Gadebusch : Kunst zum Thema DDR-Flucht

Bei den Schülerinnen Jasmin Sherifi (li.) und Lina Greger geht es um Vorurteile in den Köpfen von Ost- und Westdeutschen.
Bei den Schülerinnen Jasmin Sherifi (li.) und Lina Greger geht es um Vorurteile in den Köpfen von Ost- und Westdeutschen.

In dem Projekt „Mauern im Leben, Mauern im Kopf“ beschäftigen sich Gadebuscher Gymnasiasten mit der ehemaligen Zonengrenze.

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10. März 2018, 16:00 Uhr

Mit seinen 16 Jahren ist die ehemalige Zonengrenze für Louis gleichermaßen eine Erzählung der Eltern wie Unterrichtsstoff in Geschichte. Dass der Schüler des Gymnasiums Gadebusch nur wenige Kilometer von ihr entfernt lebt und lernt, spielt in seinem Leben kaum eine Rolle. Dennoch: „Vergessen ist das Thema Grenze nicht.“

Louis und seine Mitschüler beschäftigten sich bis gestern künstlerisch mit dem Thema Grenze. Unter dem Motto „Mauern im Leben, Mauern im Kopf“ konnten die Schüler ihre Eindrücke, die sie über ein Schuljahr zu diesem Thema sammelten, aufarbeiten. Unterstützung bekamen sie dabei von der Künstlerin Renate Schürmeyer. Sie setzt sich seit 2008 mit dem Thema „Erinnerungen an die Grenze“ auseinander. „Ich habe lange und gründlich über die Ostseefluchten recherchiert“, so die 60-Jährige. Ihre Erfahrung in der künstlerischen Bearbeitung der Vergangenheit wolle sie nun an die Schüler weiterreichen.

Bis in den Juli hinein wird die Grenze die Jugendlichen noch beschäftigen. „Es ist ein fächerübergreifendes Projekt. Außer im Fach Kunst bei mir und Annika Fimmel befassen sich die Schüler noch bei Natascha Giese in Geschichte und bei Torsten Köpp und Sarah Beuch in Philosophie mit der Grenzsituation“, erklärt Lehrerin Susanne Achsnick. Zum Beispiel ging es zum Grenzhus Schlagsdorf. Die Schüler führten Gespräche mit Dr. Andreas Wagner vom Grenzhus, mit Zeitzeugen und den eigenen Eltern über das Thema. Auch das Erstellen von Texten war Teil der Arbeit. „Die Schüler sollen ihre Projekte mit kleinen Kärtchen versehen, welche die Ideen präsentieren“, so die Kunstlehrerin.

Drei Schultage lang konnten die Jugendlichen aller 10. Klassen – rund 90 Schüler – mit Ideen jonglieren. Dabei wurde ihnen freie Hand gelassen. Bei dem Projekt von Jasmin Sherifi und Lina Greger geht es um die Vorurteile, die auf der Seite der West- und Ostdeutschen bis heute vorherrschen. Den dafür stellvertretend stehenden Pappmaschee-Köpfen soll ein symbolischer Spiegel vorgehalten werden. „Wir haben die Köpfe bewusst weiß gelassen. Es soll neutral bleiben“, erklärt Schülerin Lina Greger.

Renate Schürmeyer ist von der Idee angetan. „Ganz viel will noch erzählt werden.“ Dabei lässt sie auch den aktuellen Bezug nicht außer Acht. „Ich glaube, dass sich die Grenzen verlagert haben“, sagt die 60-Jährige mit Blick auf die Flüchtlingsströme. Auch hier seien Grenzen gezogen, wenn auch ökonomische. „Ich finde es wichtig, den Schülern klarzumachen, dass sich die Geschichte wiederholt“, so die Künstlerin.

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