Boltenhagen : Kurdirektorin ist wieder im Amt

<fettakgl>Kurdirektorin Claudia Hörl</fettakgl> musste sich bereits arbeitslos melden, jetzt holte die Gemeinde Boltenhagen die 40-Jährige zurück  ins Ostseebad. <foto>Foto: zvs</foto>
Kurdirektorin Claudia Hörl musste sich bereits arbeitslos melden, jetzt holte die Gemeinde Boltenhagen die 40-Jährige zurück ins Ostseebad. Foto: zvs

Kurdirektorin Claudia Hörl hat ihren ersten Arbeitstag hinter sich. Zwei Wochen lang herrschte Unruhe, weil der Bürgermeister der Gemeinde ihr eigenmächtig gekündigt hatte. Rechtswidrig, wie sich schnell herausstellte.

svz.de von
05. Juli 2012, 09:45 Uhr

Boltenhagen | Kurdirektorin Claudia Hörl hat ihren ersten Arbeitstag hinter sich. Auf ihrem Schreibtisch steht der Blumenstrauß, den sie zuvor lächelnd im Empfang nahm. Nachdem die Gemeindevertreter und Vertreter des Amtes Klützer den Vertrag unterschrieben hatten, machte sich Erleichterung breit. Das Problem war gelöst.

Zwei Wochen lang herrschte Aufsehen und Unruhe, weil der Bürgermeister der Gemeinde, Olaf Claus, der Kurdirektorin eigenmächtig gekündigt hatte. Rechtswidrig, wie sich schnell herausstellte. Denn nur die Gemeindevertreter dürfen per Beschluss die Kurdirektorin entlassen. Weil sie aber mit der Arbeit von Claudia Hörl sehr zufrieden sind, wollten sie die 40-Jährige so schnell wie möglich zurück. Außerdem hat bereits die Saison im Ostseebad begonnen. Dennoch: einfach die Kündigung zurücknehmen, das konnten die Gemeindevertreter nicht. Sie mussten die Kurdirektorin per Beschluss wieder neu einstellen.

Bei der außerordentlichen Gemeindevertretersitzung wurde im nichtöffentlichen Teil über die Wiedereinstellung von Claudia Hörl entschieden, mehrheitlich. Neun Vertreter stimmten dafür, zwei enthielten sich der Abstimmung. Wer allerdings nicht anwesend war: der Bürgermeister. Er hatte sich noch am Nachmittag krank gemeldet. Für diesen Fall hatte Landrätin Hesse bereits eine Beauftragte ernannt, nämlich Maria Schultz vom Amt Klützer Winkel.

Der neue Vertrag wurde so verfasst, wie er ursprünglich geschlossen wurde. Das heißt, mit einer Frist bis zum Ende des kommenden Jahres. Allerdings wollen die Gemeindevertreter zu einem späteren Zeitpunkt darüber entscheiden, dass sie den Vertrag in einen unbefristeten verlängern wollen. Das war zum jetztigen Zeitpunkt rechtlich nicht möglich.

Hörl, die sich in der Zwischenzeit bereits beim Arbeitsamt melden musste, zeigte sich zufrieden. "Ich bin mit einem positiven Gefühl hergekommen", sagte sie. "Ich will nun erst einmal meine Arbeit machen und dann sehen wir weiter. Der Bürgermeister hat nun eine Chance bekommen, ich hoffe auf eine Kooperation."

Darauf muss Claudia Hörl nun wohl nicht hoffen. Claus ist seit gestern nicht mehr Bürgermeister der Gemeinde. Das hat das Oberverwaltungsgericht Mecklenburg-Vorpommern entschieden. Die Begründung: Bürgermeister Olaf Claus kann nicht gleichzeitig ehrenamtlicher Bürgermeister und Bediensteter des Amtes Klützer Winkel sein, dem die Gemeinde angehört. Laut der Kommunalverfassung seien Amt und Mandat nicht vereinbar, so ein Sprecher des Gerichts. Mit ihrer Entscheidung gaben die Richter einer Beschwerde des Amtes statt, das gegen ein anderslautendes Urteil des Greifswalder Verwaltungsgerichts vorgegangen war.

Gegen das Urteil will Claus nun gerichtlich vorgehen. Das könnte sich allerdings über Jahre hinziehen. Solange übernimmt der 1. Stellvertretende, Christian Schmiedeberg (CDU) die Funktion des Bürgermeisters. "Hätten wir das mit dem Urteil früher gewusst, hätte man sich einiges an Aufwand sparen können", sagte er. Er bedauert, dass Olaf Claus, seinen Fehler - die Kündigung der Kurdirektorin - nicht schon vorher selbst korrigiert hatte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen