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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

12. Dezember 2017 | 11:32 Uhr

Nordwestmecklenburg : Kreis will mehr Wirtschaft

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Pläne zur Landesentwicklung stoßen auf Kritik. Verwaltung fürchtet massive Einschnitte für Kommunen

von
erstellt am 22.Sep.2014 | 23:29 Uhr

Mehr Landwirtschaft, weniger Industrie – so in etwa sieht die bisherige Entwurfsplanung für das Landesraumentwicklungsprogramm MV für den Landkreis Nordwestmecklenburg zwischen der Insel Poel und dem Schaalsee aus. Ein Leitfaden, den der Nordwestkreis so im Detail nicht hinnehmen will. Klare Aussagen wird der Kreistag am morgigen Mittwoch treffen und eine Stellungnahme des Nordwestkreises verabschieden. Diese muss nach Ansicht der Verwaltung in die Entscheidungsfindung beim Land mit einfließen. Landrätin Kerstin Weiss und Mathias Diederich, Leiter Stabsstelle Wirtschaft- und Regionalentwicklung, stellten gestern wichtige Argumente für eine Überarbeitung vor. „Die Planungen stehen im Widerspruch zur Praxis“, sagt Weiss. Unter anderem sieht die Landesplanungen eine stärkere Ausweisung landwirtschaftlicher Flächen im touristisch geprägten Ostseeraum vor. Mathias Diederich betont: „In Vorranggebieten sind andere Planungen kaum möglich.“ 90 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen des Landes befinden sich laut Planung im Nordwesten. Das führt nach Ansicht der Verwaltung zu massiven Einschnitten bei der Entwicklung von Siedlungsgebieten in den Kommunen – insbesondere Boltenhagen, Wohlenberger Wiek und Insel Poel. Eine ausschließliche Ausweisung von „Vorranggebieten Landwirtschaft würde die Weiterentwicklung in einer der stärksten wirtschaftlichen Regionen des Landes, das Wachstum erheblich einschränken“, heißt es im Beschlussentwurf für den Kreistag.

Jörg Haase, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, sieht die Entwurfsplanung als Chance: „Über die Kriterien zur Bewertung der Flächen gibt es sicherlich unterschiedliche Auffassungen. Fest steht, dass wir im Nordwesten die ertragreichsten Böden vorfinden. Des Weiteren verlieren wir täglich an die acht Hektar Boden im Land.“ Er plädiert für Korridore zur wirtschaftlichen Entfaltung an den Autobahnen. Ebenso müssten Gemeinden im unmittelbaren Raum Platz zum Entfalten behalten. „Problematisch erscheint mir die Ausweisung von Vorranggebieten für Trinkwasser“, so Haase. Sowohl Gadebusch als auch Rehna verfügen über besondere unterirdische Ressourcen, die in der Landesplanung einen Sonderstatus erhalten. Das hat laut Haase möglicherweise Auswirkungen auf die konventionelle Landwirtschaft.

Die in der Entwurfsplanung schwach ausgeprägte touristische Entwicklung des Nordwesten sieht Haase nicht als Behinderung: „Landwirtschaft und Tourismus schließen sich nicht aus. Wir profitieren voneinander.“

Als Standort gefährdend sehen Verwaltung und der zuständige Ausschuss für Wirtschaft im Nordwesten die fehlenden Entwicklungsstrategien für Industrie und Mittelstand. Bereits besetzte Gewerbe- und Industriegebiete wie in Schönberg, Rehna, Grevesmühlen und Upahl sind nicht Bestandteil der Entwurfsplanung. Ob sich daraus Entscheidungen zur Förderpraxis des Landes ableiten lassen, kann Mathias Diederich nicht abschließend beurteilen. Allerdings erheben die Entwickler der Landesplanung den Anspruch, MV fit für eine Zukunft in Europa zu machen. Den bislang wirtschaftlich starken Nordwesten fehlt im Planungsentwurf dafür ein klares Bekenntnis.

Der Kreistag von Nordwestmecklenburg tagt am morgigen Mittwoch um 17 Uhr in der Malzfabrik Grevesmühlen.


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