Ratzeburg : Kunst, die zum Diskutieren einlädt

Lyrik trifft Zeitgeschichte: Das ist der Beitrag von Miro Zahra bei der Ausstellung „Identität“.
Lyrik trifft Zeitgeschichte: Das ist der Beitrag von Miro Zahra bei der Ausstellung „Identität“.

Bei der Ausstellung „Identität“ im Ratzeburger Kreismuseum zeigt auch Künstlerin Miro Zahra aus Plüschow ein Werk

svz.de von
29. August 2018, 05:00 Uhr

Schwarz-Rot- Gold. Die Fahne flattert im Wind, hin und hergerissen von dem Mann mit Sonnenbrille. Hinter ihm, hinter Absperrung und Polizei recken Menschen ihm und jenen, die mit ihm gehen, die Hände entgegen. Das Bild einer Demonstration – Pegida und ihre Gegner. Es ist das Motiv der Arbeit, die Künstlerin Miro Zahra ab diesem Sonntag, 2. September, im Ratzeburger Kreismuseum ausstellt.

„Bei der Ausstellung geht es um Identität und viele meiner Künstlerkollegen beziehen sich dabei auf die eigene Identität. Für mich war aber klar, dass es bei meinem Werk um nationale Identität gehen muss“, sagt die Künstlerin. Das habe zum Teil mit ihrer eigenen Herkunft zu tun. „Ich komme aus Prag, sage immer, dass ich aus Böhmen komme und habe in Deutschland studiert – für mich ist Internationalität ein Teil meiner selbst.“

Aufgewachsen mit der tschechischen und der slowakischen Kultur, deren Sprache und Bewusstsein, sieht sich Miro Zahra als Weltbürgerin. „Ich bin Kosmopolitin. Und ich denke, dass das auch viele deutsche Künstler waren – vor allem aus der Literatur.“

Darum hat die Plüschowerin auch ein Zitat der beiden bekanntesten deutschen Schriftsteller über das Demonstrationsbild gelegt. „Zur Nation euch zu bilden, ihr hofft es, Deutsche, vergebens: Bildet, ihr könnt es, dafür freier zu Menschen euch aus“ von Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe, der Spruch soll die Menschen zum Nachdenken anregen. „Ich denke schon, dass sich dieses Bild – das die Zerrissenheit der Gesellschaft, der nationalen Identität darstellt – den ein oder anderen provozieren wird.“ Doch auch das sei eine Aufgabe der Kunst: Leute anreizen, zu diskutieren. „Wer, wenn nicht wir soll eine Veränderung im Denken bewegen? Darum dieser optische Stolperstein.“

Angst auf zu viel Gegenwind zu treffen hat Miro Zahra nicht. „Kunst muss man auch aushalten können, wenn sie einem nicht passt. Wir haben mit der Freiheit der Kunst ein sehr hohes Gut. Das ist leider nicht jedem in unserer Gesellschaft bewusst“, sagt die Künstlerin.

Hier spiegle sich die sozialgesellschaftliche Aktualität wider. „Vieles verselbstständigt sich gerade. Die Eliten denken, dass sie die Lage unter Kontrolle hätten, aber die Ereignisse heutzutage zeigen, dass das nicht stimmt.“ Zu sehr sei der Stolz auf eine gemeinsame Gesellschaft zu einem ungesunden Nationalstolz gekommen. „Ich schätze Kultur und das Bewahren von Traditionen. Aber diese als das einzig Wahre hinzustellen und andere auszugrenzen, halte ich für falsch“, erklärt die Plüschowerin.

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