zur Navigation springen

Hansestadt fordert Verlegung des kompletten Kreissitzes : Kreis erhält Seitenhieb aus Wismar

vom

Der SPD-Kreisverband Wismar fordert den kompletten Kreissitz für die Hansestadt ein und keine geteilte Verwaltung in Grevesmühlen und Wismar. So lautet die Forderung.

svz.de von
erstellt am 02.Mär.2012 | 10:02 Uhr

Grevesmühlen/Wismar | Der SPD-Kreisverband Wismar fordert den kompletten Kreissitz für die Hansestadt ein und keine geteilte Verwaltung in Grevesmühlen und Wismar. So lautet die Forderung von Wolfgang Rickert, der als Sprecher des SPD-Kreisvorstandes Wismar und der Bürgerschaftsfraktion jetzt den Landkreis Nordwestmecklenburg attackiert.

Er hält die im September mit der Kreisreform in Wismar installierten Außenstellen der Verwaltung und den vollen Weiterbetrieb der Malzfabrik Grevesmühlen als kein wirkliches Bekenntnis zur neuen Kreisstadt. Zirka 250 der 600 Mitarbeiter werden in Wismar ihren Dienst in angemieteten Büros versehen.

Als verpasste Chance wertet Rickert ebenso die Übergabe des neuen Kreiswappens mit hanseatischen Farben durch Innenminister Lorenz Caffier. Der fand anlässlich der Emblem-Präsentation den Weg nach Grevesmühlen, was aus Sicht des SPD-Kreisverbandes Wismar eher als Zuspruch für den Standort im Binnenland gewertet wird.

Kreistagspräsident Christin Albeck (SPD) bezeichnete die Äußerungen Rickerts gestern als "unsachlich". Derartige Forderungen wirken auf das Umland der Hansestadt befremdlich. Albeck: "Wir vertreten auch die Interessen der 120 000 Bürger im Landkreis." Man habe in der Vergangenheit Grevesmühlen trotz Kreissitz nicht hofiert und wie alle Kommunen im Nordwesten behandelt. Das gelte ebenso für Wismar. "Darüber hinaus lässt uns der Haushalt keinen Spielraum für Großprojekte."

Landrätin Birgit Hesse (SPD) ist sich des gesetzlichen Auftrages, verwaltungsseitig Wismar als Kreissitz auszubauen bewusst. "Ich bitte aber zu berücksichtigen, dass ein ausgewogenes Verhältnis zwischen allen Interessenlagen notwendig ist. Hierzu gehört für mich eindeutig auch die Auslastung des Standortes der Malzfabrik in Grevesmühlen! Die jetzige Lösung ist aus meiner Sicht ein gelungener Kompromiss, der insbesondere die Kosten und die Funktionalität im Blick behält. Diesem fühle ich mich als von den Bürgerinnen und Bürgern des neuen Landkreises gewählte Landrätin verpflichtet und dieses werde ich auch mit Nachdruck vertreten um umsetzen." Es gehe darum, bestmöglichste Rahmenbedingungen für die Menschen zu schaffen und nicht um persönliche Befindlichkeiten. Priorität hätten andere Themenschwerpunkte. Birgit Hesse: "Wir haben viele Aufgaben wie zum Beispiel Haushalt, Umsetzung der Landkreisneuordnung, Beitritt zur Metropolregion Hamburg, Tourismuskonzeption, Übergang Schule/ Beruf vor uns, die unsere ganze Kraft und Aufmerksamkeit erfordern."

Rickerts Äußerungen dürften für Diskussionsbedarf in den Reihen des noch eigenständigen SPD-Kreisverbandes Wismar sorgen. Frank Junge, Fraktionsvorsitzender im Kreistag und Mitglied im Verband der SPD Wismar: "Ich finde, so geht das nicht! Selbst wenn man mit dem aktuellen Stand in den Sachfragen unzufrieden ist, kann man sich nicht über die Presse äußern ohne vorher den Dialog gesucht zu haben. Man klärt seine Meinungsverschiedenheiten in Familie auch zu Hause und nicht in der Öffentlichkeit. Ich gehe für mich davon aus, dass wir jetzt ganz schnell wieder zur gemeinsamen sachlichen Arbeit zurückkehren und auf dieser Ebene auch diese Fragen vernünftig klären werden."

Kreistagspräsident Christian Albeck äußerte gestern "Verständnis für Verlustängste" gegenüber Rickert, der bereits unter Altbürgermeisterin Rosemarie Wilcken der Stadtfraktion der Sozialdemokraten vorstand. Damals galt das Verhältnis zum Umlandkreis in puncto Zuständigkeiten als angespannt.

Davon ist heute keine Rede mehr. Im Frühjahr wollen die Kreisverbände der SPD Wismar und Nordwestmecklenburg fusionieren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen