Nordwestmecklenburg : Kreis droht Parkplatz-Posse

Unmittelbar hinter den Bahnschienen in der Rostocker Straße in Wismar soll ein Parkplatz für die Kreisverwaltung entstehen.
Unmittelbar hinter den Bahnschienen in der Rostocker Straße in Wismar soll ein Parkplatz für die Kreisverwaltung entstehen.

Kreistag kann sich zu keiner Entscheidung durchringen, welche Variante am Verwaltungssitz in Wismar gebaut werden soll

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06. November 2015, 18:30 Uhr

Es scheint eine unendliche Geschichte zu werden. Oder eine Posse. Je nach Sichtweise.

Eigentlich will der Landkreis an seinem Hauptsitz in Wismar einen Parkplatz bauen. Das Thema beschäftigt Verwaltung und Kreistag nun schon ein paar Monate. Und ein Ende – vorerst nicht absehbar. Der Kreistag sollte am Donnerstagabend entscheiden, welche Variante in der Rostocker Straße gebaut wird: günstig, mittelgünstig und richtig teuer.

Landrätin Kerstin Weiss brachte eine Beschlussvorlage ein, die vorsah, einen Parkplatz mit 97 Stellplätzen zu bauen. Das würde nach derzeitiger Schätzung 635 000 Euro kosten. Hinzu käme ein jährlicher Aufwand von 22 000 Euro.

Die Baugenehmigung für den Erweiterungsbau der Verwaltung schreibt vor, dass in Wismar ein Parkplatz mit mindestens 97 Stellplätzen gebaut werden muss. 19 davon sind für Besucher vorgesehen. Soweit die Theorie. Die Frage nun, ob das reicht oder nicht doch 175 Stellplätze benötigt werden, wurde lange diskutiert. Dafür müsste der Kreis immerhin stolze 1,1 Millionen Euro zahlen. Der jährliche Unterhaltungsaufwand wird für die Möglichkeit mit 40 000 Euro beziffert.

Der Bauausschuss hatte sich knapp für die teure Variante entschieden. Der Finanzausschuss schloss sich dem Votum ebenso knapp an. Beide äußerten die Befürchtungen, dass es irgendwann zu eng werden könnte auf dem Parkplatz und dann für viel Geld ausgebaut werden müsste.

Weit gekommen ist die Debatte im Kreistag allerdings nicht. Landrätin Weiss verwies auf eine Umfrage unter den Mitarbeitern in Wismar. „Wir haben sie gefragt, wie sie zur Arbeit kommen.“ Von den 176 Beschäftigen dort nutzen rund 140 das Auto. Ergo: 97 Parkplätze reichen, zwölf gibt es schon. Schließlich seien nicht alle Mitarbeiter jeden Tag im Büro: Urlaub, Krankheit, Termine sorgen für Fluktuation. „Wir halten das für ausreichend“, sagte Weiss.

Die CDU drückte auf die Kostenbremse. „Einen Parkplatz für 1,3 Millionen Euro bauen wir als Fraktion nicht“, sagt Thomas Grote. Die Linken monierten, dass die Landrätin nicht mehr die Sparvariante für eine halbe Million Euro verfolge. Dann sagte Fraktionsvorsitzender Björn Griese: „Wir plädieren für eine langfristige Lösung.“ Er beantragte, das Thema zurück in den Bauausschuss zu verweisen. Also dorthin, wo Anfang Oktober der Entschluss fiel mehr als eine Million Euro für den Parkplatz ausgeben zu wollen. Zudem soll Landrätin Weiss ein neues Konzept vorlegen, damit die Kreistags-Mitglieder besser entscheiden können. Welche Infos sie dazu benötigen, ist am Donnerstagabend nicht ganz klar geworden.

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