Wismar : Kogge ist startklar für die Saison

Das Auftakeln der hansestädtischen Kogge an der Baumhaus-Pier des Wismarer Alten Hafens lockte immer wieder interessierte Besucher an.  Fotos: Hans-Joachim Zeigert
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Das Auftakeln der hansestädtischen Kogge an der Baumhaus-Pier des Wismarer Alten Hafens lockte immer wieder interessierte Besucher an. Fotos: Hans-Joachim Zeigert

Schiffsfreunde nutzten Winterpause zu Wartungsarbeiten, einer wichtigen Inspektion und takelten das Wismarer Mittelalterschiff auf

svz.de von
29. März 2016, 12:00 Uhr

Und wieder hat es die Koggen-Crew geschafft: Das schwere Rahsegel, der Hauptantrieb des Mittelalterschiffes, hängt wieder fest verschnürt oben im Mast am Rahbalken. Mit dem Auftakeln ist damit die „Wissemara“ fit für die Saison. Schon am 2. und 3. April starten die ersten Törns. Den Auftakt bildet am kommenden Sonnabend die erste von weiteren 20 bisher angemeldeten Eheschließungen für 2016 auf der schwimmenden Standesamt-Außenstelle. Der erste Hochzeitsstart scheint besonders „Wissemara“-würdig: „Dann wird auf unserem Schiff der Sohn eines unserer gestandenen Koggenkapitäne unter die Haube gebracht“, so Joachim Müller, Büroleiter und Vorstandsmitglied des Koggen Fördervereins. Doch weiter ins Detail geht er nicht, schließlich gibt es noch eine Privatsphäre.

Passables Wetter, begleitet von Sonnenschein und vor allem eine über die Jahre eingespielte Crew, die alle Abläufe super im Griff hat, sorgten für ein schnelles Gelingen der Aktion. „Jeder stand wie immer an seinem Platz, die Aktion verlief gekonnt zügig und deshalb hatten sich alle die Mittagspause mit Bockwurst, belegten Brötchen und Getränken redlich verdient“, lobte Koggenkapitän Peter Samulewitz das Engagement der fast 40 Anwesenden vom aktiven Besatzungsstamm. Und er macht auch keinen Hehl daraus, dass seine Koggenleute darauf brennen, endlich wieder auf Fahrt gehen zu können. „Eigentlich ist es jedes Jahr die gleiche Prozedur und dennoch irgendwie immer wieder etwas anders“, fand Rainer Büchse mitten im Gewusel an Deck. Der einstige Koggenbau-Schmiedemeister (noch 73), bekannt als Herr tausender selbst gefertigter Bootsnägel und weiterem Metallzubehör, fehlt selten bei diesen All-Hands-Höhepunkten. Wie andere kennt er den Ablauf, der mit dem Segelanschlagen am Rahbalken beginnt. Ist das zusätzliche Tuch, genannt Bonet, angeknüpft und sind die Leinenverbindungen zum stehenden und laufenden Gut klar, folgt der eigentliche Höhepunkt. Mit achtfacher Manneskraft gilt es, per Bratspill, einer hölzernen Riesenrolle gleich, die tonnenschwere Last von Rahbalken und Segel Meter um Meter am Mast in die Höhe zu fieren. Zuvor erhielten Balken und Mast einen neuen Anstrich an der nahe gelegenen Werftpier. „Dort erhielten wir zusätzlich Kranunterstützung und dafür sind wir den Helfern von Nordic Yards sehr dankbar“, würdigt Müller den schnellen und unbürokratischen Einsatz. Winterzeit bedeutet stets umfangreiche Pflege- und Wartungsarbeiten an der mittelalterlichen Replik. Zudem investierte der Förderverein gut 3000 Euro für eine neue Brandwarnanlage. Kontrolliert und gewartet wurden ebenfalls sämtliche Rettungswesten, sowie die drei aufblasbaren Rettungsflöße. Frisches Holz zeigt sich außerdem an der Umhausung für die Be- und Entlüftung des Großraumes. Letztendlich war die erfolgreiche Überprüfung der beiden Reling-Salutgeschütze auf einem Schießplatz bei Hamburg amtlich attestiert worden. Damit heißt es für acht ausgebildete Koggen-Kanoniere wieder „Gut Schuss“.

Dies alles sorgte letztendlich für ein erfolgreiches Inspektionsergebnis, bestätigt durch Mitarbeiter der Berufsgenossenschaft (BG) Verkehr. Überprüft wurden der gesamte Zustand des Schiffes, die Technik und alle Sicherheitseinrichtungen, sowie relevante Unterlagen und Zertifikate. „Sogar unsere Feuerlöscheinrichtung wurde realitätsnah getestet, wobei der besonders kräftige Wasserstrahl besonders überzeugte“, erinnert sich Müller noch gern. Die Verlängerung des Schiffs-Sicherheitszeugnisses der „Wissemara“ um weitere fünf Jahre sichert damit den Fortbestand und Betrieb überhaupt, dieser beliebten, maritimen Touristenattraktion.

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