zur Navigation springen

Kriminalität : Koffer-Diebstahl kostet Französin fast das Leben

vom
Aus der Redaktion der Gadebusch-Rehnaer Zeitung

Inhalt war eine Knochenmark-Spende eines 24-Jährigen aus Schlagsdorf

von
erstellt am 29.Mai.2015 | 06:00 Uhr

Bundesweit für Aufsehen hat der Diebstahl eines Koffers mit einer Knochenmark-Spende für ein elfjähriges Mädchen aus Frankreich gesorgt. Diebe hatten den Koffer samt Inhalt beim Halt des ICE 109 von Dortmund nach Basel auf dem Bahnhof in Siegburg (Nordrhein-Westfalen) gestohlen und sich damit aus dem Staub gemacht. Entsprechend groß war die Sorge der kleinen Patientin aus Frankreich und die des Spenders aus MV.

Jetzt gab es ein Ende mit gutem Ausgang. Denn der Koffer wurde von Putzleuten in einem anderen ICE im 350 Kilometer entfernten Emden noch rechtzeitig gefunden. Nach Angaben der Bundespolizei war der Transportkoffer noch funktionstüchtig, da er über eine eigenständige Kühlung verfügt. Inzwischen konnte das Knochenmark im französischen Strasbourg transplantiert werden.

Der Schlagsdorfer Markus Schwarz (Foto), ein Azubi des Schönberger Bürmomöbelherstellers Palmberg, drückt der jungen Patientin nun die Daumen. Denn er ist der Spender und hat ein großes Herz. „Ich hoffe und wünsche der Kleinen, dass ihr Körper die Knochenmarkspende annimmt und sie wieder gesund werden kann“, sagt Markus Schwarz.

Als die ersten Meldungen von dem Kofferdiebstahl die Runde machten, war der 24-Jährige gerade auf der Heimreise von seinem Kölner OP-Termin. „Das wird ja wohl nicht meine Spende sein, die gestohlen wurde, dachte ich mir. Später hatte ich die Hoffnung, dass der Koffer vielleicht wieder gefunden werden könnte.“

Die Bundespolizei in Köln geht davon aus, dass es sich bei den Dieben um zwei bis drei Profis gehandelt haben könnte. Von ihnen fehlt weiterhin jede Spur. „Einen vergleichbaren Fall habe ich in meiner Dienstzeit noch nicht erlebt. Wir sind alle froh, dass die Sache noch gut ausgegangen ist“, sagt Frank Freund. Er ist seit 1983 bei der Bundespolizei. Dass die Täter den Inhalt des Koffers kannten, ist nach Einschätzung der Polizei unwahrscheinlich. Die Diebe spekulierten eher auf hochwertige Technik wie eine Kamera oder einen Laptop. Der Transportkoffer hatte die Aufschrift „Do not X-ray this bag“ (zu deutsch: Nicht Röntgen).

Dass für das elfjährige Mädchen aus Frankreich ein passender Knochenmarkspender gefunden werden konnte, liegt nach SVZ-Recherchen an einer Typisierungsaktion der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) aus dem Jahr 2009. Mehr als 230 Männer und Frauen machten damals in Schlagsdorf bei der Aktion mit und ließen sich fünf Milliliter Blut entnehmen – eine ausreichende Menge zur Feststellung, ob mit dem jeweiligen Knochenmark eines Spenders einem an Leukämie erkrankten Menschen geholfen werden kann.

Ob sich Spender und Empfängerin jemals kennenlernen werden, ist fraglich. Wegen der strikten Auflagen in Frankreich dürften sich beide nur anonym schreiben, teilte die DKMS gestern mit.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen