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Bürogebäude neben dem Gadebuscher Polizeirevier : Kreis will Volkshochschule verkaufen

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Nach einer jahrelangen Debatte um die Zukunft des Gadebuscher Volkshochschul-Standortes schafft der Landkreis weitere Fakten. Im "Nordwest-Blick" bietet der Kreis ein Bürogebäude in Gadebusch zum Verkauf an.

svz.de von
erstellt am 09.Okt.2012 | 07:47 Uhr

Gadebusch | Nach einer jahrelangen Debatte um die Zukunft des Gadebuscher Volkshochschul-Standortes schafft der Landkreis Nordwestmecklenburg weitere Fakten. In seinem amtlichen Mitteilungsblatt "Nordwest-Blick" bietet der Kreis ein Bürogebäude in Gadebusch zum Verkauf an. Bei dem Objekt handelt es sich um nichts anderes als das 580 Quadratmeter große Volkshochschul-Gebäude. Es hat einen Verkehrswert von 200 000 Euro, wie aus einem Gutachten hervorgeht. Es wurde am 20. Januar dieses Jahres erstellt.

Das Objekt inklusive des 1037 Quadratmeter großen Grundstücks soll nach Möglichkeit meistbietend verkauft werden. "Die Angebotsabgabe mit aussagefähigem Nutzungskonzept endet am 10. Dezember 2012", heißt es im Nordwest-Blick.

Gadebuscher Stadtvertreter fürchten, dass mit dem Verkauf der kreiseigenen Immobilie das Ende der Volkshochschul-Ära Gadebusch eingeläutet werde. Einst hatte die VHS hier ihren Hauptsitz, dann wurde sie zur Arbeitsstelle herabgestuft. Zuletzt sollten hauptamtliche Mitarbeiter nach Grevesmühlen abgezogen werden.

Gadebuscher Stadtvertreter wie Frank Speck fürchten, dass es nach dem Immobilien-Verkauf und einem geplanten Umzug der Volkshochschule ins Gymnasium zu Einschnitten beim Service für Volkshochschüler kommen könnte. Andere Kommunalpolitiker warnen vor einer weiteren Kürzung von materiellen und personellen Ressourcen.

Aus Sicht von Gadebuschs stellvertretenden Bürgermeister Wolfgang Joop wäre der Verkauf des Volkshochschul-Gebäudes ein Verlust. Denn das bis heute genutzte Haus verfüge über eine Reihe von Fachräumen, die spezielle Angebote ermöglichten. "Diese werden am neuen Standort nicht ohne Weiteres zu bekommen sein", so Joop.

In seiner Kritik geht Joop, einst Leiter der Kreisvolkshochschule, auch einen Schritt weiter. Er moniert: "Man kann schlecht glaubwürdig sein, wenn man Weiterbildung und das lebenslange Lernen propagiert und gleichzeitig Bildungsmöglichkeiten einschränkt."

Kerstin Weiss vom Landkreis Nordwestmecklenburg stellte gestern auf SVZ-Anfrage klar: "Die Arbeitsstelle der Kreisvolkshochschule in Gadebusch ist sicher. Die Angebote werden ent sprechend der Nachfrage auch in Zukunft unterbreitet. Einschnitte sind nicht geplant." Nach ihren Angaben sollen zudem auch künftig Bildungsberatungen in Gadebusch angeboten werden. Weiss verspricht sich von dem Umzug ins Gymnasium eine effektivere Nutzung der Landkreis-Immobilien und eine optimale Auslastung. Spätestens Anfang 2013 solle der Umzug abgeschlossen sein.

Dass der Gadebuscher Volkshochschul-Standort an der Fritz-Reuter-Straße vom Landkreis Nordwestmecklenburg aufgegeben werden könnte, befürchteten Kommunalpolitiker bereits 2011. Damals brachte die Fraktion Bürgergemeinschaft Gadebusch (BGG) einen Antrag in die Stadtvertretung ein. Sie beauftragte Bürgermeister Ulrich Howest (SPD), sich auf Kreisebene für den Erhalt der Arbeitsstelle der Kreisvolkshochschule bezüglich ihrer inhaltlichen Breite einzusetzen. Das beinhaltete auch die hinreichende materielle und personelle Absicherung der Arbeitsstelle vor Ort.

Howest sowohl weitere Kreistagsmitglieder scheiterten wenig später mit ihrem Engagement im Kreistag. Die Mehrheit der Kreistagsmitglieder plädierte dafür, Gadebusch künftig als reine Unterrichtsstelle zu führen. Luise Krüger von der Fraktion Die Linke sprach von einem "stillen Abgesang" für Gadebusch, das einst Kreisstadt gewesen ist und auch über ein Amtsgericht verfügte.

Gadebuschs Bürgermeister Howest warnte gestern vor weiteren Einschnitten, wie das Streichen der Volkshochschul-Standorte Schönberg, Poel oder Gadebusch. "Das würde zu erheb lichen Widerständen führen, das weiß auch der Landkreis", sagte Howest.

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