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Gadebuscher Wochenmarkt : "Kollektive Konsumverweigerung"

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Wer sich freiwillig mehrere Stunden dem nass-kalten Aprilwetter aussetzt, um auf dem Gadebuscher Wochenmarkt etwas zu verkaufen, muss ziemlich hart gesotten sein. Blumen- und Pflanzenhändler Klaus Bodien ist so jemand.

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erstellt am 11.Apr.2012 | 10:02 Uhr

Gadebusch | Ziemlich hart gesotten muss der Besucher des Gadebuscher Wochenmarktes sein, der sich an diesem verregneten Dienstagmorgen auf den Weg in die Lübsche Straße macht. Noch wetterresistenter muss aber wohl sein, wer sich freiwillig mehrere Stunden dem nass-kalten Aprilwetter aussetzt, um hier etwas zu verkaufen. Blumen- und Pflanzenhändler Klaus Bodien ist so jemand. Seit fast drei Wochen ist der Parkplatz jetzt sein Verkaufstresen, da durch Baumaßnahmen in der Schweriner Straße über den eigentlichen Marktplatz am Rathaus nun Busse rollen.

"Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich im wohl im Bett geblieben", sagt Klaus Bodien und lacht, während er weiter seinen Stand für Blumen und Pflanzen abbaut. Doch eigentlich dürfte ihm weniger zum lachen sein, ist es doch für ihn eigentlich ein verlorener Tag. Heute war er wieder einmal der einzige Händler auf dem Wochenmarkt. Das passiert manchmal, erzählt er. Besonders bei schlechtem Wetter steht mal nur der Geschäftsmann mit Bekleidung, der Fischverkäufer oder eben nur Klaus Bodien mit seinem Stand und betreut die wenigen Kunden. "Schlechtes Wetter bedeutet einfach schlechtes Geschäft", fasst Bodien zusammen und hat schon wieder ein Lächeln im Gesicht. Allgemein scheint es den Mann aus Kühsen bei Ratzeburg nur mit freundlichem Gesichtsausdruck zu geben.

Vor drei Wochen sei man umgezogen, erzählt er. Vom Rathausplatz ging es wegen Bauarbeiten zum Parkplatz an der Lübschen Straße. "Aber auch hier ist das Geschäft gleich gut", sagt Bodien - andere würden sagen gleich schlecht. Insgesamt nur zehn bis zwölf Kunden hätten an diesem Tag zu ihm gefunden, erzählt der 62-Jährige. Das diese Einnahmen wohl gerade mal für die tägliche Standmiete reichen dürften, erwähnt der Pflanzenverkäufer nicht, der bereits seit 1997 die Wochenmärkte der Umgebung befährt. Eher spricht er davon, dass der Markt am Donnerstag sowieso beliebter sei und er trotzdem ja noch seine Kunden hätte, zu denen es meist eine jahrelange Bildung gebe. Und dann kommt tatsächlich noch eine Kundin, die extra Liebstöckel bei Bodien bestellt hat. "Manche Sachen gibt es woanders einfach nicht", so die Dame. Selbst hat sie eine deutliche Meinung zum neuen vorläufigen Marktstandort. "Es fehlt einfach die Zugnummer des Marktes. Ein kleiner Imbiss zum Beispiel", so die Kundin, die den Markt am jetzigen Standort gut platziert findet.

Bodien findet den Standort auch angenehmer, vor allem, weil der Boden hier eben ist. Allerdings merke man hier auch deutlich, dass noch weniger Stammkunden den Weg zu ihm auf sich nehmen. Daran sei aber nicht nur das Wetter und die Lage schuld, sondern die allgemeine "kollektive Konsumverweigerung", so Bodien. So berichtet er von den veränderten Kaufgewohnheiten seiner Kunden. "Viele junge Leute haben nicht mehr so ein Interesse am eigenen Garten. Es sind die Alten, die noch Stiefmütterchen, Gurken oder Kohlrabi kaufen. Die Jungen führen ein anderes Leben und das ist auch ihr gutes Recht", so Bodien, der selbst bereits in einem Jahr Rente beantragen will.

Aber auch dann wird er seinen Stand wohl nicht ganz lassen können. "Ich werde es dann als Hobby weiter machen", so der Witwer, der sich ein Leben ohne seine Arbeit nicht vorstellen kann. "Man braucht ja eine Strukturierung für den Tag und auch die Kunden zum Reden, denn die Kassiererin im Supermarkt hat auch nicht so viel Zeit", sagt er lächelnd und wendet sich wieder seinem Stand zu, den er auch in den nächsten Wochen wieder zuverlässig in Gadebusch aufbauen wird.

Wo das genau sein wird, ist hingegen noch ungewiss. Wie Andra Tiedemann vom Ordnungsamt Gadebusch mitteilte, soll der aktuelle Standpunkt noch mindestens bis zum Herbst, dem vermutlichen Ende der Baumaßnahmen in der Schweriner Straße, genutzt werden. Erst danach soll entschieden werden, wie es weiter geht und ob es ein neues Marktkonzept geben wird.

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