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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

17. November 2017 | 22:33 Uhr

Kritik nach Schweigeminute wächst

vom

svz.de von
erstellt am 03.Jul.2013 | 10:29 Uhr

Gadebusch | Die TSG Gadebusch gerät zunehmend unter Druck. Kurz vor dem Anpfiff des Sonntagsspiels zwischen der TSG Gadebusch und Dynamo Schwerin hatte es eine Schweigeminute für einen verstorbenen Dynamo-Fan (wir berichteten) gegeben. Der 39-Jährige war mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, und galt als Anhänger der rechten Szene in der Region. Die TSG hat darauf verwiesen, von der Aktion nichts gewusst zu haben und dafür missbraucht worden zu sein. Zur anhaltenden Diskussion wollte sich die TSG nicht mehr äußern und ihre Position, ohne Nachfragen zuzulassen, darstellen.

Nun formiert sich breite Unterstützung für die Kritiker dieser Aktion. Gadebuschs Bürgermeister Ulrich Howest (SPD) spricht sich deutlich aus: "Es ist ein Unding, dass er gewürdigt worden ist. Wir geben viel Geld für Prävention und die Arbeit gegen Radikalismus aus". Und dann passiere einem Gadebuscher Verein so etwas. "Ich hoffe, dass im Verein das Problembewusstsein kommt." Der Gadebuscher Hauptausschuss wird sich in seiner nächsten Sitzung mit dem Thema beschäftigen. Dann werde auch der kommissarische Vereinschef, Rolf Lemcke eingeladen, um die TSG-Sicht der Dinge dazulegen.

Im Zuge der Berichterstattung ist die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses des Landkreises in die Kritik geraten. Howest stellt sich vor Judith Keller und sprach ihr "unser absolutes Vertrauen aus. Sie ist eine integere Person, die sich viel für die Stadt engagiert."

Auch Landrätin Birgit Hesse (SPD) verurteilte die Aktion scharf. "Es fällt mir schwer, den Vorfall in Gadebusch umfänglich zu bewerten, da ich nicht zugegen war. Doch eines steht fest: Eine Schweigeminute ist eine ganz besondere Form des Gedenkens, der Würdigung und der Erinnerung. Sie in dieser Situation einzusetzen, ist überhaupt nicht nachvollziehbar und völlig respektlos. Die laut gewordene Kritik ist voll gerechtfertigt." Der Landkreis engagiere sich gegen Rechtsextremismus. "Dieses ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der wir uns auch im Präventionsrat stellen. Hier liegt unser Fokus auf der Förderung von konkreten Projekten für Demokratie und Toleranz und gegen rechtsextremes Gedankengut. Dabei wollen wir gerade Jugendliche stärken und natürlich aufklären." An die Adresse der TSG sagt Birgit Hesse: "Ich kann dem Gadebuscher Verein nur empfehlen, diesen Vorfall insgesamt sorgfältig und konsequent aufzuarbeiten und ein deutliches Signal gegen rechts zu setzen."

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) schaltet sich in die Diskussion um die Anhängerschaft von Dynamo Schwerin ein. "Dem Ministerium für Inneres und Sport sind Kontakte der Fanszene des Vereins Dynamo Schwerin zur rechtsextremistischen Szene bekannt. Weil Rechtsextremisten immer wieder den Sport als Mittel nutzen, sich im Gemeinwesen zu etablieren, haben wir zusammen mit dem Landessportbund im vergangenen Jahr das Projekt "MoBiS" (mobile Berater im Sport) in Mecklenburg-Vorpommern gestartet, um Sportvereine im Kampf gegen verfassungsfeindliche Ströme zu unterstützen."

Der Chefredakteur der SVZ, Michael Seidel, machte klar: "Wir lassen uns nicht einschüchtern von einzelnen gewaltbereiten Gruppen, egal welcher Couleur." Extremisten seien nicht Teil der demokratischen Gesellschaft. Sie stellten sich bewusst außerhalb. "Deshalb haben sie auch keinen Anspruch, wie alle andere behandelt zu werden."

Zudem verwies er auf den publizistischen Auftrag der Zeitung. "Unsere Aufgabe ist es, Informationen einzuholen und zu verbreiten." Denn eine Zeitung müsse auch öffentliche Kontrolle ausüben. Seidel reagiert damit auch auf den Vorwurf, die Tochter des Verstorbenen würde unter der Diskussion leiden. "Nicht wir haben sie in die Öffentlichkeit gezerrt. Das waren die Fußballfans."

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