Wismar : Konservierung in 26 Metern Höhe

Werner Augustat (75) und Klaus Podlech (r., 67)  beim Abziehen des hölzernen Mastes. Aufwendige Handarbeit gehört ebenso zur maritimen Traditionspflege, wie der Segelspaß selbst.
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Werner Augustat (75) und Klaus Podlech (r., 67) beim Abziehen des hölzernen Mastes. Aufwendige Handarbeit gehört ebenso zur maritimen Traditionspflege, wie der Segelspaß selbst.

Atalanta-Aktivisten nutzen das milde Wetter zur Saisonstart-Vorbereitung

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08. März 2015, 09:00 Uhr

Etagenweise werkelnde Männer im Mast. Ein eher seltener Anblick, der sich an Bord von Wismars ältestem Traditionssegler „Atalanta“ im Westhafen bietet. Dank der Unterstützung von Gerüstbau-Spezialisten war dies möglich. Denn die rüsteten den Großmast bis fast zur Mastspitze in etwa 26 Meter Höhe ein und ummantelten ihn aus Gerüstgestänge und Laufbrettern mit Arbeitsstellagen, wie ein umschließendes Korsett. Damit kann der Mast an jeder Stelle von unten bis oben entsprechend bearbeitet werden. Und das taten jetzt etliche Fördervereinsmitglieder. „Die alte Konservierung muss runter, bevor ein neuer Oberflächenschutz erfolgt“, erklärt Klaus Podlech.

Abziehen des Anstriches heißt dies im Fachjargon. Für den Außenstehenden scheint das frische Holz darunter noch in einem recht guten Zustand. „Das mag hier im unteren Mastbereich so sein, doch weiter oben sind beim genauen Hinschauen verschiedene schwarze Stellen zu entdecken“, relativiert der „Atalanta“-Bootsmann im Ehrenamt, wie alle anderen vom aktiven Besatzungsstamm. Genau dort ist Wasser ins Holz eingedrungen und genau dort kommt es zum Fäulnisprozess. Dem ist mit viel manueller Handarbeit entgegenzuwirken. Heißt im Klartext: Den kompletten Mast bearbeiten und anschließend mit neuem Oberflächenschutz behandeln. Dass allerdings benötigt noch wärmeres Wetter. „Unter zehn Grad Celsius sollte da nicht begonnen werden“, so die weitere Information des 67-jährigen einstigen Fahrensmannes. Der war übrigens bis zu seinem Ruhestand in der aktiven Seefahrt ein „echter“ Bootsmann.

Die Vorbereitungen zum neuen Saisonstart laufen bereits seit Anfang Januar. Wer kann, der kommt, so hat es sich seit Jahr und Tag mittwochs und sonnabends bei den „Atalanta“-Traditionspfleger eingebürgert. Mit Erfolg, denn mit den Winterarbeiten am stehenden und laufenden Gut sind die „Atalanta“- Freunde in der Halle bereits fertig. Natürlich ist am Schiff selbst noch etliches zu tun. Allein das viele Holz als allgegenwärtig bestimmendes Material bedarf ständiger Pflege, ein stets wieder kehrender Kreislauf zwischen Wartung und manchmal auch Ausbessern. Deshalb bedeutet jeder Einsatztag auf See, sich mindestens die gleiche Zeit dem Erhalt des betagten Schiffes zu widmen. Schließlich bewegt sich der einstige Lotsenschoner inzwischen 114 Jahre auf eigenem Kiel. Deshalb ist es ebenso notwendig, neben der Wahrung maritimer Traditionen und erlebnispädagogischer Reisen mit Kindern und Jugendlichen auch finanzielle Zuwendungen über Gästetörns einzufahren.

Ziel der „Atalanta“-Freunde ist es, Wismars ältesten Traditionssegler am 11. April aufzutakeln und damit gleichzeitig den Start in die kommende Saison einzuleiten.  

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