorengeräusch. Mit dem Klang zorniger Hornissen ziehen sie den Bremswagen über die extra für das Pulling gebaute Strecke. Dass sie dabei die motorischen Muskeln spielen lassen, zeigt sich an den langen grau-schwarzen Rauchfahnen, die die gefahrene Strecke hinter ihnen markieren. Für so manchen unter den vielen Zuschauern ein echter Flashback zurück in LPG-Zeiten.

Die perfekte Organisation eines Großereignisses mit dem Flair eines Familientreffens: Zuschauer und Teilnehmer waren rundum zufrieden, blieben trotz des durchdringenden Nieselregens bis zum Schluss. Sie ließen sich auch am zweiten Tag den Meisterschaftslauf im Track Pulling nicht entgehen.



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