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Wismarer gegen rechten Aufmarsch : Kreisstadt wehrt sich gegen Nazis

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Etwa 600 Menschen haben am Samstag in Wismar gegen einen rechten Aufmarsch demonstriert. Die von demokratischen Parteien und linken Gruppen organisierte Demonstration verlief weitgehend ohne Zwischenfälle.

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erstellt am 21.Okt.2012 | 07:46 Uhr

Wismar | Rund 800 Demonstranten gegen Rechts waren am Sonnabend in Wismar der Gegenpol zu einer Demonstration der rechtsextremen "Jungen Nationaldemokraten". Dort sollen unterschiedlichen Angaben zufolge zwischen 120 und 275 Neonazis durch Wismar marschiert sein. Rund 600 Polizeibeamte der Bundes- und Landespolizei sperrten Teile der Stadt ab und versuchten, gewaltsame Übergriffe zu verhindern.

Den Aktiven der "Antifa" und den friedlichen Demonstranten gelang es dabei, die Route der Rechtsextremen erheblich zu stören und zu verkürzen. Den fremdenfeindlichen Parolen der Rechtsextremisten wurden Zwischenrufe und Gesang entgegen gesetzt. Zeitgleich feierten Parteien und Verbände der Stadt und des Landkreises zusammen mit den Menschen vor Ort ein friedliches Demokratiefest auf dem Wismarer Weidendammplatz mit Infoständen und Bühnenprogramm.

Nach Polizeiangaben hatten sich gut 100 Aktivisten der "Antifa" von der friedlichen Demonstration abgesetzt. "Ziel dieser Gruppierung war es, eine Konfrontation mit dem Aufzug der ,JN’ herbeizuführen", so die Information seitens der Polizei. Bei den folgenden Auseinandersetzungen wurden nach Polizeiangaben zwei Personen des linken Spektrums und eine Polizeibeamtin verletzt. Im Rahmen des Einsatzes kam es in 127 Fällen zu freiheitsbeschränkenden Maßnahmen, zwei Personen wurden vorläufig festgenommen und Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung eingeleitet.

"Keine Stadt in Deutschland hat es verdient, Aufmarschort für die Rechten zu sein", sagte Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) auf der Bühne beim Demokratiefest. Lauter meinte er: "Wismar und auch unsere Region sind nicht rechts’. Es gibt keine einzige Begründung, eine rechtsextreme Haltung einzunehmen und den Neonazis zu applaudieren." Beyer weiter: "Mit vermeintlich einfachen Lösungen, mit der Ideologie vom starken Führer, mit Ausländerfeindlichkeit, mit Rassismus, kann nicht ein Problem unserer modernen Welt gelöst werden."

Pastor Thomas Cremer betonte: "Den Nazis ist auf ihre Parole zu sagen: Wir wollen hier leben. Wir wollen es in Frieden und Freiheit tun. Unsere Heimat soll ein Land sein, in dem auch Minderheiten und Schwächere ohne Angst leben können." Auch ohne Angst davor, auf eine Demo gegen Rechts zu gehen und so öffentlich ihr Gesicht gegen Neonazis zu zeigen.

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