Theater Wismar : Komödie mit dramatischen Zügen

„Wat den´ eenen sien Uul ...“ feierte jetzt in Wismar Premiere.
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„Wat den´ eenen sien Uul ...“ feierte jetzt in Wismar Premiere.

Gefeierte Premiere der Niederdeutschen Bühne Wismar e.V. mit „Wat den eenen sein Uul ...“. Tickets nur noch für 8. Oktober

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15. März 2016, 21:00 Uhr

Ein ungewöhnliches Stück für die Maaten der Niederdeutschen Bühne und ihr Publikum. „Wat den´ eenen sien Uul ...“ von Donald R. Wilde – und niederdeutsch von Meike Meiners – heißt das neue Stück unter der Regie von Christin Neichel. Was dem einen recht ist, muss dem anderen noch lange nicht billig sein.

Die Premierengäste im ausverkauften Wismarer Theater erlebten nicht die übliche Verwechslungskomödie mit den Schenkelklopfern, nicht das angenehm seichte Abendprogramm mit den Lachtränen. Sondern eine Komödie mit dramatischen Zügen und der Gefahr, dass viel zu viele im Publikum ähnliches selbst erlebt haben. Ein Experiment, das natürlich auch dank des „Platts“ und der hervorragenden schauspielerischen Leistung höchst unterhaltsam präsentiert wurde.

Aber von vorn. Dr. Paul Burdick – Burkhard Wolter als Arzt mitten in einer Sinnkrise – gestaltet seine Party zum 60. Geburtstag selbst und verlässt vor den Gästen die Ehefrau. Wegen einer 29-jährigen Krankenschwester. „Mien Vadder hett een Fründin, de jünger is as ick!“, kommentiert die Tochter Lisa Burdick. Elke Rohlfs spielt die starke Feministin, die gleichzeitig als Schlüsselfigur im Stück die Gesellschaftskritik formuliert. Während der Vater sein Verhalten vollkommen normal findet, bekommt die verlassene Mutter Gewissensbisse, als sie einen weit jüngeren Mann kennen lernt. Die Schenkelklopfer kommen trotzdem, vielleicht etwas leiser. Denn womit beschäftigen sich ein 60-Jähriger und eine 29-Jährige? Natürlich mit Sex. Und worüber sprechen sie danach? Über die Probleme dabei. Hört sich „up platt“ natürlich viel weniger platt an.

Marion Balbach spielt höchst intensiv diese verlassene Petra zwischen Wut und Trauer. Vera und Monika, ihre beiden Freundinnen, sorgen dafür, dass das Dramatische im Stück nicht Überhand nimmt. Marita Swars (Monika) und Astrid Kuß (Vera) lassen mit viel Situationskomik die Gäste und auch die Verlassene wieder herzhaft lachen.

Mit Stefan Junge, dem 38-jährigen Junggesellen als „Lebenselexier“, kann sie das in der Geschichte auch wieder. Uwe Laß erlebte als Stefan seine Bühnenpremiere, mit Perücke und ohne Brille verwandelte der 48-jährige Wismarer sich in den jüngeren Mann. Eigentlich wollte er nur als Inspizient bei der Niederdeutschen Bühne anfangen, bekam aber gleich eine der Hauptrollen aufgedrückt. „Zum Glück sieht man das Publikum nicht wirklich“, erzählte er nach der Premiere. Das lachte dank seiner Sprüche herzhaft. „Ick bin 38. Un wenn Se hier morgen Abend nich updüükern, denn warr ick naakicht vör Se ehr Hussdöör töb'n!“, drohte er der Petra vor dem ersten „Date“. Und dem zweiten. Denn die hat im Gegenteil zum Ex Gewissensbisse, geschürt durch die eigentlich emanzipierte Tochter. „Ick bün nich ganz bi kloek? Hest du vergäten, wo olt du büst? Du künnst sien Mudder sien!“

Und auch Paul, der Arzt mit seiner Krankenschwester, findet das gar nicht gut. „So een Konstellatschon hett keen Tokunft. Wat könnt ji all för gemeinsame Interessen hebb'n?“ Natürlich die gleichen wie er mit seiner Krankenschwester. Also doch eine echte Komödie mit vielen Lachern. Und dazu einem Ende, das einfach nur Mut macht.

Die nächste Vorstellung am kommenden Sonnabend ist ausverkauft, am 8. Oktober gibt es eine weitere Vorstellung in Wismar. Davor – am 10. September – wird Lisa Kuß mit „Denk di doch wat anners ut“ ihr 60. Bühnenjubiläum feiern.


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