Wie provokant darf Kunst sein? : Krach ums Hakenkreuz

Fleischwolf des Anstoßes: Diese Installation mit zerkleinertem Hakenkreuz zeigt Armin Junghardt in Utecht.
Fleischwolf des Anstoßes: Diese Installation mit zerkleinertem Hakenkreuz zeigt Armin Junghardt in Utecht.

Das Amt Lauenburgische Seen möchte zwei Kunstwerke in Utecht entfernen

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11. August 2015, 06:30 Uhr

Wie provokant darf Kunst sein? Diese Frage müssen sie sich in Utecht (Nordwestmecklenburg) in diesen Tagen stellen.

Die Gemeinde am Ostufer des Ratzeburger Sees nimmt zum ersten Mal an der Aktion „Dörfer zeigen Kunst“ teil. Gezeigt werden neben Drucken, Malereien und Gedichten auch Installationen, die eine politische Botschaft transportieren und damit provozieren. Zu sehen sind unter anderem ein Hakenkreuz, das durch einen Fleischwolf gedreht wird und ein weiteres auf einem Schild, das auf einem Friedhof steht.

Offenbar zu viel Provokation für einen Besucher in Utecht. Denn gestern flatterte dem Amt Lauenburgische Seen als Veranstalter der Kunstaktion deswegen eine Beschwerde ins Haus. Nun sollen die Installationen des Campowers Armin Junghardt nach Willen des Amtes verschwinden.

Was sonst passiert? Dazu will man sich in Ratzeburg nicht äußern. Wohl aber warum man darum bittet. „Das ist eine Gemeinschaftsausstellung“, sagt Sabine Raben-Johns als Organisatorin. „Dabei gibt es bestimmte Symbole, die nicht Teil der Ausstellung sein sollen.“ Wie eben die Hakenkreuze. Die Bitte, diese zu entfernen, sei wertfrei, betont Sabine Raben-Johns. Kunst habe das Recht zu provozieren. Aber man wolle verhindern, dass etwas Negatives entstehe. Bei der Amtsverwaltung gibt es offenbar die Befürchtung, ungewollten Besuch zu bekommen.

Das Zeigen des Hakenkreuzes ist in Deutschland streng verboten. „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ heißt der Paragraf 86a im Strafgesetzbuch. Darauf stehen bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe. Außer: Es ist zu erkennen, dass das Hakenkreuz verfremdet ist. Eine „offenkundig und eindeutig“ Distanzierung zum Nationalsozialismus, so wie in Utecht, ist straffrei, hat der Bundesgerichtshof im Jahr 2007 geurteilt.

In Utecht werden derweil Pläne geschmiedet, wie das Dilemma zu lösen ist. Verschwinden sollen die Installationen aus dem Dorfgemeinschaftshaus möglichst nicht, sagt Organisatorin Claudia Ellmann-Lorenz. „Darüber wären wir sehr traurig.“ Sie will der Bitte des Amtes zwar nachkommen, die Kunstobjekte aber erhalten. „Wir werden dafür sorgen, dass die Symbole nicht mehr sichtbar sind.“ Ohne Junghardt aber sei die Ausstellung nur halb so interessant.

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