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Schliessungen in Schlagsdorf und Lützow : Kunden enttäuscht von VR Bank

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Die Komplettschließungen der Filialen in Schlagsdorf und Lützow sorgen vor allem bei älteren Menschen für Entsetzen

svz.de von
erstellt am 09.Mär.2017 | 05:00 Uhr

„Meine Bank ist da, wo ich bin.“ Das sagt die Volks- und Raiffeisenbank. Dumm nur, dass viele Kunden der Genossenschaftsbank dem Versprechen nicht mehr glauben. Denn ab 2. Mai sind die Geschäftsstellen Schlagsdorf und Lützow nämlich nicht mehr da. Geschlossen, aufgegeben, dicht gemacht. Und zwar endgültig. Daran lässt das Kreditinstitut auf Nachfrage der SVZ keine Zweifel.

„Die Entwicklung der Nutzung dieser Standorte ermöglicht keinen weiteren Betrieb“, sagt Susanne Peters-Meyer, verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit bei der VR Bank. Dabei trifft es Kunden dieser beiden Standorte besonders hart. Während die Geschäftsstelle der VR Bank in Rehna zwar auch geschlossen, aber wenigstens als Selbstbedienungs-Filiale erhalten bleibt, geht in Schlagsdorf und Lützow bald nichts mehr. Nicht einmal mehr Geld abheben wäre hier dann noch möglich. „Es wäre wirklich nicht schön, wenn die Filiale hier in Schlagsdorf komplett geschlossen würde. Man sollte doch wenigstens einen Geldautomaten stehen lassen, damit wir Kunden nicht woanders hinfahren müssen“, sagt Rena Kautz. In diesem Fall nach Schönberg, Rehna oder Gadebusch.

Doch was für junge und mobile Menschen ja durchaus noch vorstell- und realisierbar ist, stellt Ältere vor Probleme. „Ich bin entsetzt, das die Filiale in Lützow samt den Automaten geschlossen werden soll“, sagt Waltraud Setzekorn. Die 86-Jährige sieht sich als nur eine von vielen älteren Menschen in Lützow und Umgebung, die jetzt nur noch mit großen Aufwand an ihr Geld kommen sollen. Jetzt brauche sie circa 15 Minuten, um ihre Bankgeschäfte zu erledigen und habe auch immer ein sicheres Gefühl, da eine Bank-Mitarbeiterin vor Ort sei, die ihr bei Unsicherheiten mit Rat und Tat zur Seite stehe. „Nach Schließung der Filiale benötige ich ohne fremde Hilfe einen halben Tag, um mit Bus oder Bahn zur nächsten Filiale zu gelangen und dann kommt auch noch die Angst vor Überfällen dazu“, so die langjährige Kundin der VR Bank.

Vor allem die wegbrechende Versorgung mit Bargeld – wenigstens vom Geldautomaten vor Ort – bereitet den Kunden Kopfzerbrechen. Echte Alternativen haben die Bänker nicht parat. Sie verweisen auf die Möglichkeit des Geldabhebens beim Einkauf im Supermarkt oder in der nächstgelegenen Tankstelle. Problem nur: In den Supermärkten muss man zum Geldabheben vorher einen Einkauf mit einem Mindestwert von 20 Euro tätigen, um an Bares von seinem Konto zu kommen. Und ob der Geldautomat an der Tanke das Ersparte ohne Gebühren rausrückt, ist von Fall zu Fall sicher unterschiedlich.

In Schlagsdorf sind nach Unternehmensangaben knapp 500 Kunden von den Schließungen betroffen, in Lützow sogar über 1000. „Ich bin enttäuscht von meiner Bank“, sagt Waltraud Setzekorn. Von Werbesprüchen à la „Wir machen den Weg frei“ habe sie genug: „Für wen denn? Jeden falls nicht für die treuen Kunden, die jahrelang ihr Geld bei der Raiffeisenbank verwalten lassen und für Kredite viele Zinsen zahlten. Das sind nur schöne Werbesprüche, aber nichts dahinter.“

Kommentar: „Zum Geldabheben in die Kaufhalle“ – von Holger Glaner
Das wird ja immer lustiger. Wenn Oma Anni mal eben 100 Euro von ihrem VR Bank-Konto abheben möchte, weil das Enkelkind überraschend zu Besuch kommt und mit einem Scheinchen beglückt werden soll, darf sie künftig ihren Rollator satteln und in den nächstgelegenen Supermarkt tippeln. Motto: Ich geh mal eben zum Geldabheben in die Kaufhalle. Dumm nur, dass sie davor erst einmal für mindestens 20 Euro einkaufen muss. Ich sage: Eine ganz schön hohe Zwangsgebühr für eine Bargeldabhebung vom eigenen Konto. Dann doch lieber an die Tanke um die Ecke. Da sind vielleicht nur die üblichen Nutzungsgebühren für einen Fremd-Geldautomaten fällig. Liebe VR Bank: Kundenfreundlich geht anders.
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