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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

21. November 2017 | 15:10 Uhr

Windkraft : Krembz wehrt sich

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Infoveranstaltung in Stöllnitz/ Leiter des Umweltamtes beschreibt Probleme der Energieform/ Bürger von Einflüssen bereits betroffen

svz.de von
erstellt am 21.Mai.2015 | 23:38 Uhr

Der Saal des Dorfgemeinschaftshauses ist voll. Die Bürger aus Stöllnitz und Badow wollen es wissen: Welche Auswirkungen hat die Windkraft auf Landschaft und Menschen? Denn sie sind schon längst davon betroffen. Reno Oldendorf und seine Frau Ulrike sind vor zehn Jahren nach Stöllnitz gezogen. Ihr Haus liegt am Rand des Dorfes, in ruhiger Lage mit Blick auf die Natur.

Dies hat sich gravierend verändert, seit die Windkraftanlagen dort gebaut wurden. „Ich bin plötzlich nachts oft aufgewacht und habe in den frühen Morgenstunden sehr unruhig geschlafen“, erzählt der Stöllnitzer. „Bis ich zuordnen konnte, dass dies an der Windanlage liegt, hat lange gedauert.“ Das Fazit: Fenster zu beim Schlafen. Das ständige Blinken der Leuchtfeuer und die Dauergeräusche des Windes stören das Ehepaar extrem. „Unser Haus steht etwa 1300 Meter von der Anlage entfernt. Aber wir hören die Geräusche dauernd“, sagt Ulrike Oldendorf. „Am Anfang dachte ich, das Geräusch wäre der Nachschall eines Tieffliegers, aber der hält ja nicht so lange an.“ Neben den steten Geräuschen und dem Aufblitzen der Befeuerung hat die Stöllnitzerin besonders hart getroffen, dass ihr Ausblick nun ein ganz anderer ist. „Ich gucke zwar immer noch auf Wiesen und Bäume, aber jetzt stehen da auch noch die Windräder. Den Blick den ich vorher hatte, werde ich nie wieder haben. Das ist schon bitter.“

Dr. Roland Finke, Leiter des Fachdienstes Umwelt vom Landkreis Nordwestmecklenburg und Referent des Infoabends „Windpark in der Schaalsee-Region?“, machte auf die Probleme in Bezug auf die Windkraft aufmerksam: „Windräder machen Lärm und Lärm macht krank. Auch das Blinken der Befeuerung wirkt störend. Und wenn Sie an die Gefahren von Infraschall glauben, dann werden Sie auch krank davon. Sobald sich jemand in der Familie Sorgen macht, können auch Sie nicht gut schlafen. Da kann es zu stressbedingten Krankheitssymptomen kommen.“

Zudem gab Finke Tipps, wie Bürger gegen die Windkraft vorgehen können: „Es lohnt sich zum Beispiel die Abstände der Häuser zu den Anlagen noch einmal zu vermessen. Nicht jedes Haus ist immer erfasst.“ Auch die Tierwelt kann näher dokumentiert werden, denn sie kann durch die Anlagen immens beeinflusst werden. So sterben Vögel durch die Druckunterschiede in der Luft, wenn sie in die Nähe der Rotorblätter kommen und werden aus ihren Brut- und Jagdrevieren verdrängt.

Doch abseits der direkten Beeinflussung von Mensch und Natur strebt die Region an, sich im Bereich des sanften Tourismus zu etablieren. Da sind Windkraftanlagen nicht gern gesehen: Es habe bereits Anrufe von Touristen gegeben, die in der Region Urlaub machen wollten und deren erste Frage war: „Haben Sie Windräder in der Nähe? Dann kommen wir nicht“, berichtet eine Bürgerin.

Die Gemeinde Krembz will gegen weitere Windkraftanlagen kämpfen: Deshalb treffen sich die Gemeindevertreter am Montag, 1. Juni um 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Stöllnitz, um eine Stellungnahme vorzubereiten. Bis dahin ruft Bürgermeister Werner Guschewski die Einwohner auf, Ideen zu entwickeln und sich zu engagieren, um weitere Anlagen zu verhindern.

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