Hilfsaktion : Kriegsflüchtlinge in Meetzen

Wenige Minuten vor Mitternacht treffen die syrischen Flüchtlinge in Meetzen ein. Ehrenamtliche Helfer des Katastrophenschutzes nehmen sie in Empfang. Fotos: Volker Bohlmann
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Wenige Minuten vor Mitternacht treffen die syrischen Flüchtlinge in Meetzen ein. Ehrenamtliche Helfer des Katastrophenschutzes nehmen sie in Empfang. Fotos: Volker Bohlmann

Ankunft kurz vor Mitternacht / Bürger im Ort sind besorgt und fühlen sich schlecht informiert / Landkreis und ehrenamtliche Helfer im Einsatz

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08. September 2015, 07:45 Uhr

Syrien, Ungarn, München und jetzt Meetzen – hinter den gestern um 23.30 Uhr eintreffenden Flüchtlingen aus Syrien in der Jugendbegegnungsstätte Meetzen liegen Tage der Ungewissheit. „70 von insgesamt 300 neuen in MV ankommenden syrischen Flüchtlingen finden im Haus der Alten Schule in Meetzen vorübergehend eine Unterkunft“, so eine Sprecherin des Landkreises Nordwestmecklenburg. Dafür stellt der Verein Alte Schule seine Immobilie für eine Hilfsaktion bereit. „Die Aufnahme erfolgt im Rahmen der Kapazitätserweiterung der Erstanlaufstellen“, so Landrätin Kerstin Weiss gegenüber der SVZ. Die Unterbringung soll voraussichtlich für die Dauer von zwei Wochen erfolgen. In den zentralen Aufnahmestellen in Horst und Stern Buchholz sind die Kapazitäten erschöpft.

Zahlreiche Bürger aus Meetzen fühlen sich durch die spontane Hilfsaktion verunsichert und bringen ihren Unmut gegenüber Landrätin Kerstin Weiss zum Ausdruck. Sie und Vertreter des Amtes für Migration in MV erläutern das Prozedere (Aufnahme von Daten, die ärztliche Untersuchungen) und werben für Verständnis angesichts der fehlenden Vorabinformationen. „Wir wurden am Sonntag vom Land informiert. Jetzt bleibt uns nur Zeit zum Handeln“, so Weiss. Es gehe um Menschen, die in dieser Notaufnahme eine vorübergehende Bleibe finden. Doch die Ängste vor einer bisher nie da gewesen Situation bleiben. „Wir können ihre Ängste verstehen, lassen sie bitte ihren Groll nicht an den Menschen aus“, sagt Florian Haug, der Leiter Brand- und Katastrophenschutz Nordwestmecklenburg den Bürgern. Holdorfs Bürgermeister Peter Praeger hält die Lage für kompliziert: „Wie kann man in solch einem kleinen Ort so viele Flüchtlinge unterbringen?“ Am Sonntag gegen 18.30 Uhr sei er von der Landrätin informiert worden.

Seit Montag 10 Uhr organisieren Hausleiter Christof Müller und weitere zehn Helfer vom Verein Alte Schule die Unterbringung der Flüchtlinge. „Wir freuen uns, dass wir helfen können. Unsere Erfahrungen sind diesbezüglich positiv.“ Für ihn habe sich diese Entwicklung der weltpolitischen Lage seit 30 Jahren abgezeichnet. „Jetzt müssen wir helfen“, sagt Müller.


Spontane Hilfsaktion im Dorf


In direkter Nachbarschaft zum Alten Gutshaus pflegt am Montag der Meetzener Stefan Leistner seinen Rasen. Auf die neue Situation muss er sich erst noch einstellen: „Ich höre zum ersten Mal davon. Völlig frei von Sorgen ist die Situation nicht, aber wir müssen die Menschen vernünftig empfangen.“ Darauf zielen die spontanen Aktionen von Franziska Leistikow ab: „Ich habe die Nachricht aus den Medien erfahren, hatte frei und bin spontan durch das Dorf gelaufen, um Hilfe zu organisieren.“ Nicht jeder reagierte mit Begeisterung, aber viele freuten sich, angesprochen zu werden, erzählt die junge Frau aus Meetzen. „Acht Leute sind dabei. Wir besprechen wie und vor allem mit welchen Leistungen wir unterstützen können“, so Leistikow.

Eine Form von Koordination, über die sich Christof Müller freut: „Wir bauen ein Zelt als Treffpunkt für die Menschen aus Syrien und Meetzen auf. Dort nehmen wir auch Spenden entgegen. Bitte nichts wahllos vorbeibringen, sondern erst vor Ort anfragen, was dringend gebraucht wird“, so Müller. Der Leiter des Hauses setzt auf die Menschen aus Meetzen und das sie mit anpacken. Am Donnerstagabend will der Landkreis in Meetzen die Bürger ausführlich informieren.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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