Flecken. Spritzer. Verwischtes : Kunst mit der Rohrfeder

Seine erste Personalausstellung: Volkmar Förster zeigt seine Rohrfederzeichnungen in der Galerie Hinter dem Rathaus.
Seine erste Personalausstellung: Volkmar Förster zeigt seine Rohrfederzeichnungen in der Galerie Hinter dem Rathaus.

Wahl-Mecklenburger Volkmar Förster stellt seine Werke noch bis zum 4. Januar in der Galerie Hinter dem Rathaus in Wismar aus

svz.de von
04. Dezember 2013, 10:30 Uhr

Schnell, energiegeladen und grafisch sind die Rohrfederzeichnungen von Volkmar Förster. Seine erste Personalausstellung in der Galerie Hinter dem Rathaus in Wismar wurde jetzt eröffnet.

Ein Raum voller Landschaften und Architektur. Mit wenigen Linien hat Volkmar Förster die Marienkirche in Tangermünde im nördlichen Sachsen-Anhalt skizziert. Ein paar Striche als Bäume, ein bisschen verdünnte Tinte als Laub. Volkmar Förster braucht nur wenige dieser Striche in seinen Rohrfederzeichnungen, aber die müssen sitzen. „Wenn die Linie steht, steht sie. Man kann sie nicht mehr verändern“, erklärt der Künstler das Besondere an der Rohrfederzeichnung. Mit Hocker und einem Klapptisch setzt er sich vor seine Motive. „Das sind immer Vorarbeiten“, so der Künstler, der erst vor vier Jahren von der Provinz im Vogtland in die mecklenburgische Provinz gezogen ist. In Banzkow, südlich von Schwerin lebt der gebürtige Chemnitzer.

„Ich weiß, die Technik ist etwas konservativ“, schmunzelt der gemütliche Mann mit Schnauzer, einer kleinen Brille und einem Strohhut. Mit einer Reduktion dieser, seiner Äußerlichkeiten auf eine grobe Zeichnung signiert er jedes Bild. Auf den großen Bögen zeichnet Volkmar Förster das, was er sieht. Den unmittelbaren Eindruck. „Fehler spielen keine Rolle“, erklärt er anhand der Anatomie eines weiblichen Aktes. Er möchte ein grafisches Blatt erschaffen, keine Anatomiezeichnung. „Solch eine Linie, aus der Bewegung heraus gezeichnet, ist spannend. Ich brauche Raum, Platz und darf nicht überlegen. Wenn man anfängt, zu überlegen, ist es vorbei.“

So entstehen Flecken. Spritzer. Verwischtes. Förster provoziert diese Unfälle. Er besprüht das Papier gerne mit etwas Wasser. Dort, wo viel Wasser in den Untergrund einzieht, verläuft die Tinte. Oder er wischt mit dem Haushaltstuch drüber, nimmt den Pinsel statt der Rohrfeder.

Über dem Raum mit Landschaften ist ein Raum mit Menschenzeichnungen. Arbeitende Menschen im Schieferbruch, wo das wertvolle Material genau wie vor 2000 Jahren bearbeitet wird. So ursprünglich wie die Arbeit ist die Art, wie Volkmar Förster sie gezeichnet hat. „Vielleicht die klassischste Art der Zeichnung“, kommentierte der Sohn des Künstlers, Stephan Blieme, bei der Ausstellungseröffnung. Er erzählt von der Vielseitigkeit Försters. Der sich immer wieder neu ausprobiert und neu erfindet.

Die Ausstellung ist noch bis zum 4. Januar zu sehen, dienstags bis freitags von 12 bis 18 Uhr, sonnabends von 11 bis 16 Uhr.


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