Gadebusch : Kritik an Idee der digitalen Bibliothek

Busfahrer Dirk Horstmann war der letzte Fahrer des Bücherbusses Nordwestmecklenburg, von dem er sich am 17. Dezember 2013 verabschiedete.
Busfahrer Dirk Horstmann war der letzte Fahrer des Bücherbusses Nordwestmecklenburg, von dem er sich am 17. Dezember 2013 verabschiedete.

Vorwurf nach SVZ-Beitrag: Miteinander beim Erlebnis Buch fällt bei “Onleihe MV“ weg

svz.de von
31. August 2016, 04:45 Uhr

Fahrbibliothek hin oder her – in Nordwestmecklenburg hat der Bücherbus bereits Ende 2013 seinen Betrieb eingestellt. Zum Bedauern vieler Nutzer, vor allem im ländlichen Bereich. Als „das moderne Gegenstück zur Fahrbibliothek“ feiert Bildungsminister Mathias Brodkorb hingegen die digitale Landesbibliothek „Onleihe MV“, bei der die verschiedensten Medien online via Internet ausgeliehen werden können. Unsinn, meint Thomas Pommert.

„Vieles kann nämlich die Onleihe nicht. Sie kann nicht beraten und nicht anleiten. Das Miteinander des Erlebnisses Buch fällt weg – zum Beispiel bei Lesungen oder dem Plausch im Bus“, so der Mann aus Wurzen, einer Kleinstadt im Norden Leipzigs, der den SVZ-Beitrag „Die Fahrbibliothek von morgen“ vom 25. August im Internet gelesen hat. In dem Forum www.fahrbibliothek.de meldet sich nach Erscheinen des Beitrags in der Gadebusch-Rehnaer Zeitung daraufhin noch ein weiterer Kritiker zu Wort. „Die Onleihe als moderne Alternative zu Fahrbibliotheken darzustellen, kann auch nur einem Bildungsminister aus einem Bundesland passieren, das gerade noch eine einzige Fahrbibliothek im Landkreis Rostock vorweisen kann“, so Johannes von Freymann von der Fahrbücherei des Landkreises Celle in Niedersachsen. Seit 1981 versorgt dort eine Fahrbücherei die Leseratten der Region mit frischer Ware.

Mehr als 20 Jahre lang war ein solcher Bus auch in Nordwestmecklenburg auf Tour und bot Nutzern den neuesten Lesestoff an. Knappe Kassen und rückläufige Mitgliederzahlen bremsten den Bücherbus zum 31. Dezember 2013 allerdings aus. Auf dem Tacho hatte der Bus zu dem Zeitpunkt rund 223 000 Kilometer und wurde nach Aussagen von Gudrun Sturmheit, der Fachdiensleiterin Bildung und Kultur beim Landkreis Nordwestmecklenburg, an eine Privatperson verkauft.

Dort, wo Bücherbusse von der Bildfläche verschwunden seien, würden sie vermisst und die Probleme mit der Bildung würden größer, so Thomas Pommert weiter. „Gerade die, die sozial benachteiligt sind, brauchen die Unterstützung und Anleitung. Es kann nicht sein, dass wir hoffen, dass sich diese Menschen von sich aus für Bildung einsetzen. Wer das glaubt, für den ist der Himmel pink.“

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