zur Navigation springen

Buddelschiffe in Wismar zu sehen : Kuriositäten in der Flasche

vom

Schon was von kreisrunden, russischen Küsten-Panzerschiffen gehört? Die gab es ab 1875. Dieser maritimen Kuriosität ging der Boltenhagener Schiffsmodellbauer Jürgen Kubatz nach, recherchierte und baute sie - in Miniatur.

svz.de von
erstellt am 24.Apr.2013 | 12:13 Uhr

Wismar | Schonmal was gehört von kreisrunden, russischen Küsten-Panzerschiffen? Die gab es wirklich ab 1875. Sie trugen die Namen "Admiral Popow" und "Novgorod" und hatten einen Durchmesser von 30 Metern. Dieser maritimen Kuriosität ging der Boltenhagener Schiffsmodellbauer Jürgen Kubatz nach, recherchierte gründlich und baute sie nach. Allerdings nicht einfach so. Wer ihn kennt, weiß um seine filigranen Fertigkeiten als Fachmann für Buddelschiffe. Folglich setzte er die beiden Objekte als Miniatur-Nachbildung in gläserne Gefäße, die dafür besonderes geeignet waren.

Wer sich näher dafür interessiert darf ihn gern in seiner Museumswerkstatt in der Ostsee-Allee besuchen und wird dort auf weitere Kuriositäten treffen. Denn vor etwa zwei Jahren hat er gleich die gesamte Tarnewitzer Fischerpier nebst Kutter in einer 90 Zentimeter langen und 17 Zentimeter breiten Flasche verschwinden lassen. Doch bei der Ausstellung im Wassertor der Kreisstadt Wismar war er nicht der Einzige, der mit seinen modellbauerischen Fähigkeiten überzeugte. Gerhard Smidt aus Tressow brachte seine Galeone "Adler von Lübeck" mit. An der Nachbildung des Originals von 1565 hat der heute 85-Jährige, einstige Pädagoge, zwei Jahre lang gebastelt. "Ich finde mein Modell in diesem historischen Bauwerk um 1450 gut und würdig präsentiert", so der noch recht kreative Senior.

Auch Helmut Bredlau aus Grevesmühlen bereicherte die Ausstellung. Er präsentierte ein großformatiges Vikingerschiff und den Nachbau der legendären "Bounty" von Weltumsegler James Cook. Mit seinen großformatigen Modellen des britischen Linienschiffes "Bellona" und dem spanische Linienschiff "Navidad" überzeugte der Wismarer Horst Ludwig einmal mehr mit professioneller Bauweise.

Auch einen berühmten Namen präsentierte Kapitän Gerhard Zamzow. Seine "Santa Maria", einstiges Flaggschiff von Christoph Columbus, ist zwar noch nicht ganz fertig, aber dennoch schon ausstellungswürdig. Ganz nebenbei erwies er sich als talentierter Zeichner des maritimen Umfeldes. Und tritt dann noch ein Marinehistoriker, wie Rainer Däbritz aus Tarnewitz in die Runde Gleichgesinnter, ist Fachsimpeln ohne Ende programmiert. Zum Beispiel am Modell seiner Mathilde’: "Die Wismarer Galeasse wurde 1817 gebaut und 1834 verkauft. Und zwar deshalb, weil es dem Wismarer Reeder und Kaufmann David Daniel Erdmann gehörte, der 1833 starb. Sein Sohn hatte dann die Reederei aufgegeben, denn sein Vater besaß noch Häuser und ein Gut."

Norbert Gelhart aus Wismar baut zwar nicht selbst Modelle, ist dennoch bekannt für seine maritime Leidenschaft und dem großen Herz für Kinder. Er brachte ein Buddelschiff von 1902 mit. Natürlich deshalb, weil an diesem antiken Stück ebenfalls eine Geschichte hängt. Sein Onkel Hein Cords fuhr damals als Segelmacher auf dem Tiefwassersegler "Las Palmas" und sorgte somit nach dem Austrinken einer Buddel selbst für die kreative Neubestückung. "Als er 1944 mit der ,Großherzogin Elisabeth in Wismar festmachte, schenkte er mir dieses schöne Erinnerungsstück", so Gelhart.

"Steigerungen wird es gewiss noch geben, doch aus Sicht des Vorstandes sind wir auch diesmal sehr zufrieden mit dem Niveau der ausgestellten Exponate und dem Echo darauf", so die Bilanz des Clubvorsitzenden Udo Grevesmühl. Damit wurde einmal mehr der Clubphilosophie entsprochen: Wahrung und Pflege des maritimen Kulturgutes.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen