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Gadebusch-Rehnaer Zeitung

19. November 2017 | 00:38 Uhr

Krankheit bedroht Bienenvölker

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erstellt am 17.Aug.2012 | 06:59 Uhr

Rosenow/ Rehna | Die Amerikanische Faulbrut, eine Bienenseuche, kommt nahezu unbemerkt - und kann im schlimmsten Fall ganze Völker der gestreiften Insekten auslöschen und Imker an den Rand ihrer Existenz bringen.

"Die Angst davor ist groß, ganz fürchterlich", sagt Alwin Leistikow vom Imkerverein Gadebusch und Umgebung - insbesondere, nachdem der Landkreis jetzt per tierseuchenrechtlicher Allgemeinverfügung die Gemeinden Dassow und Kalkhorst zum Sperrbezirk erklärt hat. Hier war es zum Ausbruch der Seuche gekommen. "Ich habe mit meinen Kollegen vom Imkerverein gesprochen und es deutet nichts darauf hin, dass wir die Amerikanische Faulbrut auch kriegen oder haben", kann er für den Bereich Gadebusch Entwarnung geben. Dennoch: "Ich bedaure alle Imker, die betroffen sind zutiefst, denn ein Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut ist ein Problem, bei dem man manchmal kaum weiß, wie man es in den Griff bekommen soll. Es sind in jedem Fall erhebliche Anstrengungen nötig, die denen eines Neuanfangs gleichkommen." Denn die meldepflichtige, hoch an steckende Amerikanische Faulbrut befällt die ältere Bienenbrut in der mit einem Wachsdeckel verschlossenen Brutzelle. Im Verlauf der Erkrankung löst sich die gesamte Körperstruktur der Larven auf - übrig bleibt eine zähe braune schleimige Substanz.

Für den Menschen und andere Lebewesen besteht dabei keine Gefahr, aber "hat man die Seuche in der Brut, müssen die gesamten Nachkommen vernichtet werden", verdeutlicht Imker Leistikow. Zwar gebe es heute - im Gegensatz zu früher - durch Ablegerbildung und andere Maßnahmen die Möglichkeit, die Völker zu sanieren, indem der Stamm mit einer neuen Königin, neuen Materialien und neuen Bienenkästen neu aufgebaut wird. "Für den einzelnen Imker bedeutet ein Befall aber immer einen herben Verlust." Und einen, vor dem man sich nahezu nicht schützen kann: "Es gibt keinen Schutz, keine Medikamente, nichts", so Leistikow. "Das Einzige was man tun kann, ist eine eiserne Hygiene einzuhalten, nur mit sauberen Geräten zu arbeiten und nicht zu viele Fremde auf den eigenen Bienenstand zu lassen", verdeutlicht der Imker aus Rosenow, der seit 20 Jahren eigene Bienen hat und mit dieser Strategie bisher gut gefahren sei.

Eine Garantie ist das trotzdem nicht: Die Erreger werden durch den Wind verteilt und von den erwachsenen Tieren, die sie sich bei der Begegnung mit anderen Bienen oder auf Pflanzen eingefangen haben, in den Stand getragen. Ein Parasitenbefall, beispielsweise durch die mit Medikamenten einzudämmende Varroamilbe, führe zu einer Schwächung der Völker und begünstige den Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut. "Das ist ein Teufelskreis. Deshalb ist es umso wichtiger, dass auch der Milbenbefall an der erwachsenen Biene und der Brut kontinuierlich und insbesondere auch in der brutfreien Zeit bekämpft wird, indem die Tiere die Medikamente zu verschiedenen Zeitpunkten verabreicht kommen." Hinzu kommt weiteres, menschengemachtes Gefahrenpotential: Es gebe, ärgert sich Alwin Leistikow, zu viele "Schwarzimker", die nirgendwo registriert seien. "Sie sind in keinem Verein oder Verband gemeldet und auch dem Veterinäramt damit nicht bekannt." In solchen Fällen bestehe die Gefahr, dass die Amerikanische Faulbrut ausbreche, in manchen Fällen nicht erkannt, in anderen absichtlich nicht gemeldet und weitere Bienen anderer Imker infiziert würden. "Wer nicht geschult ist, was durch die Vereine und Verbände ebenfalls vorgenommen wird, der kann die Seuche auch nicht feststellen", ist Leistikow überzeugt. Zudem, sagt Günter Riedel, Vorsitzender des Imkervereins Rehna, befürchte er, dass es immer wieder Fälle gebe, in denen betroffene Imker Bienen und Materialien schlichtweg vernichteten, ohne, wie vorgeschrieben, dem Veterinäramt den Ausbruch mitzuteilen.

"Die Angst ist immer da", sagt auch Günter Riedel, und werde größer, je näher man selbst an den betroffenen Bezirken liege. "Umso hellhöriger wird man natürlich und hofft einfach nur, dass man nicht betroffen ist." Doch auch Riedel kann Entwarnung geben: Von den 18 Imkern, die in seinem Verein gemeldet sind, sei keiner von der Amerikanischen Faulbrut betroffen. Doch auch er bedauert die betroffenen Imkerkollegen in Dassow und Kalkhorst - insbesondere, da auch er genau weiß, welche Auflagen mit der Verhängung eines Sperrbezirkes verbunden sind, die der Landkreis jetzt schriftlich zusammengefasst hat: Bienenvölker, lebende oder tote Bienen, Waben Wabenteile, Waben abfälle, Wachs, Futtervorräte, Bienenwohnungen und benutzte Gerätschaften dürfen nicht aus dem Sperrbezirk bewegt werden, bewegliche Bienenstände müssen an ihrem derzeitigen Standort bleiben. Bienenvölker oder Bienen dürfen nicht in den Sperrbezirk gebracht werden, außerdem sind alle Bienenvölker amtstierärztlich untersuchen zu lassen. Es sei selbstverständlich die Sache des Staates, wie er seine Gesetze mache. "Aber ich weiß aus anderen Ländern, dass es dort Vorschrift ist, dass die Imker in Verbänden organisiert sein müssen, dass sie auf bestimmte Bienenrassen festgelegt sind und diese regelmäßig tierärztlich untersucht werden müssen. Das ist eine gute Sache, scheint hier jedoch nicht gewollt zu sein."

Und auch Alwin Leistikow findet, dass es immer schwieriger wird. "Früher wurde mehr für Bienen getan", sagt der Imker, dessen Vater bereits Bienen hatte. "Insbesondere die Forschung und die Chemie-Industrie beschäftigen sich heute viel zu wenig mit Bienenkrankheiten." Viel zu oft werde zudem vergessen, dass die Bienen eben nicht nur Honig produzierten. "Ihre Bestäubungsleistung ist von anderen Wildinsekten nicht zu erfüllen. Und das hat direkte Auswirkungen auf die Blüte und die Vielfalt der Pflanzenwelt."

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