zur Navigation springen
Gadebusch-Rehnaer Zeitung

19. November 2017 | 13:38 Uhr

Windpark Badow : Krembz bleibt hart am Wind

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Ausbau Windpark Badow mit zwei Anlangen auf Krembzer Gebiet steht bevor / Neue Eignungsfläche im Besitz der Kirche

von
erstellt am 18.Mai.2015 | 21:00 Uhr

Der Wind bläst kräftig aus Südost und treibt 13 von einst 15 geplanten Windkraftanlagen zwischen Badow und dem Ort Krembz an. „Zwei Windräder fehlen, deren Aufbau lehnt die Gemeinde Krembz entschieden ab“, sagt Bürgermeister Werner Guschewski.

Seit Monaten kämpft er mit Kommunalvertretern gegen die Vollendung des Windparks bei Badow, diskutiert wöchentlich mit Planungsbüros, Investoren. Deren Argumente reichen nicht. Das Hoheitsgebiet der Gemeinde Krembz bleibt vorerst für die Aufbauteams tabu. „Wir genehmigen auf unserem Territorium keine Zufahrt, die Erschließung und den Anschluss von Stromleitungen“, sagt Guschewski. Eine Haltung, die Krembz vorübergehenden Erfolg bescherte. „Aufbauteams und Technik sind abgezogen“, erzählt der Bürgermeister. Gegen die Baugenehmigung kann allerdings auch die Kommune nichts erwirken, lediglich, wie geschehen, ihr Territorium vorrübergehend sperren. Darüber hinaus wurde ein Vertrag zum gemeindlichen Einvernehmen vom Bürgermeister nicht unterzeichnet.

„Das Staatliche Amt für Umwelt und Natur hat daraufhin die Genehmigung als übergeordnete Behörde erteilt“, so das Amt in Gadebusch auf SVZ-Anfrage. Krembz stellvertretender Bürgermeister Günter Rickert fügt hinzu: „Ein Klageverfahren wäre nicht von Erfolg gekrönt. Somit wird die Gemeinde das Wegerecht gegen Zahlung einer Entschädigung erteilen. Die Verträge befinden sich in der Prüfung.“ Unterm Strich handelt es sich nach SVZ-Informationen dabei um eine fünfstellige Summe, damit das letzte Windrad auf Krembzer Territorium errichtet werden kann.

Beim gestrigen Blick auf die sich drehenden Windriesen kocht bei Guschewski die Wut dennoch hoch. „Wir stehen am Ortseingang, drei Kilometer entfernt vom Windpark. So wie von hier, sind diese Windräder von überall zu sehen. Hinzu kommen der Lärm und die permanent blinkenden Warnleuchten über die Nachtstunden hinweg“, moniert er.

Der Wusch von Krembz, die Lichter nur bei nahenden Flugzeugen über Funk einzuschalten, sei vom Windparkeigner abgelehnt worden. Für den lang gedienten Gemeindechef unverständlich - je Anlage erhalten Grundstückseigentümer mindestens 20 000 Euro.

„Ohne Jalousie kannst du nicht mehr am Abend entspannt im Bett liegen“, so der Bürgermeister. Er habe nichts gegen erneuerbare Energien, aber Windräder in einer Höhe von 200 Metern und über den Strombedarf hinaus geplant und errichtet, brauche man nicht. „Wir zahlen in MV die teuersten Strompreise und in Bayern und Hessen wollen sie nicht einmal die Stromtrassen für den bei uns produzierten Windstrom bauen. Das passt nicht.“ Guschewskis Stimme wird fester: „2016 sind Wahlen. Dieser Landesregierung muss der Garaus gemacht werden.“

Allein die jüngsten Planungen über mögliche Windeignungsgebiete (wir berichteten) bestärken Krembz in der Kritik. Nach Überlegungen des Regionalen Planungsverbandes Westmecklenburg könnten auf der Linie Groß Welzin-Krembz drei weitere Windparks entstehen. Einer davon bei Stöllnitz, in direkter Lage zum Biosphärenreservat Schaalsee. Ein Ort, wo touristische Entwicklung und der Ausbau von Windeignungsgebieten für Krembz nicht vereinbar sind. Hinzu kommt, dass es sich um Flächen der evangelischen Kirchgemeinden Sistorf und Kirchdorf (beide Hamburg) handeln soll. Ein Eignungsraum, der erneut nur über Krembzer Territorium erreichbar wäre. Folglich wünscht sich Guschewski, dass die Kirchgemeinden als Landeigentümer im Sinne der in und um Krembz lebenden Menschen sich leiten lassen. Vertreter der Kirche waren gestern telefonisch nicht erreichbar.

Zum Stand der Planungen über Windeignungsgebiete im Territorium informieren heute das Amt Gadebusch und die Fraktion Die Linke im Gadebuscher Rathaus (18 Uhr) sowie am morgigen Mittwoch, 19 Uhr, kommunale Vertreter im Dorfgemeinschaftshaus Stöllnitz.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen