zur Navigation springen

Vermieter gehen härter gegen Mietschuldner vor : Kommunen rechnen mit mehr Obdachlosen

vom

Im Amtsbereich Gadebusch drohen in diesem Jahr mehr Menschen obdachlos zu werden als 2012. Eine der Ursachen ist ein verschärftes Vorgehen von Vermietern, die Wohnungen im Falle von Mietschulden räumen lassen.

svz.de von
erstellt am 03.Apr.2013 | 06:39 Uhr

Gadebusch/Rehna | Im Amtsbereich Gadebusch drohen in diesem Jahr möglicherweise mehr Menschen obdachlos zu werden als 2012. Hatte es in der Vergangenheit durchschnittlich zehn derartige Fälle pro Jahr gegeben, so sind es in den ersten drei Monaten dieses Jahres bereits sieben. Das sagte gestern Andreas Lausen vom Amt Gadebusch.

Eine der Ursachen ist ein verschärftes Vorgehen von Vermietern, die Wohnungen im Falle von Mietschulden räumen lassen. "Es sind deutlich mehr Menschen geworden, die die Miete nicht mehr zahlen, weil sie diese nicht mehr automatisch an den Vermieter abtreten. Sie geben das Geld für andere Sachen aus und denken nicht mehr daran, dass ihre Mietschulden wachsen können", verdeutlicht Lausen. Darüber hinaus gebe es Menschen, die sich um nichts mehr kümmerten. "Viele von ihnen haben abgeschaltet, öffnen keine Briefe mehr", so Lausen.

Die Situation hat sich inzwischen derart verschärft, dass Lausen dem Amtsausschuss Vorschlagslösungen für die Unterbringung von obdachlosen Menschen unterbreitet. Eine Variante ist, dass zusätzliche Wohnungen angemietet werden. Eine weitere Option wäre ein Obdachlosenheim, das in erster Linie von den Kommunen finanziert würde. Der Haken dabei: Die Menschen, die dort rein gingen, wären "gebrandmarkt", deren Kinder müssten Hänseleien ertragen. Problematisch könnte es zudem werden, wenn alleinstehende Mütter mit Kinder und Alkoholiker zusammen unter dem Dach eines solchen Obdachlosenheimes leben müssten.

Lausen hofft, dass sich die Mitglieder des Amtsausschusses für eine schnelle und unbürokratische Lösung durchringen. "Es gibt zwar bereits Wohnungen, wir brauchen aber eine Reserve", macht Lausen klar.

Bis vor etwa einem Jahr konnte das Amt Gadebusch auf eine Kooperation mit der Stadt Schwerin setzen. Menschen ohne Obdach im Amtsbereich erhielten zum Teil dort eine Bleibe. Das Kontingent desung stehenden Platzangebotes in Schwerin ist allerdings nahezu halbiert worden.

Hilfsangebote hält auch das Amt Rehna für Menschen ihn Not vor. "Meistens kommen Leute zu uns, die aus ihrer Wohnung rausgeflogen sind", sagt Bernd Karnatz, Leiter des Haupt- und Ordnungsamtes. Nach seinen Angaben gibt es pro Jahr durchschnittlich vier bis fünf Fälle, in denen Menschen ihre Bleibe verloren haben. Mussten sie in den 1990er-Jahren bzw. Anfang der 2000er-Jahre noch in ein Obdachlosen-Container in Carlow, so gibt es nun einfache Wohnungen in Thandorf und Köchels torf. Sie sind mit einem Bett, einer Toilette und einer Waschmöglichkeit ausgestattet und können beheizt werden. Diese so genannten Schlichtwohnung sollen Menschen in Not ein würdiges Umfeld bieten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen