Maskenball in Gadebusch : Kurioser Zeitungsfund in Pokrent

Zwischen diesen Balken entdeckte Erik Ungureanu die Zeitungen aus dem Jahr 1929. In den Händen hält er ein Exemplar der Gadebusch-Rehnaer Zeitung.
1 von 2
Zwischen diesen Balken entdeckte Erik Ungureanu die Zeitungen aus dem Jahr 1929. In den Händen hält er ein Exemplar der Gadebusch-Rehnaer Zeitung.

Bei Sanierungsarbeiten in der alten Dorfschule fand Erik Ungureanu Zeitungen aus dem Jahr 1929

23-11367724_23-66109651_1416395531.JPG von
22. Februar 2014, 10:00 Uhr

Bei Sanierungsarbeiten in Pokrent hat Erik Ungureanu 85 Jahre alte Zeitungen entdeckt. Sie befanden sich jahrzehntelang zwischen zwei Fußbodenbalken der ehemaligen Dorfschule, sind in einem bemerkenswert guten Zustand und geben einen spannenden Einblick in die Geschichte der Region. So war beispielsweise schon 1929 Holz äußerst begehrt und wurde bei Versteigerungen zum Kauf angeboten. Dabei kamen Eichen, Buchen und Birken in den Revieren Alt Steinbeck, Kneese und Botelsdorf unter den Hammer. Auch die Stadt Gadebusch nutzte den Holzverkauf als Einnahmequelle und kündigte in der Ausgabe der Gadebusch-Rehnaer Zeitung eine Holz-Auktion für Februar 1929 an.

Unternehmen aus der Region Gadebusch nutzten in den 1920er-Jahren die Gadebusch-Rehnaer Zeitung ebenfalls als Werbeplattform. Ein gewisser August Neumeister preiste fettes Kalbsfleisch und frische Bratwurst an. Ein Händler namens August Voß aus der Gadebuscher Steinstraße warb für Radioapparate der Marken Telefunken und Löwe – zu konkurrenzlosen Preisen. „Schäffer’s Buchdruckerei“ wollte mit Gratulationskarten punkten und Knorr’s Drogerie hatte Pflaster für 75 Pfennig sowie Fußbäder für 50 Pfennig im Angebot.

Gefragt waren damals auch Helfer in der Landwirtschaft. Mithilfe von Stellenanzeigen suchten Bauern in Klein Salitz, Buchholz und Gadebusch je einen Knecht. Gastwirtschaften in Lützow und Ganzow benötigten ebenfalls personelle Verstärkung.

Dass Geselligkeit groß geschrieben wurde, ist bei der 85 Jahre alten Zeitungslektüre zu erahnen. So warb die Freie Turnerschaft Gadebusch zum letzten, großen Maskenball, zu dem auch ein Narrenfürst namens Till Eulenspiegel erwartet wurde. Der Eintritt für Herren kostete eine Reichsmark, Damen zahlten die Hälfte. Auch die Gastwirtschaften in Stöllnitz und Klein Thurow machten 1929 in der Gadebusch-Rehnaer Zeitung Werbung für ihre Veranstaltungen. Sie hatten einen großen Masken- bzw. einen Fastnachtsball organisiert.

„Die alten Zeitungen sind ziemlich interessant“, findet Erik Ungureanu. Noch ist sich der 43-Jährige nicht schlüssig, ob er sie behält oder einem Museum zur Verfügung stellt. Fest steht für ihn nur: Wegschmeißen wird er die Zeitungen von 1929 auf keinen Fall.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen