dörfer zeigen kunst : Krach ums Hakenkreuz beendet

Jetzt bekennt sich auch der Veranstalter zur Kunst aus Utecht.
1 von 3

Jetzt bekennt sich auch der Veranstalter zur Kunst aus Utecht.

Amt Lauenburgische Seen lenkt ein: Objekte von Armin Blom genannt Junghardt dürfen bleiben. Der Künstler ist nach der Debatte irritiert

23-11367724_23-66109651_1416395531.JPG von
14. August 2015, 21:00 Uhr

Kunst nach Vorschrift? „Nein“, sagt nach eingehender Beratung jetzt auch das Amt Lauenburgische Seen in Ratzeburg und revidiert das Ergebnis eines wenige Stunden zuvor geführten Krisengespräches in Utecht. Danach darf das durch einen Fleischwolf gedrehte Hakenkreuz weiterhin als Kunstaktion gezeigt werden.

Stunden zuvor stand die Utechter Kulturwelt noch Kopf. Nach einer Beratung um 9 Uhr vor Ort kam die Festlegung zum Rückbau der Exponate. Gegen 13.30 Uhr erfolgt ein Kurswechsel: „Alle unterschiedlichen Standpunkte wurden ausgetauscht. Die Kunstwerke können stehen bleiben“, sagt Werner Rütz, Leitender Verwaltungsbeamter im Namen seines Amtsvorstehers Heinz Dohrendorff gegenüber der SVZ.

Das Amt Lauenburgische Seen ist Veranstalter der Reihe „Dörfer zeigen Kunst“ an der sich die Gemeinde Utecht und Künstler aus der Kommune beteiligen.

Die Werke von Armin Blom genannt Junghardt zum Thema Nationalsozialismus und Krieg sorgten aus lauenburgischer Sicht für Aufregung (wir berichteten). Die Kunstobjekte erinnern 70 Jahre nach Kriegsende an die Gräueltaten des Nationalsozialismus, der Tod und Zerstörung brachte.

Als Künstler Blom genannt Junghardt von der SVZ mit der neuen Aussage konfrontiert wird, mag er die Entscheidung gar nicht recht glauben: „Ich bin überrascht. Solch eine Wandlung. Das kann ich noch gar nicht glauben.“ Bislang habe sich der Veranstalter bei ihm persönlich nicht gemeldet.

Nicht weniger irritiert gibt sich Claudia Ellmann Lorenz, die in Utecht die Fäden der Organisation in den Händen hält: „Unglaublich. Wir haben vor wenigen Minute noch beraten, Hilfe zum Abbau angeboten.“ Sie hoffe, dass der Veranstalter sie noch erreiche. Utecht selbst wäre keinem Diktat gefolgt, hätte ruhig, angemessen und vor allem kreativ auf die Weisung des Veranstalters reagiert. Aber nun müsse man schauen.

Unerklärlich findet es Bürgermeister Andreas Spiewack, dass angesichts der positiven Resonanz auf die Ausstellung - zirka 150 Gäste besuchten diese bislang in Utecht - eine einzige Stimme zu solch einer Reaktion führt.

Nach dem Krisengespräch bedauerte Spiewack das Ergebnis und die Forderung des Veranstalters nach Herausnahme der Exponate. Nicht ausgeschlossen schien zu diesem Zeitpunkt, dass alle Künstler in Form eines stillen Protestes ihre Werke zurückziehen. Der Bürgermeister macht aber deutlich: „Wir stehen als Gemeinde voll hinter der Entscheidung unserer Künstler.“ Anschaulicher als in den gezeigten Objekten könne man die Geschichte kaum aufarbeiten. Spiewack weiter: „Diese Exponate können in jeder Schule stehen, sie spiegeln die Geschichte anschaulich wieder.“

Das Amt Lauenburgische Seen berief sich anfangs auf die eigene Richtlinie zur inhaltlichen Ausgestaltung der Kunstreihe. Darin soll die Verarbeitung von Nazisymbolen in Kunstwerken als nicht akzeptabel eingestuft worden sein. Gegenüber der SVZ sagt Claudia Ellmann-Lorenz: „Diese Regeln wurden nirgends aufgeschrieben.“

Der Leitende Verwaltungsbeamte Werner Rütz geht von einer Nachbetrachtung der Kunstaktion aus. Ob den Künstlern der notwendige und vor allem kreative Freiraum gelassen wird, bleibt abzuwarten.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen